Wenn der Stein ins Rollen kommt…

Bedrohlich: die Felsüberhänge am Johannisberg. Foto: geoprojekt (Foto: geoprojekt)
 
Auf der Prioritätenliste ganz oben steht dieser Felsabschnitt an der „Ulmers Ruh“ am Wanderweg zum Fuchsturm. Foto: geoprojekt (Foto: geoprojekt)
Felsabbrüche gefährden Wanderer und Autofahrer – Sicherungsmaßnahmen in Vorbereitung

JENA. In Jena bewegt sich viel, leider auch der Fels an den Jenaer Berghängen. Zuletzt stürzten eine Woche vor Ostern Gesteinsbrocken mit einer Kantenlänge bis zu 30 cm auf die Straße im Münchenrodaer Grund. Im Vorjahr gab es einen größeren Felssturz an der „Ulmers Ruh“ am Wanderweg zum Fuchsturm. 2011 sorgten Abbrüche in der Wöllnitzer Straße bei den Teufelslöchern und unweit der Villa Rosenthal für Aufsehen.

Angesichts dieser Ereignisse beauftragte die Stadtverwaltung die Weimarer Firma „geoprojekt – witt & partner“ mit einer systematischen Erfassung und Bewertung der Steinschlag/Felssturzgefahr in Jena. Insgesamt wurden gut 30 verschiedene Standorte untersucht. Die größten Gefährdungen bestehen derzeit laut einer erarbeiteten Prioritätenliste an der Ulmers Ruh, am unteren Burgweg, an der Schillstraße und im Münchenrodaer Grund. Weitere Problembereiche befinden sich zum Beispiel am Johannisberg, im Pennickental, am Jenzig, im Rautal, im Cospedaer Grund, an der Diebeskrippe und an der Rabeschüssel bei Maua.

Die Gründe für Felsabbrüche sind ganz natürlicher Art. „Die häufigen Wechsel von Frost- und Tauperioden sind in unseren Breiten die Hauptursache“, weiß Dipl.-Ing. Christian Ernst, geschäftsführender Gesellschafter von „geoprojekt“. Am Tag dringt Tauwasser in vorhandene Spalten und Hohlräume ein, in den kalten Nächten treibt der Frost die Gesteinsschichten auseinander. Ähnliche Mechanismen ruinieren auch immer in der kalten Jahreszeit unsere Straßen, in diesem Jahr sind die Schäden besonders ausgeprägt. In nördlicheren Gebieten Europas mit Dauerfrost den ganzen Winter, so erklärt Christian Ernst, sei dieses Problem weniger signifikant.

Im Frühjahr ist die Gefahr von Steinschlägen und Felsabbrüchen besonders groß. Angesichts der jetzt beginnenden Wandersaison appelliert Stadtförster Olaf Schubert an den gesunden Menschverstand und bittet die Bürger auf typische Gefahren wie Felsvorsprünge oder auch trockene Bäume zu achten. Zumal der Bundesgerichtshof in einem jüngsten Urteil klargestellt hat, dass die Nutzung des Waldes für Wanderer weitestgehend auf eigene Gefahr erfolgt. Zum Glück habe es in den letzten Jahren in Jena durch Steinschlag und Felsstürze nur materielle Schäden gegeben, erklärt Schubert.

Verantwortlich für konkrete Sicherungsmaßnahmen ist der städtische Eigenbetrieb KSJ. Werkleiter Uwe Feige verweist auf die finanziellen Grenzen solcher Vorhaben, zumal die Stadt ohnehin fast eine Million Euro jährlich für die Verkehrssicherung ausgeben müsse. Mit 200.000 Euro beziffert er den zusätzlichen Bedarf für die dringendsten Felssicherungsmaßnahmen in diesem Jahr. Baldmöglichst losgehen soll es im Münchenrodaer Grund. Die Eingriffe in die Natur sollen „minimalinvasiv“ mit Naturmaterialien - wie zum Beispiel durch Erdwälle – erfolgen, das Landschaftsbild störende technische Bauwerke nach Möglichkeit vermieden werden. An der „Ulmers Ruh“ wird über eine Verlegung von Wanderwege zum Fuchsturm nachgedacht.
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