Eine Geschichte für heute

Katharina Georg, Felicie Markent und Annkathrin Müller (v.li.) sind sogenannte Begleiterinnen der Anne-Frank-Ausstellung und führen Besucher durch die Ausstellung. (Foto: Ina Schwanse)
Ein rot-weiß kariertes Buch empfängt den Besucher am Anfang der Ausstellung. Seine Autorin ist die 13-jährige Anne Frank. Zu gern wäre das Mädchen Schriftstellerin geworden. Doch sie durfte nicht – weil sie Jüdin war. Bevor sie erwachsen werden und ihren Herzenswunsch ausleben konnte, zerstörten die Nationalsozialisten ihr Leben und das ihrer Familie. Ihr Tagebuch ist geblieben.
Die internationale Wanderausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ gibt einige Auszüge daraus wieder und berichtet von sorglosen Kindertagen der Anne Frank und dem Leben im Amsterdamer Versteck.

Seit kurzem ist die Ausstellung in der Aula der Integrativen Gesamtschule „Grete Unrein“ zu sehen. „Sie eröffnet Wege“, sagte Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter zur Eröffnung. „Wir brauchen Markierungen und Geländer, an denen wir entlanggehen können, um Antisemitismus und Rechtsextremismus zu begegnen. Das zeigt uns Anne Frank.“ Auf 54 Tafeln führt die Ausstellung in eine Auseinandersetzung mit Rassismus und menschenverachtenden Systemen. Porträts weiterer Zeitzeugen, wie das des Deutsch-Liberianers Hans Massaquoi oder anderer ethnischer Minderheiten, lassen jene zu Wort kommen, die ebenso unter der Herrschaft der Nazis ausgegrenzt waren.

Der Zusatz im Ausstellungstitel verweist bereits auf eine zentrale Intention der Ausstellungsmacher. Es geht nicht nur darum, über das Schicksal von Anne Frank zu lesen. „Die Besucher sollen über Parallelen zwischen Gestern und Heute nachdenken“, sagte Thomas Heppener, Direktor des Anne Frank Zentrums in Berlin. In zahlreichen Projekten und Workshops können sich Teilnehmer in den kommenden Wochen den Themen Menschenrechte und Zivilcourage, aber auch Diktatur und Fremdenfeindlichkeit stellen.
Wichtigste Stütze der Anne-Frank-Ausstellung seien die Jugendlichen, meinte Heppener. Über 20 Schüler und Studenten haben das Anne-Frank-Zentrum Berlin und die Kontakt- und Koordinierungsstelle (KoKont), die die Ausstellung in Jena betreut, als Begleiter ausgebildet. Wer könne anderen die Geschichte von Anne Frank besser näher bringen als junge Erwachsene selbst. Doch ist diese Geschichte nicht nur für Jugendliche gedacht. „Wir haben festgestellt, dass Erwachsene oft weniger über die ganze Problematik wissen als Jugendliche“, sagte Janine Patz von KoKont.

„Anne Frank – eine Geschichte für heute“ ist nach 1993 (Vorgängerausstellung) und 2003 bereits zum dritten Mal in Jena zu sehen. Sie wurde vom Anne Frank Haus, Amsterdam konzipiert und war schon in über 60 Ländern unterwegs. In Jena wird die Ausstellung von über 50 Personen und Unternehmen bzw. Vereinen unterstützt. (Text und Foto: Ina Schwanse)
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