Phyletisches Museum in Jena beschäftigt sich mit Mick Jaggers Falten

Dr. Gunnar Brehm mit einer Modellvitrine und einem Modellfächer. Er stellt die Exponate für die neue Sonderausstellung zusammen.
Jena: Vor dem Neutor 1 |

Ohrenkneifer können durchaus Grauen verbreiten. Vor allem Kinder haben Angst, dass die kleinen Tierchen zubeißen könnten. Mick Jagger hingegen wirkt trotz seines fortgeschrittenen Alters agil und voller Tatendrang.

Wer wollte eine Gemeinsamkeit zwischen beiden erkennen? Studenten der Uni Jena können da. Sie lassen Ohrenkneifer und Jagger in einer Sonderausstellung des Phyletischen Museums in Jena das Thema „Falten in Natur und Technik“ veranschaulichen.

Neue Sonderausstellung wird vorbereitet


„In einem Seminar sind Studierende der Frage nachgegangen, wo Falten in der Natur eine Rolle spielen und wie dieses Prinzip in der Technik übernommen wurde“, erklärt Dr. Gunnar Brehm, Mitarbeiter des Museums. Es gehe darum, Parallelen zwischen beiden Bereichen herzustellen. Ein Beispiel dafür sei die Schabe. Ihre Körperfalten erinnern an den Balg eines Akkordeons. Auch die Kragenechse kommt in der Ausstellung vor. Sie kann ihre Halskrause regenschirmartig aufstellen, wirkt dadurch größer und gefährlicher. Ähnliches erhofften sich wohl gut betuchte Menschen in der Barockzeit, die mit Vorliege große gefaltete Kragen trugen und so mehr Würde und Bedeutung ausstrahlen wollten.

Unverkennbar freut sich Dr. Gunnar Brehm auf die neue Ausstellung: „Es gibt viel zu sehen und zu lernen.“ Durch Mick Jagger wird die menschliche Hautalterung aufgegriffen. Zugleich nehmen die Ausstellungsmacher die Angst vorm Ohrenkneifer. Ein Video zeigt, dass das Insekt seine Zangen lediglich dazu benötigt, um die Flügel auszubreiten. Immer wieder zupft es an ihnen herum, bis sie voll ausgefaltet sind. Was real drei Sekunden dauert, konnte man im Museum auf eine Filmminute ausdehnen. „Das gibt es sonst nirgendwo zu sehen“, erklärt Dr. Brehm.

Private Leihgeber für Barockkostüme, Modellautos und Faltschirm gesucht

Doch nicht alle Ideen der Studenten kann Dr. Brehm mit Exponaten aus dem Museumsfundus umsetzen. Gerade bei Analogien aus dem technischen Bereich hofft er, private Leihgeber zu finden. So werden derzeit noch ein Barockkostüm mit einem Faltenkragen, eine Ziehharmonika möglichst aus Thüringer Produktion, ein japanischer Papierschirm sowie große Modelle von Autos und Flugzeugen mit Wellblechen gesucht.

Zur Sache
Das Phyletische Museum wurde 1907 von Ernst Haeckel begründet und ist heute Teil des Institutes für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena. Es beherbergt umfangreiche zoologisch-paläontologische Sammlungen mit über 500.000 Stücken.
Das Museum zählt jährlich rund 16000 Besucher.
In der Regel werden pro Jahr zwei Sonderausstellungen eröffnet. Sonderausstellung „Falten in Natur und Technik“ ist ab 14. November zu sehen.
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