Blinker-Standort Jena: Militärhistorische Ausstellung beleuchtet unbekanntes Weltkriegskapitel

Michael Körbs hat eine Ausstellung über die Blinker in Jena organisiert.
 
Das Blinkgerät AS14 250mm im Einsatz. (Foto: Quelle Michael Körbs)
Jena: Johannistor |

Eine militärhistorische Ausstellung widmet sich erstmals in Deutschland der Signal-Ersatz-Abteilung, die in Jena gegründet wurde. Damit wird ein unbekanntes Kapitel aus dem Ersten Weltkrieg erzählt. Noch heute erinnert ein Denkmal in der Saalestadt an diese Nachrichtensoldaten.

Jena ist eine Bergstadt. Landgraf, Jenzig, Hausberg, Kerneberge und Sonnenberg umschließen sie. Jena ist eine grüne Stadt, die auch wegen ihrer landschaftlichen Reize immer neue Einwohner in ihren Bann zieht. Doch die Saalestadt ist mehr. Jena ist zudem Industriestandort. Optische Geräte tragen seit mehr als 100 Jahren ihren Namen in die Welt.

Optische Telegraphie übermittelt Nachrichten zwischen Front und Befehlsstand

Wirtschaft und Natur – auf dieser Wechselbeziehung beruht auch eine geschichtliche Episode während des ersten Weltkrieges, die bisher kaum beachtet wurde. Michael Körbs will das nachholen. Er hat eine Ausstellung in Jena organisiert, die sich mit den Blinkern beschäftigt. „Diese Nachrichtensoldaten“, erklärt der Hobbyhistoriker, „haben im Ersten Weltkrieg militärische Informationen mit Blinkzeichen übermittelt. Optische Telegraphie nennt man das. Dafür nutzten die Blinker künstliche Lichtquellen oder die Sonne.“ In Jena wurde die Blinker ausgebildet. Sechs bis acht Wochen bleiben sie in der Stadt, bis sie in den Krieg ziehen mussten.

Geschichte der Blinker wird im Johannistor erzählt


Im Jenaer Johannistor hat Körbs eine Vielzahl von Exponaten zusammengetragen, die von dieser besonderen Soldateneinheit berichtet: Fotos, Postkarten und Feldpostbriefen, auch ein originales Blinkgerät ist zu sehen. Viele Leihgeber haben ihn dabei unterstützt. Dadurch kann die Königlich Preußische Signal-Ersatz-Abteilung erstmalig nicht nur in Jena, sondern deutschlandweit in einer Ausstellung thematisiert werden.

„Die Blinker kamen im Juni 1915 nach Jena“, berichtet Körbs. Damals tobte in Europa der Erste Weltkrieg. Die Westfront versank im Stellungskrieg. Mit Granaten beschossen sich die gegnerischen Seiten, so dass ein Informationsaustausch zwischen den Truppen und dem Befehlsstab über die üblichen Feldkabelleitungen nicht mehr möglich war. „Da besann man sich auf die Blinker.“


Gute Beziehung zur Jenaer Bevölkerung


Die Signalgeräte wurden damals zu einem Großteil bei „Carl Zeiss“ in Jena produziert. Zudem bot die Stadt mit ihren Bergen viele Übungsmöglichkeiten für die künftigen Nachrichtenübermittler. So wurde Jena zum Blinker-Standort. Und bei der Bevölkerung sehr gut gelitten, wie Körbs recherchieren konnten. „Deren Übungen hatten einen wahren Volksfestcharakter. Die Leute haben den Soldaten sogar Kaffee und Kuchen auf den Berg gebracht.“ Verstärkt wurden diese Kontakte auch dadurch, dass die Soldaten anfangs in Privatwohnungen untergebracht waren. Erst später zogen sie in Massenquartiere um. Diese wurden in Gasthäusern eingerichtet. Eine Zeitlang diente sogar das Volkshaus als Ersatzkaserne. Von Kriegsmüdigkeit und Hungersnot war man Deutschland im Sommer 1915 noch weit entfernt. Als sich das änderte, waren die Nachrichtsoldaten längst aus der Stadt. Im Oktober wurden sie nach Königswusterhausen in eine frei gewordene Kaserne verlegt.

Auf dem Landgrafen wird an Blinker erinnert


Auch jenseits der Ausstellung wird in Jena an dieses besondere Geschichtskapitel erinnert. Auf dem Landgrafen ist ihnen nach dem Ersten Weltkrieg ein Denkmal errichtet worden. Viele Jahre war von dem Gedenkstein nicht mehr viel zu sehen, denn in den 1950er-Jahren wurde es „entmilitarisiert“. Stahlhelm, Eisernes Kreuz und Eichenlaub sind entfernt worden. Ebenso die Inschrift. Im Jahr 2009 übernahm die Reservistenkameradschaft Jena die Patenschaft über das Denkmal und sanierte es. Michael Körbs war damals mit dabei. „Ich bin dort Mitglied“, erklärt er. Schnell war er von der Geschichte der Blinker fasziniert. Er hat sich in das Thema immer weiter vertieft. Eine Zusammenfassung seiner Forschungen zeigt der Hobbyhistoriker in Zusammenarbeit mit JenaKultur nun in der Ausstellung im Johannistor.

Termine

Öffnungszeiten der Ausstellung „Blinker in Jena“:
bis zum 5. Juni, jeweils Freitag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr
im Johannistor Jena
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