Alles andere als unabhängig: Jenas Baukunstbeirat

Jenas Bürger sind dem Baukunstbeirat nicht respektvoll genug

Zwei der neun Mitglieder arbeiten für OFB und jenawohnen am Eichplatz-Quartier

Anfang Dezember, kurz vor der Verkaufsentscheidung zum Eichplatz im Stadtrat, meldete sich der Baukunstbeirat mit einer Stellungnahme zu Wort, in der er sich über den wenig respektvollen Umgang der Bürger mit der "aufwendigen Planungsarbeit vieler Fachleute" beklagte und mit wenig Fakten, aber viel Polemik die Argumente der Kritiker beseite wischte. Nun lässt sich niemand gern sagen, dass die eigene Entscheidung falsch war, und der Baukunstbeirat hatte sich bereits im März auf das OFB/jenawohnen-Projekt festgelegt.
Baukunstbeiräte haben eine hohe Verantwortung für das Gesicht ihrer Stadt. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) schlägt deshalb in seiner Broschüre "Gestaltungsbeiräte - Mehr Kommunikation, mehr Baukultur" für die entsprechende Satzung vor: "Die Mitglieder des Gestaltungsbeirats sollten ihren Wohn- oder Arbeitssitz nicht im Beratungsgebiet haben. Die Mitglieder sollten zwei Jahre vor und zwei Jahre nach ihrer Beiratstätigkeit nicht im Beratungsgebiet planen und bauen." Damit will er die Unabhängigkeit des Gremiums sicherstellen.
Von den neun Mitgliedern des Jenaer Baukunstbeirates wohnen und arbeiten sieben in Jena. Vorsitzender Frank-Peter Trzebowski hat nicht nur die Gestaltung der Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales in Jena übernommen, sondern auch 2012 die der Kita in der August-Bebel-Straße. Stellvertreter Frank Otto zeichnet mit seinem Büro verantwortlich für die Freie Ganztagsschule Leonardo, die Sanierung von Westschule, Stadtspeicher und HNO-Klinik der Universität. Außerdem hat er für jenawohnen das Mehrfamilien-Passivhaus in der Kunitzer Straße entworfen.
Friedrich Bürglein ist Kirchmeister der Superintendentur Jena. Lutz Krause wohnt zwar in Weimar, gibt aber als Referenzprojekt unter anderem die Sanierung der Rosensäle an. Wolfram Stock hat im letzten Jahr das Gartenentwicklungskonzept und den Landschaftsplan für die Stadt erstellt. Das alles sind sicher ehrbare Arbeiten, doch ist, wer im großen Maßstab öffentliche Aufträge in der Stadt bearbeitet, wirklich unabhängig? Wird er sich im Zweifelsfall gegen die Wünsche der Stadtverwaltung entscheiden, bei der er sich demnächst wieder um einen Auftrag bewerben oder die Genehmigung für ein Projekt haben möchte?
Aber es geht sogar noch abhängiger. Auf der städtischen Webseite www.eichplatz.jena.de schreiben OFB und jenawohnen: "Unsere vier überwiegend regionalen Architekten – die Büros WORSCHECH ARCHITEKTEN, ATP ARCHITEKTEN UND INGENIEURE, OTTO-ARCHITEKTEN-BDA und TRZEBOWSKI SCHIFFEL ARCHITEKTEN – schaffen eine harmonische städtebauliche Vielfalt." Das heißt, der Vorsitzende des Baukunstbeirates Frank-Peter Trzebowski und sein Stellvertreter Frank Otto waren in dieser Funktion zumindest mittelbar an der Entscheidung beteiligt und beklagen nun, dass die Öffentlichkeit zu wenig Begeisterung für ihre Entwürfe zeigt. Laut Protokoll der Sitzung haben sie sich zwar bei der Bewertung des OFB/jenawohnen-Projektes als befangen erklärt, waren aber trotzdem anwesend - für die Beiratskollegen sicher keine einfache Situation. Beide haben die Stellungnahme zur Debatte unterzeichnet - nicht als beteiligte Architekten, sondern als Baukunstbeirat. "Interessenkonflikt" ist ein sehr zurückhaltender Ausdruck für diesen Zustand.
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3 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 06.01.2014 | 11:33  
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Heidrun Jänchen aus Jena | 07.01.2014 | 07:27  
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Antje Hellmann aus Jena | 07.01.2014 | 11:27  
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