Wenn Kellner Gäste angreifen: Gastronomie, wie sie nicht sein sollte!

Foto: diginights.com
 
Grafik: restausucher.de

3. August 2014 / Jena

Was geschehen kann, wenn Kunde und Bedienung sich über die gastwirtlichen Gepflogenheiten nicht einig sind, zeigte vergangenen Samstag ein Vorfall in der Wagnergasse in Jena, als ein Angestellter des renommierten Lokals „Gatto Bello“ einen Gast tätlich anging, indem er den sitzenden Kunden am Hals packte und für mehrere Sekunden würgte: von mehreren Augenzeugen beobachtet und von König Kunde – oder vielmehr: Opfer Kunde, sowie dessen weiblicher Begleitung bestätigt.

Der Gast – das war ich.

Der Name des Kellners – ist mir entfallen.

Zu rasant das Geschehen, zu überwältigend die Situation, zu schwer zu verstehen.

Doch was war geschehen?


Nun: meine geschätzte Begleitung und ich verbrachten einen gelungenen Abend vor der KulturArena, den wir natürlich noch gebührend ausklingen lassen wollten – mit ein paar Cocktails und der wärmstens empfohlenen Parmesansuppe des „Gatto Bello“. Doch das Glück ist einem selbst an den schönsten Abenden nicht immer hold und die Küche hatte natürlich und leider bereits geschlossen. Also Cocktails auf der Terrasse und eine Portion Pommes von gegenüber. Denn die gelten nicht umsonst als die besten Frittierkartoffelstäbchen der Stadt. Scheinbar sieht man es aber nicht so gerne, wenn man auf der Terrasse des „Gatto Bello“ Speisen fremder Lokalitäten zu sich nimmt, nicht einmal dann, wenn die eigene Küche gar nicht mehr offen hat, man aber parallel und dank hervorragender Cocktails zahlender Gast ist. Okay – generell bin ich ja einsichtig. Aber in diesem speziellen Fall … hätte die Lokalität wohl die Wahl gehabt zwischen: Wir sehen über die Pommes hinweg, immerhin verdienen wir an den Cocktails, oder wir verscheuchen die Pommes und damit den Gast und verdienen eben nichts an ihm. Der Manager und Geschäftsleiter schien das ähnlich gesehen zu haben, denn dieser war im Zwiegespräch sehr zuvorkommend und erkannte den Umstand an. Zumal er seine Stammgäste zu kennen scheint. Pluspunkt. Minuspunkt für die Bedienung, die zuvor meinte, eine glatte Viertelstunde darüber diskutieren zu müssen. Auf mein Verlangen, den Geschäftsführer sprechen zu wollen, da ich die unverschämte Art nicht mehr ertragen wollte, meinte der Kellner sogar frech, er selbst sei der Geschäftsführer. Stritt er hinterher natürlich ab.

Das Überfallkommando


Es klingt ein wenig wie in einem schlechten Italo-Western: Klaus Kinski sitzt an seinem Pokertisch und Terrence Hill zückt die Revolver. Schneller als er ist keiner. Und schneller als die Bedienung des „Gatto Bello“ zückt wohl auch keiner seine Würghand, denn ehe ich mich versah, hing mir der Bedienstete schon an der Kehle. Warum? Das ist die Millionen-Euro-Frage. Ob Günter Jauch hier auch eine passende Antwort parat hätte? Ich habe keine. Fakt ist: Eigentlich wollten wir nur die Rechnung haben und entsprechend der Distanz und der hohen Frequentierung der Lokalität machte ich durch Handzeichen auf mich aufmerksam. Oder eher: Fingerzeichen. Sie kennen diese übliche „Ich-möchte-gerne-zahlen“-Geste mit Zeige- und Mittelfinger!? Diesen kleinen Wink? Der Kellner anscheinend nicht, denn wie er nach seiner Attacke rechtfertigte, wäre diese Geste in seiner Kultur ja eine Beleidigung. Und damit wäre die Aktion legitimiert. Denkt er. Denkt er falsch. Streng genommen handelt es sich hierbei natürlich um eine Straftat, und nicht einmal um eine geringfügige. Doch seis drum. Denn nicht nur die Aktion selbst war und ist grotesk, auch das spätere Verhalten, das darin endete, dass die Bedienung von mir(!) eine Entschuldigung einforderte, mir die selbige aber konsequent verweigerte. Absurd? Absurd.

Das Ende vom Lied


Gesungen hat an dem Abend – außer in der KulturArena – natürlich keiner mehr. Getanzt auch nicht. Eher ist man resigniert-verstört nach Hause gestapft. Mit einer Mischung aus Schock, Wut und Unverständnis. Im Nachhinein ärgere ich mich natürlich darüber, trotzdem brav bezahlt und nicht doch noch einmal die Geschäftsführung alarmiert zu haben. Immerhin wurde hier ein friedlicher Gast im Sitzen von einem Angestellten gewürgt. Das ist kein Pappenstil. Selbst heute fällt es mir noch schwer, das Geschehene vernünftig in Worte und Kontext zu verpacken. Es ist einfach – zu abwegig, zu befremdlich, zu unglaublich. Doch es ist wahr. Denn ich war dabei. Leider.

Müssen sich Gäste in der Gastronomie jetzt Sorgen machen, bei jeder Gelegenheit den Launen des Personals zum Opfer fallen zu können? Nun, ich hoffe nicht. Und im Sinne des „Gatto Bello“, dem sonst ja bisher nichts Negatives anhaftet, hoffe ich auch, dass es sich hierbei um einen einmaligen Vorfall handelte, der sich nicht wiederholen wird. Denn ganz gleich, was eine Bedienung auch für Probleme haben sollte, sie ist und bleibt ein Bediensteter am Gast und hat die Fassung zu wahren. Es ist ihr Job, und das per Definition, dem zahlenden Gast das Gefühl zu geben, willkommen und gut aufgehoben zu sein.

Seine Gäste zu würgen steht nicht in der Stellenbeschreibung.
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3 Kommentare
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Claudia Goepel aus Gera | 09.08.2014 | 14:47  
13.092
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 11.08.2014 | 17:20  
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Christian Albrecht aus Jena | 11.08.2014 | 19:04  
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