Der Mann mit dem „Kuckuck“

Wenn Thomas Knoll an die Tür klopft, kommt nicht unbedingt Freude auf. Eine zügige und gütliche Einigung zwischen den Parteien ist für den Gerichtsvollzieher das erste Ziel. Foto: Hausdörfer
 
Der "Kuckuck": das aktuelle deutsche Pfandsiegel. Foto: Hausdörfer
JENA/SHK. Gerichtsvollzieher Thomas Knoll kommt gerade von einer Zwangsräumung in Jena-Süd zurück, als er sich mit dem AA-Redakteur zum vereinbarten Termin trifft. „Eigentlich sollte die Wohnung schon leer geräumt sein. Das war aber nicht der Fall, so dass eine Speditionsfirma das jetzt erledigt hat“, erklärt er, sich genauer zu äußern, verbietet ihm seine Verschwiegenheitspflicht. Die 3000 Euro Vorkasse, die der Gläubiger für die Finanzierung der Räumung an ihn leisten musste, kommen nun auf das ohnehin hohe Mietschuldenkonto des säumigen Zahlers noch obendrauf. „Das muss nicht sein“, sagt Thomas Knoll, der im Interesse der Gläubiger oft konsequent sein muss, aber bestimmt kein „harter Hund“ ist. „Jede Vollstreckungshandlung kostet Geld, doch es gibt Möglichkeiten, das abzuwenden, zum Beispiel durch eine Vereinbarung über angemessene Ratenzahlungen“, rät der Gerichtsvollzieher Betroffenen. „Wenn ein Wille da ist, ist oft auch ein Weg, wenn einer gar nicht will, dann will ich auch nicht mehr“, bringt es Thomas Knoll auf den Punkt.

Sein Bezirk, in dem er seit Anfang der 90er Jahre tätig ist, umfasst Jena und nördliche Teile des SHK. Zuerst wäre in Jena der Stadtteil Neulobeda ein Schwerpunkt gewesen, was allerdings jetzt nicht mehr der Fall sei. Auch die damals häufigen Forderungen von Versandhäusern würden heute kaum noch eine Rolle spielen, dafür vermehrt die Schulden aus Telefonverträgen, besonders bei Jugendlichen.

Das landläufige Bild vom „Mann mit dem Kuckuck“ stimmt heute nicht mehr. Von den fünf Gerichtsvollziehern am Amtsgericht Jena sind zwei Frauen, allgemein ist das Geschlechterverhältnis sogar ausgeglichen. Den „Kuckuck“ gibt es immer noch: Als schlichtes Pfandsiegel, dass in der Gestaltung jedoch noch recht antiquiert wirkt.

Die Aufgaben des Gerichtsvollziehers sind mannigfaltiger, als allgemein angenommen. Neben Pfändungen, Wohnungsräumungen und Zustellungen von Schriftstücken gehört auch die Wegnahme von Gegenständen und sogar Personen dazu. Beispiele: „Normale“ Autos, die zum Weg zur Arbeit notwendig sind, sind in der Regel davon ausgeschlossen, aber der tolle S-Klasse-Wagen eines Schuldners keineswegs. Gegebenfalls muss gegen Polo und Co. getauscht werden. Die Wegnahme von Personen ist selten, kommt bei Streitereien über das Umgangsrecht mit Kindern aber durchaus vor. Selbst bei Verhaftungen nach der Zivilprozessordnung ist der Gerichtsvollzieher gefragt, natürlich gemeinsam mit der Polizei, mit der es eine sehr gute Zusammenarbeit gibt. Die Weigerung zum Offenbarungseid zu erscheinen oder die Anordnung von Beugehaft, weil man seine Steuererklärung partout nicht abgeben will, können Gründe dafür sein.

Eines klarzustellen, liegt Thomas Knoll sehr am Herzen: „Wir haben gar nichts mit Inkassobüros zu tun“. In dieser Branche würde hin und wieder mit unlauteren Mitteln gearbeitet, um offene Forderungen, auch verjährte, und überhöhte Inkassokosten einzutreiben. Bei seiner Amtsausübung hatte Thomas Knoll mit den Schuldnern bisher kaum Probleme. Die meisten seien einsichtig und kooperativ. Nur anfangs der 90er Jahre sei er einmal arg in Bedrängnis gekommen. Es gäbe aber auch Beispiele, dass Kollegen verletzt wurden.
Wer jetzt Lust bekommen hat, Gerichtsvollzieher zu werden, für den folgender Tipp: Der Weg dorthin führt über eine Sonderausbildung im mittleren Dienst der Justiz.
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