Helfen, wo internationale Hilfsorganisationen nicht hinkommen

Kurz nach dem Beben brachten Ajay Shrestha und seine Freunde Lebensmittel in das Dorf Nuwakot und konnten mit eigenen Augen das fatale Ausmaß des Bebens sehen.
 
Die Gruppe „Concern Nepal“ um den nepalesischen Chemie-Studenten Ajay Shrestha organisiert von Kathmandu aus Nahrung und bringt diese eigenhändig in besonders vom Erdbeben betroffene, schwer zugängliche Regionen.

Franziska Trommer unterstützt ihre Freunde bei der Versorgung unzugänglicher Dörfer in Nepal

Ihre nepalesischen Freunde haben überlebt, doch sie selbst konnte es nicht fassen: Während sie im sicheren Deutschland sitzt, versinkt ihr Lieblingsland nach dem Erdbeben am 25. April in Not und Elend. Franziska Trommer lebte und arbeitete 2013 mehrere Monate lang in einem Waisenhaus in Nepal und war in der Region Langtang 60 Kilometer nördlich von Kathmandu unterwegs. Nach dem verheerenden Beben steht für die Weimarer Musikstudentin fest: Sie muss auch aus der Ferne helfen. Sie nimmt Kontakt auf zu nepalesischen Freunden, die – anstatt in Schockstarre und Selbstmitleid zu verfallen – derzeit selbst Strukturen aufbauen und da helfen, wo Hilfsorganisationen nicht hinkommen. Mit Franziska Trommer sprach Anne-Kristin Henker.

Welche Informationen hast Du aus Nepal erhalten?
Vor allem in den ländlichen Regionen muss das Ausmaß des Bebens beängstigend sein: In Langtang stehen nach Aussage meines damaligen Trekking-Guides und Freundes fast keine Häuser mehr. Die in diesen Häusern gelagerten Lebensmittelvorräte sind zerstört – fatal, denn gerade ist Monsun-Zeit, der Reis und das Gemüse beginnen erst zu wachsen.

Wie helfen die Freunde vor Ort und warum ist diese Hilfe – neben der der internationalen Organisationen – nötig?
Diese Dörfer sind fast ausschließlich zu Fuß oder mit Eseln zu erreichen, auch Hubschrauber können nicht überall landen. Um den Menschen in genau diesen schwerstbetroffenen Gebieten zu helfen, hat sich Ajay Shrestha, ein Chemie-Student aus Kathmandu, mit acht Freunden zusammengeschlossen: Sie sammeln unter den Nepalesen – die ja selbst wenig haben – Geld, legen ihr eigenes zusammen und kaufen vor allem Nahrungsmittel, die sie in den Dörfern verteilen. Bei der letzten Aktion sind sie mit ihren Motorrollern drei Stunden gefahren und haben die Nahrungsmittel den Rest des Weges, der unpassierbar war, drei Stunden zu Fuß ans Ziel getragen.

Welche Reaktionen gab es bislang auf diese von Nepalesen selbst organisierte Hilfe?
Direkt nach dem Beben sind sie in das Dorf Nuwakot bei Kathmandu gefahren, um dort Essen zu verteilen. Ajay erzählte mir, wie gerührt er war, als die Menschen ihm weinend dankten und ihn segneten.

Was ist als nächstes geplant?
Ich bin selbst erstaunt, wie gut die mittlerweile 20-köpfige Gruppe „Concern Nepal“ organisiert ist: Sie trifft sich täglich zur Planung, bestellt Güter, legt Termine fest – alles keine Selbstverständlichkeit in Nepal! Gerade ist sie in das Dorf Kalika aufgebrochen. Es liegt in den Hügeln westlich um Kathmandu herum, die Straßen dorthin sind nicht passierbar. Die Nepalesen hatten gehört, dass es dort keine Nahrung gäbe und alle Häuser zerstört seien. Mit einem Bus wollen sie Nahrungsmittel und ein Zelt für 200 Menschen bringen. Wenn der Bus nicht weiterkommt, werden sie die Nahrungsmittel selbst tragen.

Wie hilfst du von hier aus?
Ajay und seine Helfer schätzen die aktuell benötigten Ausgaben auf 90.000 nepalesische Rupees, das entspricht etwa 800 Euro. 300 Euro konnte ich schon mit einem spontan zu einem Benefizkonzert umstrukturierten Konzert meiner Band opium acusticum vergangenen Freitag beisteuern. Neun Gruppenmitglieder sammeln in Nepal den Rest. Ich bin sehr berührt und wahnsinnig glücklich darüber, dass sich die Nepalesen selbst aufmachen, um ihrem Land zu helfen. Sie verfallen nicht in Schockstarre oder in Selbstmitleid sondern nehmen die Dinge einfach in die Hand!

Wann und wie kommt Deine Hilfe an?
Ich würde am liebsten selbst hinfliegen, doch ergibt keinen Sinn: Es braucht strukturierte Hilfe. Wenn die Nepalesen es schaffen, diese Strukturen selbst aufzubauen – umso besser. Genau hier soll meine Hilfe ansetzen: Ich habe eines meiner Konten umfunktioniert und nutze es ab sofort als Spendenkonto. Das dort eingetroffene Geld werde ich unverzüglich an Ajay weiterleiten, der es dann in Nahrungsmittel für die nächste Aktion investiert.


Hintergrund
Das verheerende Erdbeben in Nepal am 25. April riss mehr als 8000 Menschen in den Tod. Weitere Menschen kamen 17 Tage später bei einem heftigen Nachbeben ums Leben. Besonders die Region Langtang, die sich 60 Kilometer nördlich von Kathmandu befindet und ein beliebtes Ziel bei Trekkingtouristen darstellt, ist betroffen.

Ajay Shrestha unterstützen
Franziska Trommer, Musikstudentin aus Weimar, lebte und arbeitete 2013 für einige Monate in Nepal und steht per E-Mail und Skype in engem Kontakt zu Freunden und Bekannten in Nepal, die eigenständig Hilfe für von der Außenwelt abgeschnittene Regionen organisieren.
Sie hat auf privater Basis ein Spendenkonto eingerichtet, das der ihr bekannten Gruppe um Ajay Shrestha zum Kauf von Nahrungsmitteln für die Menschen in den betroffenen, nur schwer erreichbaren Dörfern zur Verfügung gestellt wird: Franziska Trommer; IBAN: DE23 1001 0010 0221 2061 16; BIC: PBNKDEFF; Postbank
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Anne-Kristin Henker aus Jena | 20.05.2015 | 17:55  
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