Jenaer Tauschring sucht handwerklich begabte Mitglieder

Erika Glüheisen leitet das Projekt Tauschring am Löbdergraben 7 in Jena (Foto: Steffen Weiß)
Jena: Ricarda Huch Haus | Der Tisch ist gedeckt mit Jogurt, Schinken, Fleischsalat, Brot und Gebäck. „Das habe ich vom Globus geholt, die spenden einmal im Monat Lebensmittel an uns“, sagt Erika Glüheisen und setzt das Teewasser an. Die Projektleiterin des Jenaer Tauschrings erwartet die Mitglieder zum monatlichen Treffen in der 2. Etage des Ricarda Huch Hauses. „Dienstleistungen und Gegenstände können bei uns getauscht werden. Für eine Stunde Arbeit gibt es 10 Punkte auf einem Konto“, sagt Glüheisen.

Sie begrüßt ihre Freundin Ella, die mit ihrem Hund gekommen ist. Beide kennen sich vom Sport und sie habe Ella mit in den Tauschring gelockt. Früher hat Ella bei Zeiss gearbeitet, jetzt bietet sie Fahr- und Putzdienste zum Tausch an. Und sie sucht? „Einen Mann“, wirft Erika Glüheisen ein, was alle im Raum zum Lachen bringt. „Stimmt schon“, sagt Ella. „Ich bräuchte jemand, der mir mal den Rasenmäher startet. Das schaffe ich nicht mehr.“ Eigentlich seien ja alle noch recht fit, betont Glüheisen mehrmals. Die meisten der zwölf Mitglieder sind Rentner oder Vorruheständler. „Wir haben einen Überschuss an intellektuellen Fähigkeiten und brauchen mehr Angebote im handwerklichen Bereich“, fasst Jürgen Murr die augenblickliche Lage des Tauschrings zusammen, den er selbst einige Zeit geleitet hat. Er verstehe gar nicht, warum die Gruppe nicht schon größer geworden sei. „Es haben doch viele wenig Geld“. Man wolle das Konzept jetzt verstärkt bei den Vereinen vorstellen.

Erika Glüheisen vermisst vor allem jemanden, der massiert, frisiert oder schneidern kann. Vor einem Jahr habe man sich von einigen Tauschringmitgliedern aus Lobeda getrennt und da war auch eine Masseurin dabei. „Die wollten keine Richtlinien und machen jetzt ihr eigenes Ding“, erklärt Glüheisen die Entwicklung. Man habe sich mit anderen Tauschringen in Leipzig, Mainz und Erfurt ausgetauscht. Circa 350 gebe es in Deutschland und die meisten davon hätten in irgendeiner Form Richtlinien, um sich abzusichern und auch den Einstieg für neue Mitglieder zu erleichtern. Glüheisen hat sich im Jenaer Tauschring für das Punktekonto und eine Begrenzung auf 100 Minuspunkte eingesetzt. Auch eine Kasse des Vertrauens wurde eingeführt, in die die Mitglieder monatlich 0,50 Cent zahlen und in die auch Gelder aus der gruppeninternen Versteigerung von Gegenständen eingezahlt werden. Die Einnahmen nutzen die Tauschringmitglieder für gemeinsame Kinobesuche oder Ausflüge. Die aktuelle Einnahmen, bei denen die Mitglieder auch noch ein bisschen gespendet haben, wurden an die Kinderkrebshilfe überwiesen.

Von den Internetplattformen zum Tauschen hat Erika Glüheisen auch schon gehört, aber sie kann sich das nicht vorstellen: „Ich fände es nicht so schön, wenn plötzlich jemand vor meiner der Tür steht und sagt: „Ich komme vom Tauschring. Sie suchen jemand zum Malern. Kann ich jetzt anfangen? Ich möchte jemanden persönlich kennenlernen und vielleicht auch schon vier, fünfmal gesehen haben, bevor der bei mir was macht.“
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 06.06.2013 | 07:04  
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Antje Hellmann aus Jena | 06.06.2013 | 08:00  
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Renate Jung aus Erfurt | 11.06.2013 | 00:22  
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