Rosenthal-Stipendium: Künstlerische Neuentdeckung

Wollen literarisch und fotografisch ihren Blick für Jena schärfen: Die beiden neuen Rosenthal-Stipendiaten Nancy Hünger und Jörg Hamann. Foto: Klossek (Foto: Andreas Klossek)
Es ist ein Blick auf ein Meer aus Grün. Wenn Nancy Hünger und Jörg Hamann von einem der Balkone der Villa Rosenthal schauen, gibt sich Jena als Nuturidyll: liebliche Saalelandschaft, muschelkalkbewährte Hänge, Bäume im frisch-kräftigen Sommerkleid. Seit Anfang Juli haben die Thüringer Dichterin und der in Berlin lebende Fotograf und Maler in der Villa ihre künstlerische Heimat auf Zeit gefunden, für sechs Monate lang. Für beide Rosenthal-Stipendiaten ist es eine Zeit des Wiederkommens, des sich Wiederannährens an eine ihnen bekannte Stadt.

Der gebürtige Rostocker Jörg Hamann kehrte nach 28 Jahren nach Jena zurück, wo er während seiner Optiker-Lehre bei Zeiss die Schulbank drückte und nebenher mit dem Zeichnen und Malen begann. Die Freude am visuellen Erleben, die in damals packte und später zum Kunststudium nach Dresden führte, ist ihm, wie er sagt, bis heute Triebfeder seiner Kunst und soll sich auch in seinen Jenaer Arbeiten spiegeln, die neben Fotos auch Filmaufnahmen umfassen und den Phänomenen der menschlichen Wahrnehmung nachspüren werden. Die Suche nach Motiven hat ihn bereits auf den Johannisfriedhof und zur Autobahnbrücke in Göschwitz geführt, auch Jenas neues Stadtbild vor Augen, in dem er sich manche Veränderung behutsamer gewünscht hätte. Ein „Kaleidoskop der Stadt“, dass die Orte seiner Jenaer Lehrzeit und neue Eindrücke und Inspirationen verdichtet und dabei positive wie negative Assoziationen einfließen lässt, benennt er als ein mögliches Szenario für seinen Jenaer Aufenthalt.

Als eine Meisterin des Verdichtens und der literarischen „Nahaufnahme“ gilt auch Jenas neue Stadtschreiberin. Als Nancy Hünger, 1981 in Weimar geboren, vor elf Jahren in Jena zunächst Germanistik studierte, nahm ihre schriftstellerische Laufbahn nur einen Umweg, inzwischen eilt ihr der Ruf als Ausnahmetalent unter Thüringens Nachwuchslyrikern voraus. Nach Reisen in die Ukraine, Israel und Rumänien, die ihr in jüngerer Vergangenheit vermehrt Stoff für ihre Gedichte und Prosaskizzen boten, möchte sie sich in der Villa Rosenthal wieder ganz ihrer Thüringer Heimat zuwenden und getreu dem Motto – „Anschauung, nicht Deutung bringt die Dinge zu sich selbst“ – auch hier den scheinbar unscheinbaren Momenten das Besondere, dem Bekannten das Staunenswerte abgewinnen. Diesem unverstellten, von Gewohnheit noch ungetrübten Blick der beiden Stipendiaten auf Jena, sieht auch die Leiterin der Rosenthal-Villa, Dr. Caroline Buchartowski, mit Spannung entgegen: „Das ist ein ungeheurer Zugewinn für unsere Stadt“. (Text: Andreas Klossek)
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