Archive in Thüringen öffnen die Türen – In Jena widmet sich das Archiv für Zeitgeschichte dem Thema „Tramper in der DDR“

Wann? 05.03.2016

Wo? Camdorfer Ufer, Jena DE
Katharina Kempken im Archiv. Sie zeigt einen Versicherungsnachweis. Denn obwohl die Tramperbewegung in der DDR nicht gelitten war, gab es eine „Versicherung für Mitfahrer in Kraftfahrzeugen als Anhalter“.
 
Eine selbstgestaltete Postkarte, die ein Tramper in den 1980-er Jahren an Thomas Grund verschickt hatte. (Foto: Quelle: ThürAZ, Sammlung Thomas Grund)
Jena: Camdorfer Ufer |

Es war weit mehr eine kostenlose Form der Fortbewegung: das Trampen in der DDR. Mit einheitlichem Style, der gemeinsmane Liebe zur Musik und dem Drang nach Freiheit schufen sich Jugendliche und junge Erwachsene ihre Nische. Dabei standen sie unter Beobachtung der Staatsicherheit und hatten mit so manchem Gerüchten zu kämpfen.

Lange Haare, Jeans, Parka, Jesuslatschen: Gammler. Wenig schmeichelhaft ist die Bezeichnung, die die Stasi einst für junge Leute fand, die doch nur eines wollten – sich abgrenzen, dem genormten Alltag entfliehen. „Sie selbst nannten sich aber Blueser oder Kunden “, erklärt Katharina Kempken vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ in Jena.

Den "Gammlern" wurden die langen Haare auch zwangsweise geschnitten

In einem Land, das sich über viel zu viele Regeln definierte, störten jene, die sich nicht anpassen wollten - und standen damit unter Generalverdacht, wurden von der Staatssicherheit beobachtet. Auch Disziplinierungsversuche gab es, beispielsweise wenn jungen Männern zwangsweise die Haare geschnitten wurden. Doch geholfen hat es nicht. Ebenso wenig wie die üble Nachrede, in der man „Gammlern“ unterstellte, sich nicht zu waschen. Ab den 1960-er Jahren entwickelte sich diese Jugend-Subkultur, die bis zum Ende der DDR gepflegt wurde.

Beat, Blues, später auch Rock und Punk: „Die Jugendlichen grenzten sich auch über die Musik ab“, so Kempken. An den Wochenenden trampten sie. Mit dem Daumen im Wind reisten zu Festivals, Stadtfesten oder Treffen, die sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda selbst organsierten. Die Fortbewegungsart gab den Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen weitere Namen: Tramper.


Weimarer Zwiebelmarkt war beliebter Treff der Tramper

„Thüringen“, weiß Katharina Kempken, „war eine Hochburg dieser Tramperbewegung.“ In Rudolstadt wurden für sie durch die evangelische Kirche 1978 und 1979 eigene Festivals veranstaltet. Zudem traf man sich regelmäßig auf dem Zwiebelmarkt in Weimar oder zum Karneval in Wasungen. Mit ihrem alternativen Erscheinungsbild waren sie besondere Farbtupfer bei den stattlich organisierten Großveranstaltungen. Ihr Auftauchen sorgte für Gesprächsstoff.


Dokumente und Fotos der Tramperbewegung werden in Jena gesammelt


„Tramper in der DDR“ – das ist ein wichtiger Aspekt, will man die Auseinandersetzung der Jugend mit ihrem Staat DDR aufarbeiten. Das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ widmet dem Thema eine kleine Ausstellung, die siezum Tag der Archive am 5. März zeigt. Aus ihrem Sammlungsbestand hat sie Fotos und Dokumente über die Tramperbewegung zusammengestellt. Auch ein Zeitzeuge ist am Samstag im Archiv. Andreas Jeskolski – geboren 1961 – wird über seine Zeit als Tramper berichten.

Zur Sache

Zum 8. Mal findet am 5. und 6. März der Tag der Archive statt – diesmal unter dem Motto „Mobilität im Wandel“.
Mobilität soll dabei in seinen sozialen, politischen, technischen und wirtschaftlichen Dimensionen dargestellt werden.


Zum Archiv

Das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ in Jena verwahrt Dokumente zu Zivilcourage, Opposition und Widerstand in der DDR zu Forschungs- und Bildungszwecken. Die Bestände umfassen über 130 Privatsammlungen, die dem Archiv zur Verfügung gestellt wurden. Schwerpunkt der Bestände sind Materialen zu subkulturellen Netzwerken, zu Friedens-, Menschenrechts- und Umweltgruppen in der DDR sowie der Bürgerrechtsbewegung.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige