Die üppigen Zeiten sind zuende

Rosa Maria Haschke freut sich über abgeschlossene Bauprojekte und auf ein besinnliches Weihnachtsfest.
 
Während der Burgweg wieder für den Durchgangsverkehr freigegeben ist, ist die Ziegenhainer Straße nach wie vor gesperrt.
Jena: Wenigenjena |

Rosa Maria Haschke (CDU), Ortsteilbürgermeisterin von Wenigenjena und Mitglied des Stadrates, über den gesicherten Erhalt des Naturdenkmals Jenzig-Fuß, aktuelle Bauprojekte und die große Solidarität der Bürger des Stadtteils im Umgang mit Flüchtlingen.

Schauen wir zunächst einmal auf 2015 zurück: Gibt es ein Bauprojekt, über dessen Ende Sie erleichtert sind?
Es gibt mit dem Burgweg ein Großbauprojekt, welches uns über mehrere Jahre begleitet hat und noch vor Weihnachten zum Abschluss kommt. Einzig ein kleinerer, letzter Abschnitt ist noch in Planung. Das Gros ist also geschafft – und darüber sind wir, und insbesondere die Bewohner der Wilhelmshöhe, sehr froh.

Blicken wir einmal voraus ins Jahr 2016: Gibt es hier Umleitungen und Verkehrseinschränkungen, auf die sich die Bürger in Wenigenjena einstellen müssen?
Was uns in diesem und im nächsten Jahr beschäftigt und weiter beschäftigen wird, ist der Austausch von Gasleitungen im gesamten Gebiet Schlegelsberg. Das hat schon zu etlichen Umleitungen und zeitweiligen Beeinträchtigungen geführt. Das wird im nächsten Jahr noch einmal so sein, aber hier werden wir gut darauf vorbereiten, so dass die Bürger wissen, was auf sie zukommt.

Die Bebauung vom Jenzigfuß wurde und wird kontrovers diskutiert. Wie ist hierzu derzeit der Stand?
Wir wurden im Frühjahr in Kenntnis gesetzt, dass das Thema wieder auf der Agenda steht. Eine breite Bevölkerungsschicht, nicht nur aus Wenigenjena, hat sich daraufhin zu Wort gemeldet und sich gegen die Bebauung ausgesprochen. Ein wichtiges Argument der Bürger und auch von mir lautete: Dies ist ein „Naturdenkmal“, das prägend ist für die Stadt Jena und deshalb soll das Landschaftsbild für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.
Wir sehen uns da auch in der Pflicht, eine solche Besonderheit nicht einem kurzfristigen Wohnungsdruck zu opfern. Diese Einschätzung ist von einem Großteil des Stadtrates auch geteilt worden, so dass vorerst das Bebauungsvorhaben von der Stadt nicht weiter verfolgt wird.

Apropos Wohnungsdruck: Ist davon in Jena-Ost nichts zu spüren?
Der Wohnungsmangel ist ein gesamtstädtisches Problem. In Wenigenjena gibt es immer noch Lückenbebauung: In der Karl-Liebknecht-Straße, aber auch in der Schenkstraße wird von privaten Bauherren gebaut. Der Wohnungsmarkt ist – da spreche ich als Stadträtin – sehr angespannt, aber auch nicht überschaubar. Denn bei den zahlreichen Flüchtlingen ist noch völlig offen, bei wie vielen Asyl anerkannt wird – und wie viele in Jena bleiben, wegziehen oder neu hinzukommen werden. Da kann man nur mit Geduld herangehen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie ist das Verhältnis der Bewohner des Stadtteils den Flüchtlingen gegenüber?
Wir haben ja schon zwei Standorte für Gemeinschaftsunterkünfte in der Schulstraße und am Ostbad. Jetzt bekommen wir noch ein drittes Containerdorf Am Gries dazu. Es gibt einen sehr aktiven Freundeskreis in Wenigenjena, der die Arbeit der Stadt sinnvoll ergänzt, um den Flüchtlingen ihr Einleben leichter zu machen. Über den Freundeskreis hinaus gibt es eine Vielzahl an Menschen, die Bereitschaft zeigen, mitzuhelfen und sich zu engagieren – und wenn es auch nur eine freundliche Geste ist. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Atmosphäre dadurch im Stadtteil positiv gestaltet wird.

Lange Zeit galt das Jugendzentrum Eastside im Rahmen des Jugendförderplans als Wackelkandidat. Geht es dafür weiter?
Das Eastside hat eine neue Mannschaft und hat sich auch in das Flüchtlings-Thema eingeklinkt. So gibt es dienstags ein internationales Café, das für alle offen ist.
Alle Jugendeinrichtungen der Stadt haben sich letztlich arrangiert – auch mit etwas weniger Geld. Mit weniger Geld müssen wir in dieser Stadt an allen möglichen Stellen auskommen und ich denke, die üppigen Zeiten sind zuende. Jammern bleibt hier und da nicht aus, dem liegt aber ein ziemlich hohes Niveau zugrunde.

Es gab dieses Jahr wieder zahlreiche Feste in Wenigenjena, die vom Ortsteilrat und von Vereinen des Stadtteils organisiert werden. Wie war hier die Resonanz?
Das größte Fest ist ja das Wenigenjenaer Sommerfest am Camsdorfer Ufer, das wir Ende August gefeiert haben. Es gibt immer wieder Angebote von den ansässigen Vereinen, dass sie bei der Gestaltung des Sommerfestes mal oder wieder dabei sein möchten. Viele betrachten es als eine Ehre, sich präsentieren oder auch bei der Organisation mithelfen zu können. Das Sommerfest wird, wie jedes andere Fest im Stadtteil, sei es am Schlegelsberg oder auf dem Jenzig, von den Bürgern sehr dankbar angenommen.

In welchem Verein sind Sie besonders engagiert?
Im Verein Brückenheiliger St. Michael, in dem es um den Wiederaufbau des Pavillons mit dem Stadtpatron auf der Camsdorfer Brücke geht. Der Pavillon ist mit dem letzten Bombenangriff auf Jena am 12. April 1945 total zerstört und in der Saale versenkt worden. Die Vorplanungen sind abgeschlossen – und es könnte gebaut werden, wenn genügend Geld da wäre. Der seit 2005 bestehende Verein hat schon 40 000 Euro zusammengesammelt – doch der Eigenanteil muss weiter steigen, damit die Stadt, die Eigentümerin der Brücke ist, das Vorhaben umsetzt. Unser Ziel ist, dass der Pavillon 2018 gebaut wird.

Was macht in Ihren Augen den Charme von Wenigenjena im Vergleich zu anderen Stadtteilen von Jena aus?
Was ich immer wieder höre, ist, dass Wenigenjena eine Kleinstadt in einer Großstadt ist – und die Bürger gern hier leben. Schule, Marktplatz, Kirchen, Verkehrsanbindung, – alles Städtische ist hier vorhanden, umgeben von phantastischer Natur. Zusammen mit seinen Bürgern aus allen Bevölkerungsschichten und -gruppen macht dies auch das Flair aus.

Wo werden Sie Heiligabend feiern?
Da ich katholisch bin, werde ich nicht in Wenigenjena, sondern in der Stadtkirche zur Christ-Mette gehen. Die Stadtkirche wird ja aus Kapazitätsgründen an Heiligabend der katholischen Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Der Artikel wurde am 09. Dezember 2015 in der (gedruckten) Lokalausgabe Jena des Allgemeinen Anzeigers am Mittwoch veröffentlicht.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige