Eichplatzbebauung: Jenaer Studierendenräte wollen weniger Beton

Jena ist überbelegt: Stephanie Borck, Vorstand Uni-StuRa, Anna Gottwald, Koordinatorin und FH-Studentin, Carolin Birk, Vorstand FH-StuRa und Cindy Salzwedel, Uni-StuRa fordern mehr sozialen Wohnraum am Eichplatz.
„Der B-Plan muss geändert werden. Wir wollen mehr sozialen Wohnraum, keine Privatisierung, keine Tiefgarage und die Streichung der Planungsfläche MK2“, sagen die vier Studentinnen. Anna, Carolin, Stephanie und Cindy sind in den Studierendenräten (StuRäs) der FSU Jena und der Fachhochschule vertreten. Beide Gremien haben zum Bebauungsplan auf dem Eichplatz ein gemeinsames Papier ausgearbeitet, das sie im Januar als Änderungseingabe bei der Stadt eingereicht haben.

„Mit unserer Forderung nach sozialem Wohnraum meinen wir nicht Wohnen auf Bedarfsschein, sondern eine Entlastung für Studierende und Normalverdiener, die es schwer haben, in Jena eine Wohnung zu finden“, sagt Cindy Salzwedel, die als Mitglied im Studierendenbeirat der Stadt immer wieder auf die Wohnungssituiation aufmerksam macht. Anna Gottwald stimmt dem zu. Die FH-Studentin stammt aus Leipzig. „Für den WG-Zimmer-Mietpreis in Jena kann ich mir in Leipzig eine Zweizimmer-Altbauwohnung aussuchen. Dort gibt es 30 Prozent Leerstand.“ Weil es hier so schwierig sei, eine Wohnung zu finden oder gar in die attraktive Innenstadt zu ziehen, werden viele Studierende nach ihrem Studium Jena verlassen, ist sie überzeugt.

Park&Ride und mehr Grünfläche
Für die Menschen, die nicht in der Innenstadt oder nicht in Jena wohnen, schlagen die StuRäs statt einer Tiefgarage auf dem Eichplatz ein Park&Ride-System vor. Parkflächen vor der Stadt gäbe es genug, die Innenstadt müsse entlastet werden, das sei umweltbewusster und zeitgemäßer. Die Studentinnen befürchten außerdem, dass der Tiefgarage Überflutung droht wegen des hohen Grundwasserspiegels.
„Das Schiff“, mit der sie die Bebauungsfläche MK3 bezeichnen, weil sie eine Schiffsform hat, sollte nach Ansicht der StuRäs mit kleinteiligen Ladenflächen, die sich ausschließlich im Erdgeschoss befinden, gestaltet werden. Gewünscht wird die Förderung regional ansässiger Unternehmen als Mieter. Ab der ersten Etage soll einen Großteil der Fläche für den sozialen Wohnraum reserviert werden. Anstelle eines weiteren Betonbaus, der auf der Planungsfläche MK2 entstehen soll, schlagen die Studierenden eine Grünanlage vor, die auch als Veranstaltungsfläche genutzt werden kann. Damit blieben ihrer Meinung nach die archäologischen Ausgrabungsstätten, der Brunnen auf dem Eichplatz, erhalten.

Mitbestimmung noch vor Planlegung erwünscht
Dass es in Jena ganz unterschiedliche Stimmen zur Eichplatzbebauung gibt, ist den Studentinnen bewusst. „Auch der FH-StuRa hat viele Sitzungen gebraucht, um sich zu einigen“, berichtet Anna Gottwald, die als Koordinatorin zwischen den Studierendenräten das Thema weitergetragen hat. So ein Bebauungsplan sei sehr komplex und viele seien gar nicht informiert. „Studierende, aber auch Menschen mit guten Jobs in guten Positionen reagieren immer noch überrascht auf die Nachricht, dass der Eichplatz bebaut werden soll“, hat Cindy Salzwedel festgestellt und sie sagt: „Wir haben versucht, die Informationen der Bürgerinitiative „Mein Eichplatz“ und die Aktionen des Ortsteilrates Stadtmitte in die Hochschule zu transportieren. Hilfreich war, dass diese Gruppen Formulare angeboten haben, die ausgefüllt bei der Stadt als offizielle Eingabe akzeptiert werden.“ Trotzdem sei es gar nicht so einfach, sein Recht auf Mitbestimmung wahrzunehmen.

Warum kein Open-Space-Büro für Jena?
Eigentlich müssten die Bürger viel früher eingebunden werden, so dass der Bürgerwille schon in den Bebauungsplan eingeht. „Denn wenn der steht, kann man nicht mehr viel verändern, höchstens ihn ganz kippen“, sagt Cindy Salzwedel. Sie wünscht sich ein Open-Space-Büro für Jena, so wie das Hendrik Nolde vorgeschlagen hat. Der studierte Urbanist hatte auf einer Informationsveranstaltung des Uni-StuRa vorgetragen, welche Modelle der Bürgerbeteiligung es gibt. Vorstellbar wäre ein offener Ort, an dem Menschen zusammen kommen, um sich über die Stadtentwicklung auszutauschen, wo Fachleute auf Bürger treffen und gemeinsam ein Meinungsbildungsprozess stattfindet, der dann in die Planung einfließt.

Jena 21? Hat die Stadt den Trend zur Bürgerbeteiligung verpasst?
„Wenn man heute überhaupt von den Plänen etwas erfährt und sich dann noch eine Meinung dazu überlegt, kann man nur zum Dezernat Stadtentwicklung gehen, um sich dort informieren zu lassen über das, was weitestgehend schon beschlossen wurde“, sagt Cindy. Die Stadt hat ihrer Meinung nach den Trend verpasst, die Menschen einzubinden. Die Studentinnen haben auch schon Plakate gesehen, auf denen Jena 21 stand, eine Anspielung auf Stuttgart, wo die Bürger seit Monaten gegen den Bahnhofneubau demonstrieren.

Dass im Stadtrat nicht mal die Forderung der FDP nach 20 Prozent Wohnraum bei der Eichplatzbebauung durchgegangen ist, sei traurig, sagt Cindy, doch andererseits könne sie die Haltung der Stadt auch verstehen: „Der Eichplatz soll seit 20 Jahren bebaut werden. Frühere Pläne haben sich eher mit unseren Vorstellungen gedeckt. Dafür hat sich kein Investor gefunden. Die Stadt will jetzt handeln und orientiert sich an den Wünschen potentieller Investoren. Nur damit werden wir uns nicht zufrieden geben.“

Die Bürgerinitiative "Mein Eichplatz"
Der Studierendenrat der FSU
Der Studierendenrat der FH
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