KGS "Adolf Reichwein" Jena feiert 100-jähriges Schuljubiläum

Regine Emmrich ist die stellvertretende Schulleiterin der KGS "Adolf Reichwein" in Jena. Sie leitet derzeit die Gesamtschule kommissarisch.
Jena: Wöllnitzer Straße 1 | Nicht nur aus ganz Thüringen, selbst aus Holland und Bolivien kamen die Schüler, als am 22. April 1914 die neue Oberrealschule in Jena eröffnet wurde. Hier konnte man auch ohne Lateinunterricht die Studienbefähigung erlangen. Für Schüler mit Interesse an den damals aufstrebenden Naturwissenschaften ein ideales Lernumfeld. Die vergangenen 100 Jahre waren sehr wechselvoll für den Schulstandort an der Wöllnitzer Straße. Die Geschichte des Hauses widerspiegelt deshalb zugleich die Schule als gesellschaftliche Institution. AA-Redakteurin Simone Schulter sprach mit Regine Emmrich, der stellvertretenden Schulleiterin, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der in Jena als„ARO“ bekannten Schule.

Hat sich das Konzept einer kooperativen Gesamtschule bewährt?
In meinen Augen ja. Die Schüler können hier mit Netz und doppeltem Boden lernen. Sie können zwischen den Gymnasialklassen und den Regelschulklassen wechseln, ohne ihr gewohntes Umfeld verlassen zu müssen, und werden dabei von den Lehrern intensiv unterstützt. Bei uns kann man alle Thüringer Schulabschlüsse in einem Haus ablegen. Das ist ideal.

Gibt es auch Vorbehalte?
Es gibt schon noch einige Vorurteile gegenüber unserer Schule. Das finde ich schade. Manche meinen, ein Abitur an unserer Schule ist nicht gleichwertig mit dem eines klassischen Gymnasiums. So ist es nicht. Auf dem Zeugnis steht ganz konkret Gymnasialteil. Ich behaupte zudem, dass unsere Gymnasialschüler eine höhere Sozialkompetenz haben durch den ständigen Kontakt mit den Regelschülern. Sie lernen, dass alle gleich sind mit unterschiedlichen Stärken.

In Jena ist die Schule ein Exot. Wie sieht es anderswo aus?
In Thüringen gibt es zwei weitere kooperative Gesamtschulen; in Erfurt und Gotha. Sie bestehen schon länger als unsere Schule.
Wie sind Sie mit den Anmeldungen für das neue Schuljahr zufrieden?
Wir können drei 5. Klassen bilden, zwei im Gymnasialbereich und eine Regelschulklasse. Das neue Anmeldesystem der Stadt Jena mit kopiergeschützten Anmeldebögen hat sich als vorteilhaft erwiesen. Die angemeldeten Schüler haben sich bewusst für unser Konzept entschieden.

Wie viele Schüler lernen heute an der Schule?
Wir haben 582 Schüler in 26 Klassen. Zur Eröffnung des Schulgebäudes 1914 lernten hier 800 Schüler. Aber inzwischen gibt es viel mehr Sanitäreinrichtungen und Werkräume. Beachtenswert finde ich, dass gerade zum 100. Geburtstag der 1. Jahrgang der KGS sein Abitur ablegt.

Die KGS führte das alte Reichwein-Gymnasium und die Ostschule zusammen. Gibt es Traditionen beider Einrichtungen, die bewahrt wurden?
Vom ARO-Gymnasium haben wir die Veranstaltung „Liebeserklärung an die Kunst“ übernommen. Schüler rezitieren Gedichte, Instrumente und Sketche werden gespielt. Aus der Ostschule, einer Regelschule, führen wir den naturwissenschaftlichen
Wettbewerb „Einsteins Enkel“ weiter.

Beim ständigen Wechsel der Schulformen: Halten Absolventen da noch Kontakt zu ihrer ehemaligen Schule?
Es sind vor allem ältere Jahrgänge, die sich zu Klassentreffen Führungen durch die Schule wünschen. Wir wollen aber auch ein Ehemaligentreffen etablieren, das immer am letzten Freitag im September stattfindet. Der Förderverein hat schon zwei dieser Veranstaltungen organisiert. Zu den Treffen kann jeder Ehemalige kommen – unabhängig von der Schulform.

Gibt es zum runden Geburtstag Wünsche?
Es würde mich freuen, wenn weitere junge Lehrkräfte ins Kollegium kommen. Zeitnah wünsche ich mir die Berufung eines neuen Schulleiters.

Geschichte der Schule


• 1914 Oberrealschule für etwa 800 Schüler
• 1940 bis 1945 Lazarettbetrieb, kein Unterricht
• 1945 bis 1947 Nutzung des Hauses als amerikanische, danach sowjetische Militärverwaltung
• 1947 Wiederaufnahme des Schulbetriebes
Im Gebäude sind eine Polytechnische und eine Erweiterte Oberschule (POS und EOS) untergebracht. Später erhält die Schule den Namen „Adolf Reichwein“. Das genaue Datum ist nicht bekannt. In der ARO II wird erweiterter Russischunterricht (ab Klasse 3) angeboten.
• 1962 in Zusammenarbeit mit der HNO-Uniklinik Eröffnung spezieller Klassen für gehörgeschädigte Kinder
• 1985 Zusammenlegung von ARO I und ARO II zu einer Schule
• 1991 bis 2009 Staatlichen Gymnasiums „Adolf Reichwein“
• seit 2006 Gründung der Staatlichen Kooperativen Gesamtschule
Das Gymnasium wird abgewickelt. Die Ostschule als Regelschule integriert.
• seit 2009 Staatliche Kooperative Gesamtschule unter dem bekannten Namen „Adolf Reichwein“
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