Exotisches Pflänzchen: Jenaer Geburtshaus besteht seit 15 Jahren

Das Jenaer Geburtshaus besteht seit 15 Jahren. Auf die Feiern am Freitag und Sonnabend freuen sich auch die Hebammen.
J: Carl-Zeiss-Platz | Ein Aufschrei versetzte Jena vor 15 Jahren in Unruhe. Ein Geburtshaus wurde gegründet. Babys sollten nicht mehr zwangsläufig in einem Kreißsaal zur Welt kommen müssen. Vor allem Ärzte kritisierten dieses Angebot. Rückschnitt! Risiko! Die Worte waren nicht immer freundlich.

Kinder außerhalb einer Klinik gebären? Die Frauen hatten weniger Bedenken. Am kommenden Wochenende feiert das Geburtshaus seinen 15. Geburtstag. Es ist nicht mehr wegzudenken aus Jena. Frauen schätzen die Wahlfreiheit zwischen klinischer und außerklinischer Geburt. 850 Kinder wurden im Jenaer Geburtshaus seither geboren; zuerst in den Räumen „Am Steiger“, später am Carl-Zeiss-Platz. Hinzu kommen noch einmal so viele Babys, die durch Hebammen des Geburtshauses im eigenen Hause auf die Welt gekommen sind.

Das Verhältnis zur Ärzteschaft habe sich mittlerweile entspannt. „Da gab es einen Generationswechsel“, erklärt Nicola Hauswaldt-Gildehaus, Geburtshelferin im doppelten Wortsinn. Sie arbeitet nicht nur als Hebamme, sondern „gebar“ gemeinsam mit Anke Carl die Idee eines Geburtshauses auch für die Saalestadt. Noch heute ist sie von ihrer Idee überzeugt, auch wenn die Rahmenbedingungen für die Hebammen selbst immer schlechter werden.

14 freiberufliche Hebammen und eine Projektkoordinatorin haben sich unter dem Dach des Vereins „Geburtshaus und mehr e. V.“ zusammengeschlossen. In kleinen Teams betreuen sie Schwangere und junge Mütter. „Wir begleiten die Familien beim Elternwerden“, erklärt Nicola Hauswaldt-Gildehaus. Von der Schwangerschaft bis in die ersten Lebensmonate hinein. Als Verein können man aber noch weit mehr anbieten. Säuglingspflegekurse, Babymassage, Babyschwimmen und Vorträge gehören ebenso dazu wie Stillgruppen, Kinderkleider-Flohmärkte und eine Bibliothek rund um Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung.

Die Gefahren einer außerklinischen Geburt wurden kontrovers diskutiert. Abgeschlossen ist das Thema noch immer nicht. Die Entscheidung dafür oder dagegen ist auch immer eine Einstellungsfrage, erläutert Nicola Hauswaldt-Gildehaus. Deshalb müssen beide Elternpaare gemeinsam wählen: Klinik, Geburtshaus oder eigene Wohnung. Doch nicht allein der reine Wunsch entscheide. „Wir wägen die Risiken genau ab.“ Nur 50 bis 75 Prozent der Frauen kämen überhaupt für eine außerklinische Geburt in Frage. Risikoschwangerschaften, Mehrlinge, Vorerkrankungen, das sind nur einige der Ausschlusskriterien.

„Das Geburtshaus ist ein exotisches Pflänzchen. Nur 2 Prozent der Kinder kommen außerhalb einer Klinik auf die Welt“, schränkt Hauswaldt-Gildehaus ein. Jenen Frauen aber, die im Geburtshaus entbinden, könne man den „Luxus einer Privatgeburt“ bieten. Eine Eins-zu-eins-Betreuung sei der große Joker. „Das wünschte ich mir eigentlich für alle Frauen.“

Schon vor der Geburt lernt die Familie ihr Hebammenteam kennen. Auch Hausbesuche finden statt. Wenn die Wehen einsetzen, die Hebamme gerufen wird, muss niemand umständlich das Wohnhaus suchen. Während der Geburt kommt eine zweite Hebamme hinzu. Dieser enge Kontakt schafft Vertrautheit, ist sich Hauswaldt-Gildehaus. Man könne sich so ganz auf die Bedürfnisse der Frauen einstellen. „Wir versuchen auch nicht, den Geburtsfluss zu begradigen.“

Das intensive Verhältnis fordert Hebammen viel Kraft und Engagement ab. „Viele beuten sich dabei selber aus“, stellt Hauswaldt-Gildehaus. Nicht nur die sehr hohen Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung belasten ihre Kolleginnen. Auch für die Rufbereitschaft vor einer Geburt fühlen sich die Hebammen nicht ausreichend honoriert. Viele freiberufliche Hebammen hätten sich deshalb schon aus der direkten Geburtsbegleitung verabschiedet, konzentrierten sich auf Vorbereitungskurse und Wochenbettbetreuung. Dass das Geburtshaus die außerklinische Geburt noch anbietet, sein ein „großer Schatz“. „Ich froh, dass wir das haben.“


Termine
- Festakt am 28. Juni, ab 19 Uhr in der Rathausdiele mit Rück- und Ausblick, Festreden und Musik
- Geburtstagsparty am für alle Geburtshauskinder, Eltern und Freunde am 29. Mai, ab 16 Uhr im Café Wagner mit Büfett, Spielen und Livemusik
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