Abstellgleis nicht akzeptabel

Geben sich kämpferisch für den Erhalt einer Fernverkehrsanbindung Jenas (v.li.): Wilfried Röpke (JenaWirtschaft), Bündnissprecher Wolfgang Meyer, Bahnkenner Werner Drescher und Mihajlo Kolakovic (Vorstand IG Jena-Süd).
Der ICE-Zug für Jena ist abgefahren, das hat mittlerweile in der Stadt fast jeder begriffen. Die Weichen dafür wurden bereits in den 1990er Jahren mit der Entscheidung für die ICE-Neubautrasse über Erfurt gestellt. Nach deren Fertigstellung wird voraussichtlich 2017 letztmalig ein ICE am Paradiesbahnhof halten.

Für die Folgezeit möchte die Bahn zwar vermehrt Regionalzüge nach Erfurt einsetzen, um dort in die ICE’s in Richtung Leipzig/Berlin oder Nürnberg/München einsteigen zu können. Doch diese Lösung bringt für Fernreisende von und nach Jena auf der Nord-Süd-Strecke gleich drei gravierende Nachteile: Die Reise dauert länger, wird wegen der zusätzlichen Kilometer auch teurer, und das bei sinkendem Komfort.

Um zu verhindern, dass die zweitgrößte Stadt Thüringens völlig vom Bahnfernverkehr abgehängt wird, hat sich das Bündnis „Fernverkehr für Jena“ konstituiert, dem zahlreiche Vertreter der Wirtschaft, der Hochschulen und städtischer Gremien angehören.

Hauptforderung des Bündnisses ist die Aufrechterhaltung eines Fernverkehrsangebotes in Nord-Süd-Richtung, wobei der Name des Produktes nachrangig ist. Reisende sollen auch nach 2017 umsteigefrei und komfortabel die Bahnknoten Nürnberg, Leipzig und Berlin erreichen können. Gefordert werden für diese Züge nicht wesentlich verschlechterte Fahrtzeiten, Komfort auf Fernverkehrsniveau, insbesondere die Möglichkeit der Platzreservierung, Tischplätze und Steckdosen sowie die fahrplanmäßige Einbindung in die Taktknoten Nürnberg, Leipzig, Berlin, in den Schienennahverkehr und den Busfernverkehr.

Wolfgang Meyer, langjähriger Schott-Geschäftsführer und Sprecher des Bündnisses, sieht auch das Land in der Verantwortung und fordert den in der Koalitionsvereinbarung festgeschriebenen „adäquaten“ Ersatz für den Wegfall des ICE zu schaffen. In die Kritik geraten ist dabei besonders Verkehrsminister Christian Carius, denn vom Land seien, so Meyer, derzeit keinerlei Aktivitäten in diese Richtung feststellbar. Carius wurde vom Bündnis eingeladen, im April zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zu diesem Thema nach Jena zu kommen.

Das zweite Anliegen des Bündnisses ist der zügige zweigleisige Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Erfurt, Jena und Chemnitz. Dazu gehören die Modernisierung der Bahnhöfe in Jena-West und Göschwitz, letzterer in Knotenpunktqualität. Kontraproduktiv erscheint dabei, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht für das Bahnhofsgebäude in Göschwitz nicht wahrgenommen hat, so dass es jetzt von der Bahn an einen privaten Eigner verkauft werden soll.
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