Mobbing in der Schule: Kinder können grausam sein

Das "Hauen ist Doof"-Team - im Bild Andrea Rieke, Birke Mönnig, Ellen Relius und Silvana Bronsert (v.li.) - hilft, Mobbing unter Kindern und Jugendlichen vorzubeugen oder zu beenden. Foto: Hausdörfer
Fast jeder kennt es: Das Mobbing in der Schule, auch wenn es damals vielleicht noch anders hieß. Als Opfer oder als einer der vielen Zuschauer, die beobachten, aber nicht eingreifen. Oder auch als Mobber von einst, der sich heute dafür ein wenig schämt, oder auch nicht, weil er ein Mobber geblieben ist und heute z.B. seinen Arbeitskollegen das Leben schwer macht.
Doch anders als beim Mobbing unter Erwachsenen, wo die Betroffenen durchaus die Möglichkeit haben, sich selbst zu wehren, sind gemobbte Kinder auf Hilfe angewiesen: Von den Eltern, den Lehrern oder Fachleuten, die die Ursachen und oft bizarren Wirkmechanismen des Mobbings kennen und Lösungswege aufzeigen.

Seit elf Jahren gibt es in Jena den Verein „HAUEN ist DOOF“ (HiD). Initiiert hat ihn Conny Beecker, deren eigener Nachwuchs an der Schule auch von Mobbing betroffen war. Angefangen hat sie mit Projekten in der Klasse, gründete dann schließlich den Verein, der heute in Jena, im Umland und auch darüber hinaus mit gewaltpräventiven Angeboten präsent ist.
Diese Angebote reichen vom Kindergarten über die verschiedenen Schulstufen bis hin zur Lehrerfortbildung. Dabei geht es vor allem um das Vermitteln gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien, zum Beispiel mit Hilfe des „Friedenstisches“. Weitere Hauptpunkte in der präventiven Arbeit sind die Stärkung des Selbstwertgefühls der Kinder, die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit, die Förderung der Gefühlswahrnehmung und die Entwicklung eines Gemeinschaftssinnes.

Aus den vorbeugenden Angeboten entwickelte sich jetzt ein Interventionsprojekt, das immer dann greift, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Das heißt, wenn bereits konkrete Mobbing-Situationen vorliegen, die für die Betroffenen sehr schwer zu meistern sind und im Extremfall die Arbeitsfähigkeit einer ganzen Klasse gefährden. Vor kurzem wurde deshalb in Jena eine Mobbing-Beratungsstelle eröffnet. An diese können sich, so erklärt HiD-Mitarbeiterin Birke Mönnig im AA-Gespräch, Schüler, Eltern und Pädagogen kostenlos und vertraulich wenden, aber auch Personen, die Mobbing-Fälle beobachten. Hier gelte es, nicht einfach wegzuschauen. Denn Mobbing-Opfer werden, so Birke Mönnig, kann prinzipiell jeder.

Die Mobbing-Beratungsstelle befindet sich derzeit noch in der Thomas-Mann-Straße 25, ab 1. Juli in der Lutherstraße 131. Sprechzeiten sind Dienstag von 9 bis 12 Uhr, Donnerstag von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 470076.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige