Nun sag, wie hast Du's mit der Religion? – Streiflichter vom Kirchentag auf dem Weg in Weimar und Jena

Ein begehbares Kirchenfenster auf dem Platz vor dem Reiterdenkmal in Weimar lädt zu Andachten ein.
 
Die vorbereitete Plastik "Engel der Kulturen" wird von Vertretern der Weltreligionen als Friedenszeichen an den vorbestimmten Platz getragen.
 
Die Band Airtramp erinnert mit Liedern an den Widerstand in der DDR. Die Band wurde 1985 verboten.
 
Eine multimediale Messe in der Stadtkirche St. Michael
Jena: Stadtkirche St. Michael | Insgesamt 22100 Besucher zählte der "kleine" Kirchentag in Jena und Weimar. Damit ist der Organisationsleiter Rainer Weitzel durchaus zufrieden und freut sich über die gute Atmosphäre und ausgelassene Stimmung in beiden Städten. Zum Willkommensabend in Weimar kamen allein 5000 Besucher und das Rockkonzert "Widerstand damals und heute" lockte 1500 Zuschauer auf dem Jenaer Markt. Vor allem die verschiedenen Gottesdienstformen und Open-Air-Veranstaltungen bei freiem Eintritt zogen die Besucher an. 150 freiwillige Helfer unterstützten die Organisatoren bei den Veranstaltungen. "Für ihren Einsatz sind wir sehr dankbar.", betont Weitzel. "Durch ihren tollen Einsatz ist nicht nur das tolle Programm, sondern auch die wunderbare Stimmung während der letzten Tage entstanden."

Der Engel der Kulturen rollt durch Jenas Straßen

Neben mehreren Bibelarbeiten bildete die Kunstaktion "Engel der Kulturen" den Höhepunkt am Freitag in Jena beim Kirchentag auf dem Weg. Das Symbol des Engels wird in einem Stahlrad umrahmt von den Zeichen der Weltreligionen, das Kreuz des Christentums, der Halbmond des Islam und dem Davidstern des Judentums. Das Rad wurde von der Stadtkirche St. Michael durch die Innenstadt Jenas gerollt und hinterließ an Stationen, wie dem Markt oder dem Holzmarkt einen Sandabdruck. Jede Station wurde von einer Religionsgruppe gestaltet. Am Johannistor wurde der Weg durch die Stadt durch ein Interkulturelles Friedensgebet am Engel der Kulturen beendet. Ein Stahlring mit einem blauen Engel und den Zeichen der Weltreligionen erinnert auf der Straße am Johannistor an den Weg des Engels der Kulturen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), der Schirmherr des Kunstprojektes in Weimar, sprach in seiner Grußbotschaft, dass Religion nie Teil des Problems sein darf, sondern immer Teil der Lösung. Da Symbol ist ein Signal für unser Land, auf das der Engel uns Kraft gebe, so Bodo Ramelow. Mit dem Schneidbrenner half der Ministerpräsident eine neue Vorlage für die nächste Station des Kunstprojektes auszuschneiden. Die ausgeschnitten Engel werden als eine Stele in Jerusalem ihren Platz finden und vom interkulturellen Dialog aus Deutschland künden.

Futtern bei Luthern

Im Lutherhaus zu Jena in der Hügelstraße 6a ist der Tisch bereits gedeckt. Muhme Lele und ihre Helfer hat alles vorbereitet und empfängt die Gäste an der Tafel Martin Luthers. Herr Luther und Frau Käthe freuen sich über so viele Tischgäste bei diesem Mittagsmahl. Doch das Beste ist, der Herr Reformator steht für Fragen zur Verfügung. Er erzählt von seinem Elternhaus, seinen Studien in Eisenach und dem Blitz bei Stotternheim. Katharina Luther steht ihrem Gemahl nicht nach. Sie berichtet vom Leben im Kloster, von der Flucht und dem ersten Zusammentreffen mit dem Reformator, ihrer Hauswirtschaft und der Arbeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Vielen, auch kritischen Fragen muss sich Luther aussetzen, doch mit seiner volksnahen Art meistert er auch diese Situationen. Bei Brot, Schmalz, Kräuterquark und einem Becher Bier lassen sich es sich die Besucher munden. Dazu werden Lieder aus der Feder Luthers gesungen. Doch ganz ohne die Lehre Luthers geht es nicht ab. Der Reformator erklärt Teile seines Katechismus und meint: "Ein Christ braucht nur die Bibel und den Katechismus, sonst nichts, um Gottes Wort zu verstehen." Ob das auch heute noch gilt? Anhand von Psalm 23 erklärt er, wie er seine Bibelübersetzung angefertigt hat. Dabei hat er "dem Volk aufs Maul geschaut" und es so übersetzt, dass es auch der kleine Mann bildlich verstehen konnte. Silke Mack-Rymatzki und Pfarrer Dr. Christoph Rymatzki verkörperten das Ehepaar Luther. Unterstützt wurde die Gastfreundschaft im Hause Luther von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Jena.

