Saphirblaues Schätzchen: Thomas Engert aus Jena fährt das letzte Wartbug-Modell aus Eisenach

Thomas Engert (rechts) fährt seit vielen Jahren einen Wartburg 1.3 Tourist. Er hat das Fahrzeug mit viel Mühe wieder aufgebaut. Heiko Fischer (links) ist Vorstandsmitglied des Wartburg-Trabant-Clubs Jena.
 
Ein Original-Außenspiegel.

Vor 25 Jahren war Schluss: Am 10. April 1991 lief in Eisenach der letzte Wartburg vom Band. Doch auf den Straßen ist er als Limousine und Kombi noch immer präsent.


Der Wartburg 1.3 kann durchaus als Wendeopfer gelten. Lange hatte man an dem Nachfolger für den in die Jahre gekommenen W 353 getüftelt, ihm gar einen Viertaktmotor von VW verpasst. Sitze und Innenausstattung kamen von Opel. Und doch war ihm nur ein kurzes Leben beschieden. Seit 1988 produziert war 1991 schon wieder Schluss.

Nicht mehr viele dieser Fahrzeuge sind auf den Straßen zu sehen. Heiko Fischer vom Wartbug-Trabant-Club Jena hat dafür eine einfache Erklärung: „Die Ersatzteile wurden für dieses Modell nicht mehr gehortet, in der Produktion war man wenig motiviert und die Fahrzeughalter haben den 1.3-er auch nicht mehr so gepflegt wie in der DDR üblich.“ Nach der Wende wurde das Auto zum Gebrauchsgegenstand. Der Wartburg war generell nicht mehr gefragt.

500 D-Mark für einen alten Tourist


Und trotzdem hat Thomas Engert sein Herz gerade an dieses Modell verloren. „Ich habe schon immer IFA-Modelle gefahren“, erklärt er. Als sich die Gelegenheit bot, kaufte er sich 1998 für 500 D-Mark einen Wartburg Tourist 1.3 aus dem Baujahr 1990. „Schließlich wollte ich unbedingt einen Kombi.“

Viel Zeit und Arbeit hat er danach in sein PS-Schätzchen investiert, dass damals schon rund 100000 Kilometer auf dem Tacho stehen hatte. Vier Jahre werkelte er, bis sein Kombi 2002 wieder zugelassen werden konnte. In dieser Zeit bekam das Fahrzeug auch eine neue Karosserie und eine neue Farbe. Statt riogrün strahlt er heute im saphirblau. Es ist zwar ein Originalfarbton, aber in einer modernen chemischen Zusammensetzung ohne Kunstharzlack.

Auch Trabant und Barkas stehen in der Garage


Noch heute dreht Engert seinen Runden im Wartburg 1.3. „Aber ich fahre mit ihm meistens nur noch zu Fahrzeugtreffen.“ 2000 bis 3000 Kilometer im Jahr ist er mit seinem Tourist unterwegs, der auch einen Katalysator hat und dadurch eine grüne Feinstaubplakette. Wenn etwas kaputt geht, erledigt der Diplomingenieur für Feinwerktechnik die Reparaturen zum großen Teil selbst. Genau darin liegt für ihn auch der Reiz der IFA-Fahrzeuge. „Ich pflege damit nicht nur eine Fahrzeugtradition, sondern kann die simple Technik eigenhändig in Schuss.“ Deshalb gehört nicht nur der Wartburg zum Engertschen Fuhrpark, sondern auch ein Trabant und ein Barkas.

Zur Sache

+ Der Verein Wartbug-Trabant-Club Jena wurde 1994 gegründet. Derzeit gehören ihm 21 Mitglieder an. Mehr unter: www.wtc-jena.de.
+ IFA ist die Abkürzung für Industrieverband Fahrzeugbau (IFA). Damit wurde der Zusammenschluss von Unternehmen des Fahrzeugbaus in der DDR bezeichnet.

Der Wartburg in Zahlen

+ Der PKW Wartburg wurde in den Typen Wartburg 311, Wartburg 312 und Wartburg 313 in den Jahren 1955 bis 1967 in einer Gesamtstückzahl von 258 928 PKW produziert.
+ Der Wartburg W 353 wurde von 1966 bis 1988 in einer Gesamtstückzahl von 868 860 PKW hergestellt.
+ Der Wartburg 1.3 lief von 1988 bis 1991 vom Band. Seine Gesamtstückzahl betrug 152 775 PKW.
+ Die unterschiedlichen Karosserien wurden an drei Standorten gefertigt
die Limousine – als Standardtyp, wurde in Eisenach hergestellt.
der Wartburg Kombiund davon abgeleitete Spezialfahrzeuge (SHM, Feuerwehr, Polizei) wurde im Karosseriewerk Halle produziert. Das sportliche Coupé wurde zunächst im Karosseriewerk Meerane gefertigt und später, wie auch das Kapriolett in Dresden.
Diese auswärtigen Fertigungsstandorte erhielten die benötigten Fahrgestelle (mit Motor und Getriebe) aus Eisenach (bzw. später aus Gotha) per Bahntransport zur Komplettierung.

Wartburg im Museum und auf Treffen

+ Automobile Welt Eisenach: Das Museum bietet einen Überblick zur mehr als 100-jährigen Geschichte des Eisenacher Automobilbaus.
Ort: Friedrich-Naumann-Straße 10 in Eisenach
Öffnungszeiten: täglich außer montags von 11 bis 18Uhr
Inform@tion: www.awe-stiftung.de
+ Trabant- und IFA-Treffen vom 13. bis 15. Mai in Mühlhausen
+ „Heimweh“ – Das internationale Wartburgtreffen am 5. Und 6. August in Eisenach
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