Der Kampf gegen den Krebs

  Das Universitätsklinikum Jena feiert in diesen Tagen die 1000. Stammzellentransplantation. Für viele Patienten, die an Leukämie oder einer Lymphomerkrankung leiden, die letzte Hoffnung den Krebs zu besiegen. Nach einer starken Chemotherapie, die sämtliche Blut- und Stammzellen zerstört, erhalten Patienten neue Stammzellen mit dessen Hilfe neues Blut gebildet werden soll. 1994 wurde in Jena die erste Stammzellentransplantation vorgenommen.
PD Dr. Herbert Sayer und Prof Dr. Andreas Hochhaus sind die Oberärzte der Abteilung für Hämologie und Onkologie. Im Gegensatz zu normalen Stationen gibt es hier nur Einzelzimmer. In jedem Raum herrscht Überdruck, um die Patienten von Bakterien und Keimen zu isolieren. Das Immunsystem muss nach einer starken Chemotherapie völlig neu entwickelt werden, erklärt Oberarzt Sayer. Für das Blut beginnt mit der Transplantation quasi die Stunde Null. Anziehsachen, Tageszeitung und auch persönliche Dinge werden unter keimfreier Atmosphäre eingeschweißt und dem Patienten ins Zimmer gelegt. Das Messen der Vitalwerte und das Einnehmen von Medikamenten übernehmen die Patienten meist selbst. Besucher und Schwestern können nur in OP-Kleidung das Patientenzimmer betreten oder müssen durch eine Fensterscheibe am Besucherbalkon kommunizieren.
Auch Edith Schmitt aus Aschaffenburg liegt zurzeit auf der Station der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums. Die Transplantation fand vor 17 Tagen statt. Nochimmer ist ihr Immunsystem geschwächt. Über ein Telefon hält sie Kontakt zu Freunden und Bekannten. Sie ist optimistisch und macht bereits einen fitten Eindruck. Doch auch in den eigenen vier Wänden wird Schmitt ihr Immunsystem langsam neu anlernen müssen. Größere Veranstaltungen sollte sie meiden und auch erkrankten Mitmenschen nicht zu Nahe kommen, raten die Mediziner. Erst nach etwa einem Jahr kann mit der Immunisierung Ihres Körpers mittels Impfung begonnen werden.
Den Kampf bereits erfolgreich geschafft haben Anja Maxelon und Reinhard Koch. Beide kämpften Jahrelang gegen den Krebs, bis in den weltweiten Stammzellendatenbanken ein Spender für sie gefunden wurde. Heute führen beide, abgesehen von der halbjährlichen Kontrolluntersuchung, ein völlig normales Leben. Nach einiger Zeit haben sie Kontakt mit ihren Stammzellenspendern aufgenommen. „Daraus hat sich ein freundschaftliches Verhältnis ergeben“ erzählt Maxelon.
Zahlreiche Stammzellenspenden kommen auch aus dem Ausland. Noch immer warten trotz der weltweiten Vernetzung tausende Menschen auf eine entsprechende Spende. Das Problem: Das Gewebe von Stammzellenspender und Empfänger muss zusammen passen damit eine Transplantation durchgeführt werden kann. Die Stammzellenentnahme ist weniger dramatisch und im Regelfall ohne OP möglich: Dem Spender wird Blut abgenommen, aus dem die Stammzellen herausgefiltert werden. Jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 50 Jahren kann Stammzellenspender werden und selbst ein Menschenleben retten. Dazu ist zunächst lediglich eine Typisierung für einen Eintrag die weltweite Datenbank notwendig.
In den nächsten Jahren entsteht am Medizin-Campus Lobeda ein neues Zentrum für Stammzellentransplantation.

Informationen zur Stammzellenspende:
Institut für Transfusionsmedizin
Bachstraße 18
07740 Jena
Telefon: 0 36 41/9 39 39 39
blutspende@med.uni-jena.de
www.dkms.de

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Hannelore Grünler aus Artern | 21.11.2011 | 06:18  
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