Auch das ist ein Kirchentag – Rock auf dem Jenaer Markt

Unter der Überschrift Widerstand damals und heute vereinte ein Konzert auf Jenas Markt, Rock und Punk von früher und jetzt. Airtramp aus Jena setzen an das Verbot zu DDR Zeiten an und dort fort, wo die Band damals aufhören musste. Zu hören waren die alten Lieder, die von Sehnsucht, Resignation und Wut handelten und für die Staatsmacht nicht zum sozialistischen Menschenbild passte. Olli Jahn, Frontmann, damals und heute, erzählte Geschichten aus der Zeit, als Airtramp noch in Kirchen und alternativen Klubs spielen durfte und wie die Lieder entstanden. Manche Lieder erhielten durch das heutige Weltgeschehen eine neue und beängstigte Bedeutung.
Die Band Hasenscheiße aus Potsdam sind keine Unbekannten in der alternativen Singer- Songwriter-Szene. Hasenscheisse verbreiten nun schon seit mehr als sechs Jahren ihre eigenwillige Mixtur aus delikat gezupften Leckerbissen fürs Ohr und wild tanzbarem, herrlich trivialem Gegröle für die Beine! Humorvolle deutsche Texte, meist vorgetragen mit einer großen Portion Berliner Mundart, schlingern sich - mal Bossa, mal Walzer, mal Rockabilly - durch jede Menge kurzweilige Songs. Moderiert wurde das Konzert vom Jenaer Pfarrer Lothar König, der sich aktiv bei der Friedensbewegung und im Protest gegen Rechts engagiert.

Ein besonderes Konzert mit Gästen aus den USA

Ein außergewöhnliches Chorkonzert begeisterte die Besucher in der Jenaer Stadtkirche St. Michael. Der Chor und Handglockenchor aus Davidson, North Carolina, USA brachte das Gefühl der "United Methodist Church" nach Jena. Chorwerke für Orgel und Klavier erklangen von Felix Mendelsohn, Charles Villiers Stanford, Josef Rheinberger und Johannes Brahms. Dazwischen spielte der Handglockenchor speziell arrangierte Stücke für Handglocken und Chimes.

Multimediale Messe in der Stadtkirche St. Michael

"Verleih und Frieden gnädiglich" – Unter diesem Satz stand eine Multimediale Messe in der Jenaer Stadtkirche. Gestaltet wurde die Veranstaltung von der Musik- und Kunstschule Jena. Junge Musiker und Chöre präsentierten eine Messe von Peter Schindler. Der Komponist lässt sich von Kyrie, Gloria, Sanctus und Agnus Dei inspirieren. "Verleih uns Frieden" erklang in den Versionen von Hugo Diestler, Johann Walther, Heinrich Schütz, Felix Mendelsohn-Batholdy, Peter Helmut Lang und Johann Sebastian Bach. Dazu erstrahlte die Kirche in den unterschiedlichsten Farben.

Geraer Handglocken unterstützen Katrin Göring-Eckart

Katrin Göring-Eckart (Grüne) beschäftigte sich in einer Bibelarbeit mit der Begegnung von Maria und Elisabeth auf dem Jenaer Markt. Ihre Themen Auszug aus der Angst, Einkehr bei Gott, Aufbruch in die Welt erläuterte sie im Bezug zur Begegnung der beiden starken Frauen. Musikalisch wurde die Bibelarbeit vom Geraer Handglockenchor unter Leitung von Kantor Martin Hesse begleitet.

Siegerehrung in der Stadtkirche

"Luther und die Reformation durch das Kameraauge gesehen", so hieß ein Fotowettbewerb für die Schüler der Religionslehre in Ostthüringen. Zum Kirchentag auf dem Weg in Jena fand schließlich die Ehrung der Sieger statt. Jetzt im Ruhestand, freute sich der damalige Schulbeauftragter Ullrich Prell über die vielen bemerkenswerten Arbeiten. Die Preisträger erhielten ein Preisgeld für ihre Schulen und Klassen. Gestiftet wurde die Gesamtsumme von Kirchenkreis Schleiz, der auf die Schirmherrschaft über den Wettbewerb hatte. "Der differenzierte Blick auf die Reformation, historisch und in der Gegenwart zeigt das Interesse an dem Geschehen zum 500. Reformationsjubiläum.", so Prell. "Ein besonderer Dank geht an alle Teilnehmer, Klassenleiter, an die Jury und das Team der Fachberaterinnen.

