Bildungspaket mehr Schein als Sein - Eltern sauer: Jena zahlt Gelder erst im August aus – Für Viele wird es teurer

In der Theorie wirkt das Bildungspaket der Bundesregierung wie die große Rettung Bedürftiger. In der Realität sieht das oftmals anders aus. Wohngeldempfänger beispielsweise müssen noch bis September auf ihr Geld warten.
  Das von der Bundesregierung verabschiedete Bildungs- und Teilhabepaket ermöglicht Kindern aus Hartz IV- und Wohngeldfamilien Zuschläge zu Freizeitaktivitäten, Mittagessen und Schulausflüge zu erhalten. Für Jenaer Eltern hat sich das Paket allerdings nicht immer gelohnt. Beispiel Mittagessen: Für Empfänger von Hartz IV und für zahlreiche Geringverdiener übernahm die Stadt diese Kosten bisher in voller Höhe. Durch das Bildungspaket betroffene Eltern müssen jetzt einen Euro pro Tag selbst tragen. Dadurch kommen auf die Familien gut 200 Euro Mehrbelastung im Jahr zu.
Positiver sieht es im Bereich der Musik- und Kunstschulen aus: Hier erhalten Empfänger von Wohngeld, ALG II und Kinderzuschlag bis zu 10 Euro pro Monat, wenn ihr Kind einen Kurs an der Musik- und Kunstschule besucht. Der bisherige Bonus der Stadt in Form von 50 Prozent Rabatt bleibt den Eltern mit Jena-Bonus aber auch weiterhin erhalten, bestätigt Friedrun Vollmer, Direktorin der Musik- und Kunstschule Jena.
Dr. Ulrich Gawellek, Leiter der Agentur für Arbeit gibt aber zu bedenken, dass mit dem Bildungspaket auch die Vereinsbeiträge vielerorts auf 10 Euro angehoben wurden. Er vermutet, dass Vereine versuchen die volle Bildungsprämie abzuschöpfen.
Die Kosten zu Klassenfahrten und Wandertagen, die das Bildungspaket ebenfalls abdeckt, erhielten Jenaer Eltern die ALG II erhalten auch bisher schon.
Neu im Bildungspaket sind Leistungen für Ferienfreizeiten. Wer die 10 Euro für Bildung und Teilhabe noch nicht für Vereinsmitgliedschaften, Musik- oder Kunstunterricht beantragt hat, kann diese als Zuschuss für Ferienfreizeitangebote erhalten. Versetzungsgefährdete Schülern die in einem Fach auf 5 oder schlechter stehen, erhalten vom Amt auch Nachhilfestunden bezahlt.
Besonders bitter für viele Wohngeldempfänger: Bisher hat die Stadt außer für Klassenfahrten an sie keinen einzigen Cent ausgezahlt, wie die Fachdienstleiterin Barbara Wolf gegenüber unserer Zeitung bestätigte: „Wir arbeiten aktuell an den Mittagessensgutscheinen. Diese sollten bis August fertig sein“. Mit einer rückwirkenden Auszahlung der Zuschüsse für Musikschule und Sportverein können die Betroffenen aber erst ab September rechnen. Schuld an der verspäteten Auszahlungen ist die nötige Software, die dem Amt erst seit Juni zur Verfügung steht. Wohngeldempfängerin Susann K., die lieber anonym bleiben möchte, ist sauer: „Ich warte auf fast 200 Euro die mir zum Leben fehlen“.
Gut die Hälfte aller Wohngeldempfänger hat mindestens einen Antrag gestellt. Insgesamt sind es aktuell gut 1621 Anträge. Bei den gut 2500 anspruchsberechtigten Kindern von Hartz IV Empfängern sind es gerade mal 699 Anträge, so Hans-Michael Lohs von Jenarbeit. Die meisten Anträge entfallen auf Zuschüsse für Mittagessen, Klassenfahrten und den Schulstartbonus zu Beginn der Schulhalbjahre.
Beantragen kann man die Mittel beim Jobcenter der Stadt Jena (Hartz IV) beziehungsweise beim Sozialamt (Wohngeld und Kinderzuschlag).

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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 12.08.2011 | 07:21  
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