Feiern vernetzt - Fachhochschule möchte Studenten stärker an sich binden

Franka Gräbner koordiniert die Studieneinführungstage an der Ernst-Abbe-Fachhochschule. Foto: Hausdörfer
JENA. Der Abbruch eines Studiums ist eine unschöne Angelegenheit für beide Seiten: für die Studenten, die wertvolle Zeit für ihre berufliche Entwicklung verlieren, und auch für die Hochschulen, die natürlich ein elementares Interesse daran haben, dass möglichst viele ihrer Studierenden einen erfolgreichen Abschluss erreichen. Die Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena (EAH) möchte deshalb besonders die Studienanfänger noch stärker an sich und an Jena binden und geht dabei neue Wege. Der AA sprach darüber mit Franka Gräbner, Koordinatorin der Studieneinführungstage an der EAH:

Warum wird das Studium abgebrochen?

Gräbner: Teilweise natürlich aus fachliche Gründen, aber vielleicht auch, wenn man sich vorher zu wenig Gedanken über das Studienfach und die Anforderungen gemacht hat. Da gibt der eine oder andere schon nach der ersten nicht bestandenen Prüfung auf, obwohl er die zweite vielleicht bestanden hätte. Viele studieren erstmal ins Blaue hinein, merken dann: Oh, das ist ja doch nichts für mich und wechseln dann das Fach oder die Hochschule. Die Wechselmentalität ist sehr ausgeprägt. Bei mir selbst war das nicht anders, ich habe an der Uni Jena auch das Fach gewechselt. Und dann gibt es die Gruppe, bei denen wir nicht wissen, warum sie aufhören, weil sie sich einfach nicht zurückmelden.

Was bedeutet ein Abbruch für den Studenten?

Gräbner: Mit der Einschreibung an einer Hochschule beginnt das erste Semester. Wenn ein Studierender nach zwei Semestern abbricht und woanders bei Null anfängt, dann zählen diese Semester aber als Studienzeit weiter. Das heißt, man kann dann schnell die Regelstudienzeit zu weit überschreiten und muss Langzeitstudiengebühren zahlen. Dazu kommt möglicherweise eine völlig Neuorientierung, auch mit neuer Wohnung in einer anderen Stadt. Ich kann mir vorstellen, dass das schwieriger werden kann, als ganz einfach die Zähne zusammen zu beißen und zu bleiben.

Wie will die EAH die Studienabbrecherzahlen verringern?

Gräbner: Bei fachlichen Schwierigkeiten gibt es eine ganze Palette von Unterstützungen, die Vorkurse, das Mentoring oder Tutorien in den ersten beiden Semestern zum Beispiel. Es reicht aber nicht, nur eine gute Lernsituation anzubieten. Wir wollen die Verbundenheit mit der Fachhochschule sowie dem Campus als Lern- und Lebensort stärken. Ein Vorbild ist dabei durchaus der typische US-amerikanische Campus mit der tiefen Identifikation der Studenten mit ihrer Hochschule und diesem großen Zusammengehörigkeitsgefühl. Eigentlich haben wir alle Voraussetzungen dafür: Wir haben den Campus, das Wohnheim, kurze Wege, eigentlich alles was wir brauchen, direkt vor Ort. Aber die Vernetzung auch an den amerikanischen Hochschulen funktioniert auch nur über soziale Dinge wie Sport, Kultur, Feiern oder Studentenverbindungen.

Was wird konkret dafür getan?

Gräbner: Um den bisher leider noch zu wenig genutzten EAH-Campus für Studierende attraktiver zu gestalten, soll dieser zunächst während der Studieneinführungstage stärker belebt und für gemeinsame, studiengangsübergreifende Aktivitäten genutzt werden. Erstmals wird es am 25. September eine Abschlussveranstaltung mit vielen Informationen und Musik bis in die späten Abendstunden hinein geben. In lockerer Atmosphäre informiert es sich besser und es werden leichter Kontakte geknüpft. Das Feiern ist noch immer das Vernetzungsmodul Nr. 1. Laut Sozialpsychologen sind soziale Gruppen mit dem entsprechenden Zusammengehörigkeitsgefühl ein wichtiger Faktor zur Erhöhung der Eigenaktivität des Einzelnen. Das kann helfen, bei schwierigen Situationen im Studium bis an seine Grenzen zu gehen und nicht abzubrechen, weil man in Gruppe bleiben möchte.
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