Eichplatz Jena: Warum ich gegen das Baukonzept stimmen werde

Jeder Bürger in Jena muss sich derzeit überlegen, auf welcher Seite er steht. Seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob und wie der zentrale Platz in Jena, der Eichplatz, genutzt und bebaut werden soll. Aktuell liegt ein Angebot der Investoren jenawohnen und OFB vor, das die Stadt favorisiert und das verschiedene Bürgerinitiativen ablehnen. Alle Bürger werden nun per Anschreiben befragt, ob sie dem Projekt zustimmen oder nicht. http://www.eichplatz.jena.de/Fragestellung.99.0.ht...

Lange Zeit war es mir eigentlich egal, was mit dem Eichplatz passiert. Als Parkplatz habe ich ihn so gut wie noch nie benutzt. Das Erlebnis Rummel ist für mein Kind zwar schön, für mich aber zu teuer: In einer halben Stunde bin ich 20 Euro los. Dem werde ich nicht nachtrauern. Auf den Bänken unter den Bäumen habe ich hin und wieder gesessen, aber ich blicke auf zu viele Autos, um richtig zu entspannen.

Ich bin kein Gegner moderner Architektur und kann mich weder der Kritik am neugebauten Haus in der Westbahnhofstraße anschließen, noch finde ich die Vorschläge für den Eichplatz hässlich. Aber ich brauche weder die geplanten Geschäfte noch die Wohnungen. Es wäre nicht mal meine bevorzugte Wohngegend, wenn ich mir die Miete leisten könnte. Nachts ziehen hier viele Kneipengänger durch und man wird als Mieter auf nicht viel Grün blicken können, höchstens auf das Verdorrte auf den Dächern, das ich schon auf den Unigebäuden am Campus mir anschauen durfte.

Nun kann man zwar dafür stimmen, dass andere die Wohnungen und die Geschäfte bekommen, die sie brauchen und in denen sie sich wohlfühlen. Hätte ich auch gemacht, aber es gibt Gründe, die mich davon abhalten.

Der Plan sieht vor, den Eichplatz zu verkaufen. Der Erlös geht aber gleich wieder drauf für archäologische Erkundungen auf dem Eichplatz, Zufahrtsstraßen und die Schaffung alternativer Stellplätze für die wegfallenden Parkplätze. Vermutlich muss die Stadt sogar noch eine Million drauflegen – das legt diese Diskussion nahe: http://www.meinanzeiger.de/jena/politik/viel-geld-...

Ich finde, wenn schon Verkauf, dann muss die Bürgerschaft auch etwas davon haben. Und zwar mehr als ein paar neue Geschäfte, die nach meiner Ansicht nicht gebraucht werden und mehr Probleme schaffen als sie lösen. Ich glaube nicht, dass der Bedarf an Ladengeschäften in der Zukunft steigt. Er fällt eher. Ich bin nämlich so ein Interneteinkäufer und verkaufe auch im Internet und ich habe auch kein Problem damit, dass sich dadurch die Innenstädte wandeln.

Die große Gegnerschaft des jetzigen Bebauungskonzeptes bietet eine einmalige Gelegenheit: Man muss die Zukunft der Innenstadt neu denken. Was würde einen Mehrwert für die Bürger darstellen? Und es geht mir dabei nicht mal vordergründig um aus Steuergeldern finanzierte Parkanlagen oder Bürgerhäuser, sondern mein Blick richtet sich auch in Richtung Wirtschaft: Das Bauen von kombinierten Anlagen - Wohnhäusern und Ladengeschäften - ist ein erprobtes Geschäftsmodell und man nimmt halt lieber was Erprobtes. Was aber, wenn dieses Modell in ein paar Jahren nicht mehr funktioniert? Was, wenn jetzt die Zeit ist, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken, die die Innenstadt beleben und die Angebote für Bürger schaffen, für die sie Geld ausgeben und die sie nicht im Internet haben können? Manche mögen das schon wieder für zu konsumorientiert halten. Mischformen haben meiner Meinung nach mehr Aussicht auf Erfolg, als rein staatlich finanzierte Projekte.

Ich stimme jedenfalls mit Nein und hoffe auf fruchtbare Diskussionen.

Alle Beiträge zum Eichplatz auf meinAnzeiger.de: http://www.meinanzeiger.de/jena/themen/eichplatz.h...
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4 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 20.03.2014 | 07:11  
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R. F. aus Jena | 20.03.2014 | 14:05  
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Antje Hellmann aus Jena | 21.03.2014 | 10:52  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 21.03.2014 | 23:01  
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