Dieser Winter hat genervt

Bei solchem Wetter stehen einem wirklich die Haare zu Berge: Dipl.-Physiker Bernhard Kühn zeichnet verantwortlich für die Erfassung und Dokumentation der klimatologischen Daten der Wetterstation an der Fachhochschule. Foto: Hausdörfer
Der März war extrem kalt - Klimaexperte Bernhard Kühn registriert Wetterdaten an der Fachhochschule

JENA. Ein scharfer kalter Winterwind aus Nordost weht über das Dach von Haus 5 der Ernst-Abbe-Fachhochschule an der Zeiss-Promenade, als Bernhard Kühn in der vergangenen Woche an der Wetterstation nach dem Rechten sieht. „Diese Wetterlage ist schon sehr ungewöhnlich, seit Beginn unserer Messungen an der Fachhochschule im Jahr 1999 gab es das noch nie“, weiß der Diplom-Physiker, der die Anlage seit vielen Jahren betreut. Der Durchschnitt der Tagesmittelwerte des März 2013 lag bei 0,0 °C, was bedeutet, dass dieser Monat zum kältesten des gesamten Winters 2012/13 avisierte, üblicherweise ist das der Januar. Im Schnitt der letzten 13 Jahre war der März-Wert mit 5,8 Grad deutlich höher. Das Vorjahr bescherte uns bei nur vier Frosttagen sogar beachtliche 8,5 °C. Kälter als heuer zeigte sich im 20. Jahrhundert nur der März 1987 mit -0.7 °C.
„Schuld“ am Ausbleiben des Frühlings ist eine ungewöhnliche Großwetterlage, die mit einer stabilen Kombination von Hochs und Tiefs schon seit Wochen kalte Luft zu uns schaufelt, verbunden mit diesem kräftigen, eisigen Wind, der die gefühlte Temperatur nochmals kräftig sinken lässt. „Die Hauptwindrichtung in Jena ist Südwest, die Windstatistik weist allerdings Nordost als die häufigste Windrichtung im März 2013 aus, was sehr außergewöhnlich ist“, erklärt Bernhard Kühn. Obwohl es im März scheinbar unablässig schneite, war der Monat mit 27 mm Niederschlag doch eher trocken. „Im Gedächtnis wird den Jenaern vor allem der Flockenwirbel zu Ostern bleiben“, mutmaßt der Wetterexperte.
Die tiefste je in Jena gemessene März-Durchschnittstemperatur stammt übrigens aus dem Jahr 1845 mit -4,0 °C. Registriert wurde sie in der heute von der Friedrich-Schiller-Universität betreuten Wetterstation im Schillergässchen unweit des Theaters. Genau vor 200 Jahren, im Jahr 1813 - wurde auf Anregung von Johann Wolfgang von Goethe hier mit regelmäßigen, bis heute andauernden Wetteraufzeichnungen begonnen. Die dokumentierten Daten bilden eine der längsten Messreihen in Deutschland überhaupt. Am 26. und 27. September 2013 wird an der Uni mit einem Festkolloquium an das Jubiläum erinnert.

Jenaer Wetterdaten:
Unter http://wetter.mb.fh-jena.de/station/ sind die an der FH gemessenen aktuellen Werte für Jena sowie statische Daten abrufbar.
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