Haidewitzka!

Aus seinem „Büro“ im Kinder­zimmer hat es Claus Weibrecht im Haifischbecken der IT-Branche bis in den ­neunten Stock des Jen-­Towers geschafft. Jetzt genießt er einen tollen Blick über seine Heimatstadt. Auf dem Rechner läuft "DeepView". Für diese App hat seine Firma einen Preis gewonnen.
 
Claus Weibrecht taucht gerne. Daher trägt die Firma auch den Namen eines Hais. Weibrecht: "Er ist der Löwe der Wasserwelt - elegant und zielstrebig." Das Aquarium steht übrigens aus gutem Grund im Konferenzraum: Für einen Kunden hat „IronShark“ ein 3D-Modell am Computer erstellt.
Jena: "IronShark" | Claus Weibrecht ist Thüringens jüngster Firmengründer. Für die App „Deep View“ hat seine Firma „IronShark“ einen Preis gewonnen.


Wer zeigt mehr Zähne? Claus Weibrecht oder sein Stoffhai im Aquarium? Das Lächeln des 25-Jährigen hat jedenfalls Panorama-Breite. Wer den Unternehmer nicht kennt, könnte ihn glatt mit dem Praktikanten verwechseln - so jugendlich wirkt er. Doch Claus Weibrecht ist der Geschäftsführer des Jenaer ITUnternehmens "IronShark", das sein Geld im Internet verdient. Gerade erst hat er den "IQ Innovationspreis Mitteldeutschland" gewonnen.

"Ich bin kein Streber", winkt er bescheiden ab. "Ich habe die Löcher stets an der dünnsten Stelle gebohrt." Sein Lebenslauf verrät etwas anderes. Gerade erst 16 Jahre alt, kaufte er sich das Buch "Existenzgründung für Kids", füllte einen meterhohen Stapel Formulare aus und machte sich selbstständig. Damit ist er der jüngste Unternehmensgründer Thüringens.

Sein erstes Geld verdiente Weibrecht mit E-Learning, also mit Lernprogrammen am Computer. Der Lohn war für den Schüler höher als zwei Jahre Taschengeld. Er studierte bereits Informatik, da hatte er sein Abitur als Jahrgangsbester noch gar nicht in der Tasche. Mittlerweile ist er im Haifischbecken der IT-Branche von seinem Kinderzimmer erfolgreich bis in den neunten Stock des Jen- Towers hochgeschwommen.

Die größte Anerkennung erhielt "IronShark" jetzt für die preisgekrönte App "Deep View". Diese neue Technologie verbindet Fotos mit digitalen Informationen. Wie es funktioniert, zeigt Weibrecht am Beispiel einer Auto-Anzeige in einem Magazin. Mit dem Smartphone fotografiert er sie. Das Bild wird in 1000 Vektoren zerlegt. Die Datenbank findet diesen digitalen Fingerabdruck und leitet Weibrecht direkt auf die Homepage des Autobauers. Dort kann er sich einen Fahrbericht anschauen.

Ene andere Möglichkeit: In einem Kalender fotografiert er das Bild eines Mannes beim Nickerchen und erhält auf seinem iPad einen Film über den Sieben­schläfer­tag.

Das Neue: Die Technik kommt ohne störende Wasserzeichen oder Barcodes aus. Ob nun Kinoplakate, Werbeanzeigen oder Computer-Fotos: "Jedes Bild lässt sich mit Informationen verknüpfen. Und wir lizenzieren die Technik", erklärt Weibrecht, wie er mit "DeepView" Geld verdient. Füttert ein Kunde die Datenbank, zahlt dieser Miete dafür. Bisher sind 2000 Fotos mit Infos hinterlegt.

Bei "Iron- Shark" sind alle Mitarbeiter per Du, kennen die Geschäftszahlen, kickern und essen gemeinsam. Die runden Büros im Jen-Tower heißen Bermuda- Dreieck oder Marianengraben, die Computer Blauhai oder Haidi. Mit seiner Flatrate der guten Laune motiviert Weibrecht auch schlimmste Pessimisten in Grund und Boden. "Ich berichte den Teams regelmäßig, wie gut ihre Lösungen beim Kunden ankommen." Bekäme er jedes Mal, wenn sein Lieblingswort "Lösungen" fällt, einen Euro, hätte er schon ausgesorgt.

Doch der Workaholic hat noch viel vor. "Wir wollen weiter wachsen", verkündet der Jenaer. Seiner "Haimat" bleibt er dabei weiterhin treu.



Claus Weibrecht ...
• nannte seine Firma „Iron­Shark“ (Eisenhai), weil er als Jugendlicher gerne tauchte.
• rekrutierte die Hälfte der 24 Mitarbeiter aus alten Schulfreunden und ­Kommilitonen.
• hat bei „IronShark“ ein A- und ein B-Team, die ihre Namen wegen der den Initialen ihrer Leiter Andreas und Bastian tragen.
• spendiert seinen Mitarbeitern Überraschungseier, haben sie das Monatsziel erreicht.
• wird öfter einmal mit dem Facebook-Gründer Mark ­Zuckerberg ­verglichen.
• trinkt lieber keinen ­Kaffee. „Ich habe schon zu viel ­überschüssige Energie.“
• fühlt sich ohne Handy nackt.
• glaubt an die Zukunft des ­Papiers, liest gerne Krimis und ist ein Zeitschriftenjunkie.



Kontakte:
deepview-app.com
www.ironshark.de
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1 Kommentar
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Antje Hellmann aus Jena | 10.10.2011 | 11:50  
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