Pegida: Warum Deppenlisten nicht zielführend sind

Die besinnliche Weihnachts- und Adventszeit gilt ja gemeinhin als eine familiäre Belastungsprobe. Mehr als sonst ist man geneigt, sich gegenseitig einmal vorzuhalten wie „Scheiße“ man sich findet. Dieses Jahr, so scheint es, sind mit Pegida große Teile der Gesellschaft von diesem Phänomen betroffen.

Allerorten wird Position für oder gegen Pegida bezogen. Ein Facebook-„Freund“, ein Journalist und Blogger, der vor Jahren für seine Formulierung „Bratwurstjournalismus“ und der damit verbundenen Kritik an bestimmten Formen des lokalen Nachrichtenwesens meine Sympathien erhalten hatte, schreibt seit Wochen auf Facebook, was er von diesen Pegida-Leuten hält – nämlich nichts. Seine Meinung ist eindeutig und undifferenziert, aber gut, es ist seine Meinung und das ist meine Meinung.

Gestern nun gipfelte dieser Kampf in der Veröffentlichung seiner, wie er es nennt, Mepelipuv, „meine persönliche Liste von Pegidadeppen und ihren Verstehern“. Es sei jetzt mal dahingestellt, wen er darauf platziert hat mit der Bemerkung „wird fortgesetzt“. Es sind Leute, die sich auf publizistischem Wege mit dem Phänomen Pegida auseinandergesetzt haben oder solchen Publizisten Aufträge verschaffen. Einige hat er als Hassschreiber oder Unterstützern von Hassschreibern tituliert. Ich habe ihm daraufhin geschrieben, dass er offensichtlich zwischen gutem und bösem Hass unterscheidet, was er verneinte. Hass sei Hass und scheiße.

Man stelle sich nur mal einen Moment vor, ein Pegida-Anhänger hätte eine persönliche Liste von Hasspredigerdeppen angefertigt und diese veröffentlicht. Im Kommentar hat er noch einmal klargestellt, dass er ja nicht zum Schießbefehl aufruft, sondern zum Informationsbefehl. Diese Leute auf der Liste würden die Demokratie und die öffentliche Ordnung in unserem Rechtsstaat gefährden, er halte sie für Brandstifter und man müsse dem mit publizistischen, demokratischen, rechtlichen und moralischen Mitteln entgegentreten. Einem Pegida-Anhänger hätte er bei gleicher Rechtfertigung und Klarstellung sicherlich unterstellt, er wolle nur sein rechtes Gedankengut kaschieren.

Es ist ja eine Sache mit publizistischen, demokratischen, rechtlichen und moralischen Mitteln gegen wen auch immer in den Krieg zu ziehen, sofern man das für angebracht hält. Eine andere Sache sind Listen. Die neigen dazu, sich zu verselbstständigen und während der eine Leser für sich noch abgleicht, ob seine persönliche Liste mit dieser persönlichen Liste übereinstimmt und was er davon halten soll, ist für den anderen schon klar, dass man handeln muss und dabei nicht zimperlich vorgehen kann, schließlich geht es um alles, um die Demokratie, um die öffentliche Ordnung, um die Brandstifter, denen man das Handwerk legen muss. Und wenn sich hinterher in einem Gerichtsprozess vielleicht herausstellt, dass nur einer auf dieser Liste tatsächlich die öffentliche Ordnung bedroht hat und die anderen nur die subjektive Wahrnehmung eines Einzelnen waren, was solls. Wehret den Anfängen.

Ich finde es übrigens gut, wenn man sich hin- und wieder mal sagt, wie scheiße man sich findet. Das zeigt zumindest, dass man noch an einem Miteinander interessiert ist, auch wenn man gerade emotional zu aufgebracht ist, um zu diesem Miteinander substantiell etwas beizusteuern. Ich habe es höflich modern ausgedrückt, ich habe geschrieben, ich bin enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass dieser Mensch glaubt, erhaben darüber zu sein, mit solchen Listen keinen Hass zu schüren.
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Antje Hellmann aus Jena | 26.12.2014 | 12:39  
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