Harald Schramm sammelt Radio- und Fernsehgeräte aus DDR-Zeiten

Harald Schramm vor seiner „Schatzkammer“: Über 300 alte Radio-, Tonband-, Schallplattenabspiel- und TV-Geräte hat er hier zusammengetragen.
 
Neben alten Geräten aus der DDR sammelten sich mit der Zeit auch Äquivalente aus alten BRD-Zeiten an – bei Harald Schramm stehen sie nun direkt nebeneinander.

Wenn aus dem ehemaligen Schafstall mal wieder Led Zeppelin über den Hof tönt, dann weiß Ramona Schramm: Ihr Mann widmet sich wieder einmal ganz seinem Hobby. Harald Schramm sammelt alte DDR-Radios, -Tonband- und Fernsehgeräte – und besitzt sämtliche Studioaufnahmen seiner Lieblingsband.

Vor mittlerweile 15 Jahren machte der 56-Jährige seine vermeintliche Schwäche, alte Unterhaltungstechnik seiner Familie zu 'horten', zur Leidenschaft: Er baute den Schafstall um, Boden und Regale ein und verwandelte ihn in einen „Schaustall“ samt Werkstatt. Fortan brachten Nachbarn, Bekannte, ja sein gesamter Heimatort ihm alte Technik-Schätze aus dem Speicher. Besondere Stücke ersteigert er im Internet. In den mittlerweile vier Ausstellungsräumen sind mit der Zeit mehr als 300 Geräte sind zusammen gekommen – darunter Schallplattenspieler, Koffer-, Röhren- und Transistorradios, Fernsehtruhen, Tonbandgeräte, Dia- und Filmprojektoren aus der DDR, aber auch einige Äquivalente aus der BRD. Allgemeiner-Anzeiger-Reporterin Anne-Kristin Henker traf den Radio-Sammler in seinem Wohnort Ulla bei Weimar.

Was fasziniert Sie an den Geräten?
Die Technik! Außerdem bin ich einfach mit den Geräten verbunden: Ich habe in meiner Jugend und auch als Erwachsener viel Radio gehört und 1982 mit dem Aufnehmen begonnen: Ich arbeitete damals als Schlosser und baute mir eine Antenne, die ich mit einem Scheibenwischermotor ausrichten konnte – je nachdem, welchen Sender ich hören wollte. Freitags saß ich dann – zum Leidwesen meiner Frau – zwischen 23 und 0 Uhr vor dem Radio, habe auf NDR 2 „Von Abba bis Zappa“ gehört und die Hits aufgenommen. Die spielten zehn Lieder ohne dazwischen zu reden!

Haben Sie ein Lieblingsstück?
Mein liebstes Gerät ist der Kassenrecorder meiner Jugend, ein KT 100 von 1966. Der spulte damals so schnell wie kein anderes Gerät! Diesen habe ich damals in meinem jugendlichen Leichtsinn zerlegt und nur das Spulwerk noch benutzt. Irgendwann flog auch dieses weg. Als ich mit dem sammeln begann, habe ich natürlich auch nach diesem Gerät gesucht – und es vor ein paar Jahren für 37 Euro im Internet ersteigert!

Welchen „Schatz“ haben Sie in letzter Zeit gehoben?
Kürzlich kam ein Kollege und brachte mir eine alte Holzkiste. Ich baute sie auseinander – und fand tatsächlich ein Radio von 1928! Leider funktioniert es nicht mehr. Ich putzte, schliff und lackierte es neu und nun hat es einen schönen Platz gefunden.

Funktionieren die anderen Geräte Ihrer Sammlung noch?
Ja, viele funktionieren noch, einige jedoch nicht. Wenn ich ein Gerät bekomme, verschwinde ich erstmal in der Werkstatt und probiere es aus. Funktioniert es noch, wird es poliert und bekommt einen schönen Platz im Schaustall, funktioniert es nicht mehr, suche ich nach dem Problem – meist muss ich nur eine Sicherung austauschen. Doppelgeräte lagere ich in der Scheune zum Tauschen.

Welches Gerät fehlt noch in Ihrer Sammlung?
Ein Tesla B115-Tonband. Das ist ein Stereo-Tonbandgerät mit eingebautem Verstärker, da kommt man sehr schwer heran, weil es nur wenige von dieser Sorte gibt. Das ist einfach ein Gerät mit sehr guter Technik, das würde ich gerne haben!

Was bereitet Ihnen im Hinblick auf Ihre Sammlung ganz besondere Freude?
Mittlerweile habe ich etliche Geräte aus Serien – etwa Radios der Firma REMA: Da kann man richtige Entwicklungen sehen. Wenn dann jemand kommt und bringt mir ein Gerät, das genau da hinein passt, dann freue ich mich einfach. Ich kann dann Stunden daran basteln – wenn etwas nicht klappt, könnte ich es aber auch vor Wut in die Ecke werfen... Bis ich es einige Tage später erneut probiere. Das Schönste ist, wenn Leute – wie etwa zum Tag des Offenen Dorfes am 29.8. – zum Schauen kommen, vor den Geräten stehen und sagen: „Guck mal, das hatten wir auch mal!“ Da geht mir das Herz auf... Wochen später klingelt es dann oft und jemand bringt mir ein Gerät: „Ich habe gesehen, Sie haben das noch nicht...“

Wie geht Ihre Frau mit Ihrer Leidenschaft um?
Solange ich die Technik nicht ins Haus bringe und meine Räume nicht „zugemüllt“ aussehen, ist es für sie in Ordnung. Sie brachte mich im Jahr 2000 erst auf die Idee zum „Schaustall“ und der Sammlung: Während eines Urlaubes besuchten wir ein Uhrenmuseum, in dem der Besitzer auch alte Schallplattenspieler und Nähmaschinen zeigte. Meine Frau setzte mir daraufhin die Pistole auf die Brust: „Entweder Du machst aus deinem alten „Gerümpel“ auch eine Sammlung oder es kommt weg.“ Ich entschied mich für ersteres... Und dass sie mich mit einer eigens vor die Haustür gehangenen Glocke rufen muss, wenn ich mal wieder in meinen Räumen verschwunden bin, daran hat sie sich längst gewöhnt!

Termin

Beim Tag des Offenen Dorfes am 29.8. in Ulla öffnet Harald Schramm die Pforten seines „Schaustalls“ Im Dorfe 31. Dort gibt es auch die Möglichkeit, Geräte zu tauschen.
1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige