Grüne Invasion

Pflanzen von anderen Kontinenten erobern Jena. Der Mensch macht's möglich.

Es gibt Bäume in China oder Nordamerika, die kommen mit unserem Klima ziemlich gut klar. Würden sie sich zu Fuß auf den Weg machen - Bäume sind nicht sehr schnell - wären sie vermutlich in einigen hunderttausend Jahren hier. Oder auch nicht, weil ein Ozean oder diverse Gebirge im Wege sind. Diese Barrieren sind der Grund, warum sich auf der Erde überhaupt so viele verschiedene Arten entwickelt haben. Auf Inseln wie Australien oder Neuseeland sieht man besonders deutlich, was passiert, wenn Arten aus abgeschiedenen Biotopen plötzlich mit denen von einer viel größeren Landmasse konkurrieren müssen: Sie sterben aus. Die Einwanderer sind einfach fitter.
Diese Plötzlichkeit wird durch eine einzige Art verursacht: den Menschen. Wir packen abends in China ein paar Samen in die Tasche, und am nächsten Vormittag sind sie mitten in Europa, wo sie sich über das Fehlen ihrer bisherigen Fressfeinde freuen und lustig an die Besiedelung des schönen neuen Biotops gehen.
Seit einigen Jahrhunderten schleppen Menschen fremde Arten nach Deutschland ein. Die Klimaerwärmung gibt etlichen davon noch einen zusätzlichen Schub. Derzeit sind über ein Viertel der Farn- und Blütenpflanzen in Deutschland in ihrer Existenz bedroht, etwa 800 Arten. Eine der Gefahren sind die grünen Einwanderer. Nicht alle, aber einige werden hier zum Problem.
Deshalb haben die Jenaer Piraten eine Beschlussvorlage in den Stadtrat eingebracht, die den Verzicht auf die Pflanzung weiterer invasiver Arten zum Ziel hat. Das war im Juni. Seither hat man fünfmal über diese Vorlage verhandelt und eine Handvoll Experten aufgeboten, die schon mal erklären, das Bundesamt für Naturschutz übertreibe mit seiner Panikmache. Oder feststellen, dass Wandel natürlich ist und neulich im Trias hier noch ein Urwald aus Baumfarnen wuchs. Gerade eben hat man wieder eine Vertagung beschlossen - bis März diesmal.
Dabei gibt es in Jena mehr als genug der fremden Pflanzen. 17 Arten der schwarzen und grauen Listen des Bundesamtes für Naturschutzes kann man bereits finden.
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2 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 05.01.2016 | 20:10  
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Heidrun Jänchen aus Jena | 06.01.2016 | 22:56  
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