Urania betreibt die Forststernwarte im Stadtwald Jena

Gebhard Kühn (l.) und Gunter Helmer laden in die Forststernwarte ein. Hier kann man in den Himmel schauen.

Es muss beschwerlich gewesen sein. Damals vor über 100 Jahren, als die Zeiss-Mitarbeiter ihre neusten astronomischen Teleskope auf den Jenaer Forst trugen. Drei Kilometer war die Sternwarte vom ehemaligen Zeiss-Werk entfernt. Doch der Weg ist steil und führt nicht schnurgerade auf die Waldhöhe. „Sicher sind sie damals gelaufen“, vermutet Gebhard Kühn.

Für ein Unternehmen, das sich mit seiner 1897 gegründeten Astro-Abteilung schnell einen Weltruf erarbeitet hatte, waren solche weiten Wege nicht lange hinzunehmen. Ab 1908 wurden die Teleskope in einer neuen Kuppel direkt auf dem Zeiss-Werk getestet.

Die nun leerstehende Sternwarte auf den Forst weckte Begehrlichkeiten. „Die Zeissianer wollten die Instrumente, die sie täglich bauten, auch selbst ausprobieren“, so Kühn, der viel über die Geschichte der Sternwarte zu berichten weiß. Im März des Jahres 1909 wurde deshalb eine Genossenschaft gegründet, die die Sternwarte für eine interessierte Öffentlichkeit betreiben sollte. Zeiss unterstützte die Hobby-Astronomen mit technischen Geräten. Auch die Einrichtungskosten für die Sternwarte wurden großzügig übernommen, sogar ein Anbau an den Kuppelbau finanziert.

Urania-Verein pflegt alte Tradition


Nicht nur die Genossenschaftler schauten fortan auf dem Forst in die Sterne. Für Besucher wurden regelmäßige Öffnungszeiten eingeführt. Zwei Weltkriege und so manche politische Umwälzung hat die Sternwarte überlebt. Heute wird sie vom Urania-Verein Jena betrieben, zu dessen rund 40 Mitgliedern auch Gebhard Kühn gehört.

Freier Blick durch hölzerne Kuppel

Noch immer liegt die Forststernwarte etwas versteckt für ihre Gäste. Zwar ist sie heute mit dem Auto sowie zu Fuß zu erreichen. Doch sollte der Besucher ausreichend Zeit einkalkulieren. Der Weg lohnt sich allemal. Daran lässt Gunter Helmer keinen Zweifel. Der Vorstandsvorsitzende des Urania-Vereins schwärmt für das Cassegrain-Spiegelteleskop 500/10000 im denkmalgeschützten Backsteinbau. Mit ihm kann man in jede beliebige Himmelrichtung schauen, so Gunter Helmer. Für einen freien Blick sorgt die hölzerne Kuppel, die mechanisch geöffnet werden kann und sechs Meter im Durchmesser misst. Sie gibt den Blick in den Sternenhimmel frei. Auch wer nicht so vertraut mit der Materie ist, könne mit diesem Teleskop sehr gut beobachten. Objekte in 40 000 Kilometer Entfernung erscheinen zum Greifen nah.

So großzügige Öffnungszeiten wie in den Anfangsjahren kann der Verein heute nicht mehr anbieten. Doch trotzdem wird die Forststernwarte regelmäßig geöffnet. Auch Sonderführungen können vereinbart werden.

ÖFFNUNGSZEITEN
Die Forststernwarte hat sie wie folgt geöffnet: September bis April, Dienstag und Freitag, ab 20 Uhr; Mai bis August, Samstag, 15 bis 17 Uhr (bei freiem Himmel).
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