Die etwas andere Musik beim Kirchentag in der Friedenskirche


Benni (Cellini) Gerlach (Letzte Instanz) und Karl Helbig sind "Land Über", ein Duo mit Musik für die Seele. Cello, Saxophon und diverse begleitende Elektronik schaffen aus den einzelnen Tönen Klangteppiche und sphärisch schwebende Tongebilde. Die beiden Musiker verstehen es durch Überleitungen den Besucher an der Musik Anteil nehmen zu lassen. In der Jenaer Friedenskirche erklangen viele altbekannte Stücke, aber auch neue Kompositionen aus dem 2015 erschienenen Album Licht, teilweise mit aktuellem Bezug.
Jazz, Pop und eine himmlische Stimme, das sind Spacejazz und Flockpop aus Berlin. George Donchev aus Bulgarien und Anka Groth, geboren in Jena und jetzt in Berlin verzaubern durch eigene Lieder die Besucher. In Englisch und Deutsch gesungen erzählen sie von Erlebnissen und von der Schönheit von Natur und Umwelt. Bass, Perkussion und Gitarre verschmelzen hierbei Folk, Jazz und Chanson mit außergewöhnlichen Rhythmen und moderne Arrangements.

Planetarium Jena – Das Universum im Gottesdienst

FullDome unter dem Dom, das konnten die Besucher beim Gottesdienst im Jenaer Zeiss-Planetarium erleben. Superintendent Sebastian Neuß leitete diesen mit Dunkelheit, Licht und Farben durchfluteten Gottesdienst. Tanz und Kompositionen von Romeo Wecks begleitete diese mit Projektionen gestaltete Installation. Gestaltet wurde der Gottesdienst von der Studentengemeinde Weimar und dem Ökumenischen Hochschulbeirat Weimar. Diakone aus Thüringen lasen Gebete, den Psalm und sprachen die Predigt. Stefan Körner, Diakon an der St. Trinitatis Kirche in Gera, freute sich über seinen Beitrag und an diesem besonderen Gottesdienst mitwirken zu können.

Wissenschaft und Religion – Eine Bibelarbeit über Jesus und Zachäus

Dass sich Wissenschaft und Religion keinesfalls ausschließen bewiesen Veranstaltungen im Haus für den wissenschaftlichen Nachwuchs Jena, dem "Haus zur Rosen". Zu einem Text aus dem Lukas Evangelium zum Thema Jesus sieht Zachäus sprach Frau Prof. Dr. Christel Kohle-Hezinger, Volkskundlerin und Kulturwissenschaftlerin an der Uni Jena. "Wie ist das mit Sehen und Gesehen werden? Es ist viel kulturelles Handeln darin, es werden viele Verben verwendet. Der Zachäus ist ein Handelnder. Es ist eine Wundergeschichte unter dem Thema verkehrte Welt." Im Anschluss wurde darüber gesprochen. Viel Wert legte die Vortragende auf das Erzählen, denn das gegenseitige Erzählen schafft Vertrauen.

Begehbares Kirchenfenster und Bibel aus dem Jahre 1534 in Weimar

In Weimar lud auf dem Platz der Demokratie an der Herzogin Anna Amalien Bibliothek ein begehbares Kirchenfenster zum Verweilen und Innehalten ein. Neben der Osterkerze in der Mitte war es möglich kleine Kerzen im Fenster zu verteilen. Das "Begehbare Kirchenfester" ist Teil des Projektes "Mobile Kirche, sakrale Räume auf Zeit", das im Herbstsemester 2008 von verschiedenen Hochschulen ins Leben gerufen wurde. Zum Kirchentag 2009 wurde erste Modelle vorgestellt. Mobile Kirchen bieten Zeit zum Verweilen, besetzen die Orte nur auf kurze Zeit und ziehen dann weiter. Morgen-, Mittags- und Abendandachten wurden hier angeboten.
Eine Luther-Bibel in Deutsch aus der Erstauflage von 1534 kann die Herzogin Anna Amalien Bibliothek ihr eigen nennen. Genau dieses Exemplar war über den Kirchentag zu bestaunen. Von dieser Erstauflage von 3000 Stück sind heute weltweit noch 60 erhalten. Das gesamte Werk wurde digitalisiert und ist auf www.klassik-stiftung.de/lutherbibel zu bestaunen.

Bühne frei für's Jugendprogramm,

hieß es in und um die Weimarhalle in Weimar. "Let's The Praise Begin" hieß ein Gospel Workshop mit Micha Keding. 100 Teilnehmer bereiteten ein Programm für das Vorprogramm zum Eröffnungsgottesdienst auf den Weimarer Markt vor. Geocaching, Geschicklichkeitsspiele und Musik.

Eine musikalische Andacht in der Jenaer Friedenskirche

Man zählt in den Tausendern, so viele Musikalische Vespern gab es schon an der Friedenskirche in Jena. Und das ist heute, zum Kirchentag auf dem Weg, die Nr. 1720. Die musikalische Andacht wird gestaltet von Birgit Hoffmann an der Violine, der Sopranistin Algunt Schorscht und Helmut Haupt aus Jena an der Orgel. Im kühlen Kirchenraum an diesem heißen Samstag, 27. Mai 2017 erklangen Werke von Georg Friedrich Händel, Henry Purcell, Anton Bruckner, Max Reger und anderen. Noch bis zum September 2017 werden jeweils samstags um 15 Uhr musikalische Vespern stattfinden.
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1 Kommentar
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Michael Kleim aus Gera | 31.05.2017 | 15:11  
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