Verliebt in die "Kofferheule"

Karl-Josef Hahn zeigt einige seiner schönsten Exemplare. Der große Kasten rechts ist ein aufklappbares, röhrenbestücktes Kofferradio namens "Screened Suitcase Portable" der englischen Firma "Burndept" aus dem Jahr 1928. Seine Sammlung umfasst insgesamt rund 1.500 Koffer- und Taschenradios. Foto: Bernd Hausdörfer
JENA. „In meiner frühen Jugend war das Kofferradio ein Kultgegenstand. Wer so ein Ding besaß, war gefragt bei den Kumpels, hatte bessere Chancen bei den Mädels", erinnert sich Karl-Josef Hahn. "Mit 40 habe ich dann begonnen, das zu sammeln, was ich damals gerne gehabt hätte", erzählt der heute 56-jährige Jenaer vom Anfang seiner Sammelleidenschaft.
Was er bisher zusammengetragen hat, ist in der Tat bemerkenswert. Rund 1.500 Koffer- und Taschenradios aus aller Welt umfasst sein Fundus, woraus schon ein echtes Lagerproblem resultiert. Denn die ganze Wohnung voller alter Radios, da spielt die verständnisvollste Ehefrau nicht mit. Sein Reich ist der ausgebaute Boden, in dem sich die musealen Schätze und unzählige Bände Fachliteratur bis an die Decke stapeln. Weitere Radios befinden sich im Keller und ausgelagert bei einem guten Freund. "Ich könnte die Ausstellungsfläche der Goethe Galerie füllen, bräuchte aber drei Wochen Urlaub, um alles aufzubauen", schmunzelt der Lehrer der Jenaplanschule.
Die Geschichte des Kofferradios führt zurück bis in die Mitte der 1920er Jahre, die USA und England waren die Vorreiter in dieser neuen Technik. Der Name "Suitcase" (dt. Koffer) hatte damals noch eine Bedeutung im wahrsten Sinne des Wortes. In großen Holzkisten mit Deckel zum Aufklappen fanden damals die Röhrenelektronik, der Lautsprecher und eine große und schwere Batterie ihren Platz. In den 1950er Jahren begann der Siegeszug des Transistors. In der Folge entstanden zunächst mit Röhren und Transistoren bestückte Hybridgeräte, ähnlich dem heutigen Hybridautos. Ein Exemplar des ersten volltransistorisierten Taschenradios der Welt, hergestellt 1955 von der US-Firma "Regency", kann Karl-Josef Hahn sein eigen nennen. Neben seinen Sammlerstücken aus ganz Europa und Übersee spielen auch die Radios aus der BRD und DDR eine große Rolle und besonders der gelernte Ossi kommt schon ins Staunen darüber, was die volkseigene Industrie doch so alles auf dem Markt gebracht hatte.
Die wichtigsten Stücke seiner Sammlung hat Karl-Josef Hahn in 15 dicken Büchern katalogisiert, durch Farbfotos illustriert und mit Geschichtlichem und Geschichten zu den einzelnen Exponaten garniert.

Info:
Eine kleine Auswahl aus der Sammlung von Karl-Josef Hahn ist derzeit in der Sparkassen-Hauptfiliale am Holzmarkt ausgestellt.
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Frank K. Viezenz aus Erfurt | 31.05.2012 | 13:28  
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