Kampf gegen Lärm: Im Kindergarten Dornburg sorgt man nicht nur mit Yoga für ruhige Momente

Marie und Max flüstern Jan Kirmes etwas ins Ohr. Der Erzieher ist zugleich Sicherheitsbeauftragter im Kindergarten Dornburg und sorgt mit seinen Kolleginnen und Kollegen für ein harmonisches Miteinander.
Dornburg/Saale: Friedrich-Ludwig-Jahnstraße 12 |

Kinderlärm ist Zukunftsmusik. Nicht jeder mag diesen Satz unterschreiben. Zu oft ist von Klagen zu lesen, in denen Hausbesitzer gegen benachbarte Kindereinrichtungen aufbegehren. Für Beate Seidemann gehört hinter diesen Ausspruch hingegen ganz ausdrücklich ein Ausrufezeichen.

Die Leiterin des Kindergartens Dornröschen in Dornburg mag auch am Tag gegen Lärm nichts Negatives sagen über den täglichen Geräuschpegel, dem sie und ihr Team ausgesetzt sind.

Massagen und Yoga helfen


„Wenn es zu still ist, stimmt etwas nicht“, erklärt Seidemann. Gegen ein überhohes Maß an Lärm schützt indessen das Konzept des Kindergartens. In Dornburg legt man großen Wert auf Gesundheitserziehung und Gewaltprävention. So werden schon die ganz Kleinen mit Babymassagen verwöhnt. Diese Art der Stressbekämpfung wird in den größeren Gruppen fortgesetzt. „Die Kinder massieren sich dann gegenseitig“, berichtet die Kindergartenchefin. Auch Yogaübungen und die Arbeit mit Klangschalen bringen Ruhe in die Einrichtung. In den Wintermonaten sorgen regelmäßige Saunagänge für stille Momente im Alltag. Doch auch die Kinder werden aktiv. „Sie können selbst signalisieren, wenn es ihnen zu laut wird. Dann greifen sie beispielsweise zu einem Gong.“ Damit zeigen sie ihren Spielgefährten: Mir ist es zu laut.

Entschuldigung mit guter Tag verbinden


All das passiert aber nicht im Selbstlaut. Da sind sich Beate Seidemann und ihre Stellvertreterin Bärbel Friedrich einig. Was man von Kindern erwarte, müsse man vorleben – mit viel Liebe und Respekt gegenüber den Schützlingen. Hektik hingegen müsse verbannt werden. Ruhe und Sicherheit sorgen für ein harmonisches Miteinander. Das müsse sich auch in der Struktur der Räume widerspiegeln. „Alles gehört an seinen Platz“, so Seidemann. Wenn Spielzeug nicht leicht zu finden ist, bringt das Unruhe in die Gruppe und sorgt vermehrt für Streit zwischen den Kindern.

Solche Auseinandersetzungen bleiben trotzdem nicht aus. „Wir halten die Kinder aber dazu an, diese nicht lautstark zu führen.“ Und eine Entschuldigung dürfe nicht nur verbal erfolgen. Dazu bedürfe es auch einer guten Tat, die der Entschuldigung folgt.

Doch auch ganz praktische Maßnahmen schützen vor zu viel Lärm. „Wir nutzen zum Beispiel den gemeinsamen Garderobebereich nicht zur gleichen Zeit, sondern stimmen uns untereinander ab“, erzählt Bärbel Friedrich. Gut schließende Fenster und Türen, die nicht laut zuschlagen können, sind weitere Präventionsmaßnahmen. Dafür zu sorgen ist Aufgabe des Sicherheitsbeauftragten Jan Kirmse.

Zur Sache


Der Kindergarten „Dornröschen“ in Dornburg wird von der Stadt Dornburg-Camburg getragen. Die Einrichtung besuchen derzeit 70 Kinder im Alter ab einem Jahr bis zum Schuleintritt. Sie werden derzeit von elf Erzieherinnen und Erziehern betreut.
Auf Grund der hohen Nachfrage nach Kindergartenplätzen in Dornburg soll der Kindergarten demnächst vergrößert werden.

Der „Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day“findet seit 1998 in Deutschland statt, in diesem Jahr am 29. April. Er wird von der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) in Kooperation mit dem Arbeitsring Lärm der DEGA (ALD) sowie den DEGA-Fachausschüssen „Lärm: Wirkungen und Schutz“ und „Hörakustik“. Mit dem Aktionstag soll auf die Ursachen und Auswirkungen von Lärm aufmerksam gemacht werden.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.05.2015 | 06:34  
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Renate Jung aus Erfurt | 04.05.2015 | 23:58  
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