Jobprofil: Wie ist das Leben als Kurator, Herr Stephan?

Kurator Erik Stephan nimmt Albert Gleizes Werk „Sitzender Akt“, 1909, genau unter die Lupe. Das Werk wird für den Rücktransport nach Genf in eine Privatsammlung vorbereitet.
 
An diesem Platz passiert die "trockene" Arbeit des Kurators.
Jena: Stadtmuseum | Anstrengend. Die zusammenfassende Antwort gleich zu Beginn des Gespräches gibt Erik Stephan, Kurator am Stadtmuseum Jena, allerdings nicht schwermütig, sondern mit einem Lächeln auf den Lippen und optimistischem Blick.

Jena will eine weltoffene Stadt sein. „Und genau dies möchte ich auch im Stadtmuseum abbilden“, so Stephan. Die gezeigten Kunstrichtungen umfassen größtenteils Malerei, Fotografie und Videokunst. Von jedem Bereich möchte der Kurator Arbeiten interessanter Künstler zeigen. Um dies zu können, muss Erik Stephan aufmerksam sein. Zeitungen, Zeitschriften, das Internet und unendlich viele Kataloge gehören zu seiner täglichen Lektüre. Up to date sein. Aber nicht nur vom Schreibtisch aus. Ergänzt wird die Recherchetätigkeit durch Museums- und Ausstellungsbesuche, sich auf Kunstmessen informieren, mit Kollegen reden, die Verbindungen zu Künstlern immer wieder aufleben lassen. Toller Job, denken jetzt viele. Aber oben Geschildertes passiert eher in Stephans Freizeit und fällt somit unter die Kategorie unbezahlter Idealismus.

Beziehungen anbahnen und Kontakte pflegen betrachtet er als besonders wichtig. Wenn man Leihgaben in einer Ausstellung zeigen möchte, sei man immer in der Position des Bittstellers. „Auch wenn Andere das anders sehen, aber Jena ist nicht der Mittelpunkt der Welt“, erklärt Stephan. Noch komplizierter wird das Beschaffen von Leihgaben bei der klassischen Moderne. Eine Ausstellungsvorbereitung kann hier schon mal bis zu vier Jahre dauern. „Da muss ich jedes einzelne Bild, das schon mal mehrere Millionen wert sein kann, verhandeln. Es ist mühsam, den Leihgebern die Rahmenbedingungen zu vermitteln, bis sie bereit sind, ihr ,Tafelsilber‘ in Jena zeigen zu wollen“, erklärt der Kurator. Ob man es bekommt, ist dabei nur eine Frage. Wie soll der Transport erfolgen? Wie wird das Werk versichert? Welche Kontrollmechanismen gibt es? Wie darf es angebracht werden? Welches Raumklima herrscht in den Ausstellungsräumen? Fragen über Fragen. Und alle müssen geklärt werden. Für jedes Werk einzeln. Und der Aufwand steigt exponential zum Wert der Arbeit.

Zu den trockenen Arbeiten, aber umso wichtiger, gehört die Geldbeschaffung. Erik Stephan setzt auf Mischfinanzierungen der Stadt, des Landes, von Stiftungen und Sponsoren – eine mühsame und aufwändige Arbeit.

Zu den gern unterschätzten Tätigkeiten eines Kurators wäre noch die Erstellung des Ausstellungskataloges zu nennen. Bei Ausstellungen mit Gegenwartskunst fallen sie kleiner aus. Bei der Klassischen Moderne sind sie umfangreicher. Die Kataloge sind nicht nur käuflich erwerbbare Erinnerungsstücke für Besucher. „Sie sind vielmehr das Rückgrat einer jeden Ausstellung“, erklärt Erik Stephan. Ohne solch ein Buch seien derartige Ausstellungen nicht machbar. Der Katalog ist sozusagen die Referenz für den Leihgeber. Und im Katalog steckt ein enormer Arbeitsaufwand. Dabei steht für diesen idealistischen Teil eines jeden Projektes nur wenig Zeit zur Verfügung.

Abgerundet wird das enorme Arbeitspensum eines Kurators mit der Öffentlichkeitsarbeit. Zusammenarbeit mit der Presse, Plakatieren veranlassen, Anzeigen schalten…


Vita:

Erik Stephan
51 Jahre
Kurator am Stadtmuseum Jena
Hat Betriebsgestaltung an der TU Dresden studiert.
Seit Ende der 80er Jahre Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Kunstwissenschaftler Lothar Lang auf Schloss Burgk.
Seit Anfang der 90er Jahre Kurator für Ausstellungen Gegenwartskunst auf Schloss Burgk.
Seit 2000 Kurator für Ausstellungen Gegenwartskunst und Klassische Moderne am Stadtmuseum Jena.


Kurator

Kurator ist kein Lernberuf. Die meisten Kuratoren sind studierte Kunsthistoriker. Quereinsteiger wie Erik Stephan sind eher die Ausnahme. Kuratoren auf dem freien Kunstmarkt – also von Galerien – kommen aus den verschiedensten Berufen beziehungsweise haben sie teils gar keinen erlernt.

Weitere Jobprofile sind hier zu finden:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/jobprofil.h...

Mehr vom Stadtmuseum Jena:

http://www.meinanzeiger.de/jena/themen/jena+stadtm...
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5 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.03.2012 | 06:40  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 18.03.2012 | 10:41  
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Petra Seidel aus Weimar | 18.03.2012 | 12:06  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.03.2012 | 15:20  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 18.03.2012 | 16:17  
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