Die Fahrscheine bitte! Unterwegs mit Jenas Fahrscheinkontrolleuren

Einen gültigen Fahrschein sollte man bei einer Fahrt mit der Straßenbahn oder dem Bus stets vorweisen können. Ansonsten drohen schnell 40 Euro Strafe.
Wenn Antje S. um 6.00 Uhr morgens das erste Mal in die Straßenbahn
steigt, arbeitet sie bereits. Sie ist Teamleiterin einer Sicherheitsfirma die in den Bussen und Bahnen des Jenaer Nahverkehrs tagtäglich die Fahrscheine kontrolliert. Richtig beliebt macht sie sich damit nur bei wenigen Fahrgästen. Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet sie im 10-Stunden-Schicht-System. Selbst am Wochenende und in der Nacht müssen die Kontrolleure ran. Was sie verdienen dürfen sie nicht verraten. Der aktuelle Tarifvertrag im Wachgewerbe sieht für Thüringen jedoch einen Stundenlohn von nur 6,53 € vor. Eine Provision für ertappte Schwarzfahrer gibt es nicht.

Wer vom Kontrollpersonal ohne Fahrschein angetroffen wird muss in
ganz Deutschland einheitlich 40 Euro in einer festgelegten Frist bezahlen.
Zahlt der Betroffene nicht – landet die Angelegenheit vor Gericht.
Auch darauf lassen es in Jena ab und zu einige ankommen. Erst Ende
2010 musste ein 29-Jähriger Jenaer wegen mehrfachen Schwarzfahrens
drei Monate ins Gefängnis (AA berichtete).

Es gibt aber auch Fahrgäste die sich friedlich als Schwarzfahrer
outen. Einer der Kontrolleure, der anonym bleiben möchte, berichtet
von einer älteren Dame die seit Jahren 40 Euro in Bar bereithält, um
das sogenannte „erhöhte Beförderungsentgelt“ zu bezahlen. Damit fahre
sie günstiger als wenn sie sich eine Monatsfahrkarte kaufen würde.
Besitzer von Monatsfahrscheinen, die ihre Fahrkarte bei der Kontrolle
nicht vorzeigen können, müssen 7 Euro zahlen. Insbesondere Studenten
beschweren sich häufig und in lauter Tonlage, wenn sie 7 Euro berappen
müssen, weil sie ihren Studentenausweise zu Hause vergessen haben.
Auch skurille Ausreden kennen die Kontrolleure genug: „Ich musste noch
telefonieren und konnte mir deshalb keine Fahrkarte holen“, „Mir war
schlecht“ oder „Ich habe die ganze Fahrt nach Geld gesucht“.

Leider gibt es auch in Jena zahlreiche Fahrgäste, die sich keinen
Fahrschein leisten können: „Da bekommen wir schon Mitleid, aber wir
haben keinen Ermessensspielraum“ berichtet eine der Kontrolleurinnen.
„Ob man am Ende 40 Euro oder nur 7 Euro zahlen muss entscheidet der
Nahverkehr und nicht wir“ erklärt die Teamleiterin des Schaffnerteams.
Nur wirklich plausible Erklärungen, wie Kinder die nicht zum Automaten
reichen oder überbreite Rollstuhlfahrer müssten keine „Strafe“ zahlen.
Wenig Verbreitung findet in Jena aktuell das Handyticket. Obwohl mit
dem Mobiltelefon gekaufte Fahrkarten 10 Prozent günstiger sind als am
Automat nutzen nur sehr wenige Jenaer das Angebot. Um die Kontrolle
müssen sich die Fahrgäste jedenfalls keine Sorgen machen: Selbst wenn
der Akku während der Fahrt ausfällt, kann das Ticket durch den
Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes mittels Internet nachvollzogen
werden.
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