Jenaer Buchhändler Gunther Philler ist auch jenseits der Bestsellerlisten erfolgreich

Gunther Philler in seiner Jenaer Bücherstube. Der gebürtig Eisenberger liest selbst mit Vorliebe Bücher von und über die Familie Mann. Für sein Engagement als Buchhändler wurde sein Geschäft jetzt als besonders herausragende Buchhandlung ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld will er Veranstaltungen in der Bücherstube finanzieren.
Jena: Johannisstraße |

Mit einem ganz subjetiven Sortiment hat Buchhändler Gunther Philler eine treue Kundschaft gewonnen. Seit 1984 leitet er die Jenaer Bücherstube. Jetzt wurde ermit dem Buchhandlungspreis geehrt.

Für ein Gespräch mit Gunther Philler sollte man schon etwas Zeit mitbringen. Immer wieder läutet die Glocke über der Eingangstür, kündigt neue Kunden in seiner Jenaer Bücherstube an. Manche stöbern in den Regalen, andere fragen gezielt nach Autoren und Lesetipps. Auch Tickets für ein Theaterfestival werden verlangt.

Langweilig wird es dem Buchhändler an diesem verregneten Donnerstag jedenfalls nicht. Das Gespräch mit ihm wird immer wieder unterbrochen. Doch eben jene kleinen Pausen geben mehr Einblick in den Alltag des Einzelkämpfers als es Selbstbekundungen zu tun vermögen.

Lesetipps sind gefragt


Gunther Philler ist Buchhändler mit Leib und Seele. Einer Großmutter hatte er unlängst ein Buch für den Enkel empfohlen. Nun fragt sie nach Nachschub. Philler holt ihr die neusten Abenteuer von „Rico und Oskar“ aus dem Regal. Bei einem weiteren Kunden reicht eine kurze Beschreibung aus einer Rezension, um den richtigen Titel zu finden. Eine andere Kundin bringt ein Glas selbst gemachte Marmelade vorbei.

In den kleinen Eckladen am Johannisturm kommen viele Touristen und noch mehr Stammkunden. „Die sind uns immer treu geblieben“, erklärt Philler. Inzwischen kämen gar schon die Enkel zu ihm in den Laden. Diesen hatte er 1984 als Kommissionshändler des Volksbuchhandels. „Bereut habe ich den Schritt nie. Auch wenn es nach der Wende schon ein paar Jahre gedauert hat, bis wir wussten, wo es lang geht.“

Traditionsverlage statt Bestsellerlisten


Die Spuren des Erfolges führen zumindest nicht über die Bestsellerlisten diverser Magazine. Charlotte Link oder Kerstin Gier stehen bei ihm nicht im Bücherregal. „Das ist aber keine Wertung“, lenkt Gunther Philler sogleich ein. „Aber solche Titel werden bei uns nicht nachgefragt.“ Zudem fehle es dafür an Platz. Er setzt auf Traditionsverlage wie wie Suhrkamp, Insel, Fischer und Aufbau. Nur wenige Exemplare sind von den einzelnen Titeln vorrätig. Was nicht da ist, wird bestellt. 50 bis 80 Bücher ordert er auf diese Weise täglich. „Das macht schon Spaß“, so Philler. Auf die moderne Technik scheint er nicht verzichten zu wollen. Bei der Inneneinrichtung bleibt er hingegen seinen Vorgängern treu.

Ladentheke von 1928

Seit 1929 gibt es die Buchhandlung in Jenas Stadtzentrum. So alt sind auch die Ladentheke und die Regale. Sie geben der Bücherstube genau den Anstrich, den Philler auch privat bevorzugt. „Ich mag es klein und gemütlich.“ Doch auf Schnickschnack verzichtet er. Während andere Buchhändler mit so genannter Nonbookware Zusatzeinnahmen erzielen wollen - Kerzen, Schokolade und Schreibwaren ins Angebot nehmen - konzentriert sich der gebürtige Eisenberger auf Bücher. „Mein Sortiment ist schon sehr subjektiv“, gibt er zu. Er höre viel Kulturradio und lese die Rezensionen in verschiedenen Zeitungen. So behält er den Überblick auf die schier unendliche Literaturauswahl. Und wenn ein Kunde gezielt nach einem Buch fragt, bestellt er oft ein weiteres für sich selbst mit. Er will wissen, was er verkauft. „Ich habe den Anspruch, zumindest den Inhalt der Bücher zu kennen, die über meinen Ladentisch gehen“, umschreibt er seine Intension.

Die Strategie funktioniert. Auch wenn die Filiale einer großen Buchhandelskette keine 500 Meter von seinem Geschäft entfernt liegt. David gegen Goliath: In Jena gibt es diesen Kampf nicht.

Zur Sache

+ In diesem Jahr wurde erstmals der Deutsche Buchhandlungspreis ausgeschrieben.
+ Dazu wurden 614 Bewerbungen eingereicht. 108 unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen wurden ausgezeichnet, darunter die Jenaer Bücherstube.
+ Die Jenaer Bücherstube wurde mit vier weiteren Geschäften in der Kategorie besonders herausragende Buchhandlungen ausgezeichnet. Das entspricht einem zweiten Platz.
+ In der Kategorie hervorragende Buchhandlungen (entspricht Platz 3) gingen zwei weitere Preise nach Thüringen. Freuen können sich die Buchhandlung Herold & Krahmer in Hermsdorf sowie die Buchhandlung „Lesezeichen“ aus Schmalkalden.
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