Vorsicht Blitzer! Wie Jena mit den Blitzern kassiert....

Jena: ganze Stadt | JENA. Ein roter Blitz und ein Blick auf den Tacho. Diesen Moment im Straßenverkehr kennt wohl Jeder. In Jena kümmert sich Michael U. mit seinem Team um die Geschwindigkeitsmessungen im Stadtgebiet. Er gehört zu einer sechsköpfigen Mannschaft des Fachdienstes Verkehrsorganisation. Mit drei mobilen Geschwindigkeitsmessgeräten suchen die Mitarbeiter täglich nach Rasern in und um Jena.
Es ist ein sonniger Montagvormittag: Wir dürfen mit zur Radarfalle. Michael U. will heute die Einhaltung der 30er Zone in der August-Bebelstraße überwachen. Durch Bauarbeiten auf der B7 rollt der gesamt Verkehr über diese Straße. Wir stehen direkt neben der West-Schule. In nur fünf Minuten ist das Lasergerät einsatzbereit. Es dauert keine zehn Minuten bis sich erste Anwohner an den Ordnungsbeamten wenden. „Ihr macht eine Supersache“ meint Helmut Assfalg: „Seit der Umleitung ist der B7 kommen wir durch diese Raser nicht mehr in den Schlaf.“
Wenige Augenblicke danach machen auch schon erste Autofahrer ihrem Unmut über den Geschwindigkeitslaser Luft. Ein weißer Passatfahre biegt in die Kreuzung ein und zeigt uns den Mittelfinger, ein Anderer fährt laut hupend an uns vorbei. Der Mitarbeiter eines Pizzadienstes ist nach nur 12 Minuten, das erste Opfer des Tages. Mit 42 Km/h ist er nach Toleranzabzug von 3 Km/h immer noch 9 Km/h zu schnell und wird 15 Euro zahlen müssen. Die Vollstreckung übernimmt die Bußgeldstelle.
Fünf Minuten später hält neben unserem Blitzer ein weißer Kleintransporter. Der Fahrer sieht sein Fehlverhalten scheinbar nicht ein und fragt „Wo ist denn hier ein Schild?“. Er hat Glück gehabt. Ein abbiegendes Fahrzeug vor ihm verdeckte die Messung, sodass der Fahrer ohne Bußgeld davonkommt.
Täglich blitzt die Stadt Jena zwischen 100 und 150 Fahrzeuge, bestätigt der Fachdienstleiter für Verkehrsorganisation Wolfgang Apelt. Im vergangenen Jahr vollstreckte die Stadt 50.000 Bußgelder im fließenden Verkehr. Die traurigen Rekorde in Jena wurden auf der Stadtrodaer Straße aufgestellt. Ein Motorradfahrer geriet hier mit 178 Stundenkilometern bei erlaubten 70 in die Radarfalle. Unter den PKWs brachte es ein Autofahrer auf der gleichen Strecke auf immerhin 141 Km/h. Die höchste gemessene Geschwindigkeit bei erlaubten Tempo 50, erreichte ein PKW-Fahrer mit 125 Stundenkilometern.
Wohin welcher Blitzer kommt, entscheiden die Beamten nach Abstimmung mit der Polizei. Allein in Jena gibt es weit über 300 Meßstellen, davon allein 25 in der Stadtrodaer Straße. Hauptsächlich konzentrieren sich die Geschwindigkeitsmessungen auf Unfallschwerpunkte, Schulwege und nach Eingaben von Bürgern. Aktuell, so Fachdienstleiter Wolfgang Apelt, liegt ein Hinweis von Bürgern und Gemeinderäten aus Lützeroda vor. Zahlreiche Verkehrsteilnehmer sind hier zu schnell in dem kleinen Ort unterwegs, gefährden Schulwege und sorgen für einen erheblichen Lärmpegel. „Wir gehen diesen Hinweisen gerne nach“ so der Fachdienstleiter.
Eine Provision bekommen die Mitarbeiter der Geschwindigkeitsmessung nicht. Alle sechs Mitarbeiter sind Beschäftige im öffentlichen Dienst. Gearbeitet wird grundsätzlich im Zwei-Schicht-System. Möglich sind aber auch Einsätze an Wochenenden, Nachts oder an Feiertagen. Auch wenn die Einnahmen aus den Blitzern der Stadtkasse zu Gute kommen, wehrt sich Appelt gegen Vorwürfe der „Abzocke“: „Wir werden präventiv tätig. Allein im vergangenen Jahr sind die Unfälle im Stadtgebiet, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind, um über ein Viertel gestiegen“.
Ob er sich über Blitzermeldungen im Radio ärgere, wollten wir wissen: „Wenn die Verkehrsteilnehmer dadurch langsamer fahren, ist der erzieherische Auftrag doch angekommen“. Insgesamt wirken sich Radiomeldungen nur minimal auf die Ergebnisse aus, so Michael U. von der Geschwindigkeitsmessung: „Ich glaube mehr als fünf Prozent hören die Meldungen gar nicht.“
Michael U. ist übrigens auch selbst schon geblitzt wurden: Er geriet mit seinem Motorrad in die Radarfalle seiner Kollegen. Obwohl bei Motorrädern mangels Vorderkennzeichnen kein Fahrer ermitteln werden kann, musste er zahlen: Denn seinen Kollegen war sein Gesicht und sein Motorrad sozusagen „von Amtswegen bekannt“.

Leider werden Mitarbeiter der Geschwindigkeitsmessungen immer wieder Opfer von Beschimpfungen. Deshalb wurde auf vollständige Namensnennungen verzichtet. Die vollständigen Namen liegen der Redaktion vor.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
12 Kommentare
13.094
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 02.07.2011 | 11:03  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 02.07.2011 | 11:19  
185
Franz Purucker aus Jena | 02.07.2011 | 20:24  
13.094
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 02.07.2011 | 20:55  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 02.07.2011 | 22:02  
189
Winja Versin aus Jena | 06.07.2011 | 14:09  
185
Franz Purucker aus Jena | 06.07.2011 | 19:02  
13.094
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 06.07.2011 | 19:52  
189
Winja Versin aus Jena | 07.07.2011 | 00:01  
28
Peter Uthoff aus Jena | 06.08.2011 | 17:00  
185
Franz Purucker aus Jena | 06.08.2011 | 20:20  
6
frank dörfler aus Jena | 22.09.2012 | 17:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige