Tastatur gegen Mistgabel getauscht. Softwareentwickler wird Landwirt: Achim Häßler lädt diesen Sonntag erstmals auf den Wiesenhof Altenberga zu Sommerspielen ein

Vom Softwareentwickler zum Landwirt und Pferdezüchter: Achim Häßler hat sich mit dem Wiesenhof einen Traum erfüllt. Am Sonntag, den 5. Juli, lädt er erstmals zu den Sommerspielen ein. Dann können die Gäste unter anderem auch für dieses Fohlen einen Namen vorschlagen. Der Tradition entsprechend, muss der mit einem „S“ – dem gleichen Anfangsbuchstaben wie der von Mutter Selly – beginnen.
 
Staubedingt hat Achim Häßler 1993 einen Schleichweg durch den Altenbergaer Grund genutzt. 700 Meter nach dem Dorf hat er ein zerfallenes Landwirtschaftsobjekt entdeckt. Das war Liebe auf den ersten Blick.
Altenberga: Wiesenhof | Dauerbaustelle Autobahn. Stau. Nichts geht mehr. Frust macht sich breit. Mittendrin Achim Häßler. Er will von Gera nach Erfurt. Den geplanten Termin kann er abschreiben. Bleibt einzig der Versuch, über unbekannte Schleichwege doch noch ans Ziel zu kommen.

Kaum vorstellbar, dass genau dieser Stau und diese Entscheidung Häßlers Leben nachhaltig ändern sollte. Er fährt in Jena-Göschwitz von der Autobahn ab und will über den Altenbergaer Grund westwärts kommen. Noch nie befahren, entdeckt er kurz nach Altenberga rechterhand zwischen unendlich vielen Brennnesseln und hohem Holunder zerfallene Dächer heraus schauen. Zeit, sich großartig Gedanken darüber zu machen, bleibt nicht. Der enge kurvige Holperweg fordert seine ganze Aufmerksamkeit.

Das Gesehene lässt ihm Tage später keine Ruhe. Er kommt zurück. Diesmal mit mehr Zeit. Er findet ein marodes Landwirtschaftsobjekt vor, das seit Jahren verwahrlost sein muss. Dieses Erlebnis liegt bereits 18 Jahre zurück.

Aber wieso interessiert sich ein am Klinischen Rechenzentrum Jena tätiger Softwareentwickler für ein zerfallenes Landwirtschaftsobjekt mitten in der Pampa? In Häßlers Brust müssen wohl schon immer zwei Herzen geschlagen haben. Er war in einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kannte, aufgewachsen. Er ist gelernter Agrotechniker mit Abitur. Nur gearbeitet hat er in diesem Beruf nie. Stattdessen hat er Physik studiert und war bis 1988 Zeissianer. Den Wechsel an die FSU verwehrte man ihm. So schwenkte er kurzzeitig in seinen ursprünglichen Beruf zurück. Am Volksgut Zwätzen war er zum Hofarbeiter verdingt, war den Winter über nur mit Futter von der Ostsee heran karren beschäftigt. Die Gummistiefel beiseite gestellt, klappte es im März 1989 mit dem Rechenzentrum.

Bits und Bytes einerseits und Tierzucht und Heugabel anderseits. Zurück zur ersten Besichtigung im Altenbergaer Grund. Die Lage gefällt ihm. Häßler bringt in Erfahrung, dass hier bis in die 1960er Jahre luftgetrocknete Ziegel hergestellt wurden. „Später war die LPG hier zu Gange, hat in den Trockenhallen Wassergeflügel gezüchtet, zuletzt Schweine bis in die 1980er Jahre. Die Tierproduktion wurde bereits vor dem Mauerfall stillgelegt. Dann war es Treuhandeigentum“. Und für ihn persönlich? Liebe auf den ersten Blick!

Es gab damals mehrere Interessenten, die ihr Konzept bei der Treuhand einreichten. Der Softwareentwickler plädierte für Rinder- und Pferdehaltung inklusive Urlaub auf dem Bauernhof und erhielt dafür den Zuschlag. Zu löhnen hatte er letztlich nur für den Grund und Boden. Die Gebäude mussten abgerissen werden. Aber von wegen eigene Pferdezucht. Erst mal wieherte der Amtsschimmel. Baugenehmigungen für ein Wohnhaus und neuen Stall gibt es nur für einen bestehenden Landwirtschaftsbetrieb. Der konnte allerdings nicht bestehen, da weder Tier noch Mensch untergebracht werden konnten. Häßlers zäheste Lebensphase hatte begonnen. Letztlich gab es nur die Lösung, ein Gewerbegebiet auszuweisen mit Erschließungs- und Bebauungsplan und allem Drum und Dran.

1995 wird das neue Wohnhaus gebaut. Auf vorhandenen Grundmauern entsteht ein Seitengebäude. Das Stallgebäude ist ebenfalls komplett neu. Im März des vergangenen Jahres quittiert Achim Häßler seinen Dienst an der Uni. Er hat die Tastatur endgültig gegen die Mistgabel getauscht. Bits und Bytes spielen keine Rolle mehr, stattdessen eine 15-köpfige Galloway-Herde, 15 eigene Pferde, sechs Pensionspferde, sechs Gänse, zwei Hunde, drei Katzen und ein Kaninchen. „Ich habe mir meinen Traum erfüllt“, blickt er auf die vergangenen Jahre zurück.

Mit dem Erreichten sei jetzt die Zeit gekommen, „Etwas für den Hof, für die Altenbergaer, für die Menschen in der Region und alle, die sich für Pferde interessieren, zu tun“, so der Landwirt. Der Wiesenhof Altenberga lädt am 5. Juli, ab 13 Uhr, zu den ersten Sommerspielen ein. Achim Häßler verspricht einen „pferdischen“ Tag mit der Vorstellung der neuen Fohlen, Reitweisen, Packpferde, Schweren Warmblütern und Schwarzwälder Füchsen. Geschicklichkeitswettbewerbe wird es ebenso geben wie Ringreiten, Hindernisfahren, eine Heuernte mit Pferden und eine Abschlussparade. Das Programm wird mit Unterstützung des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Golmsdorf und des Reit- und Fahrvereins St. Georg Bucha angeboten.

www.wiesenhof-altenberga.de
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