FH-Pflegewissenschaftler unterstützen in Sibirien Aufbau eines Altenheimes

Gäste aus dem russischen „Akademikerstädtchen“ Akademgorodok zu Besuch in der Hochschulstadt Jena. Foto: Klossek (Foto: Andreas Klossek)
Gut, dass Eindrücke, Erfahrungen und Gespräche nichts wiegen. Denn auch so dürften Alexej Gordienko und Boris Pivovarov am Wochenende bei ihrem Rückflug nach Novosibirsk in Sachen Gepäck an die Grenzen des Machbaren gestoßen sein. Einen Rucksack voll von Informationen trugen der Leiter der Administration Akademgorodok und das geistliche Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche des „Akademischen Städtchen“, wie der Stadtteil der sibirischen Millionenmetropole sich nennt, bereits am vergangenen Freitag nach einem Gespräch und einer Führung an der Fachhochschule Jena auf dem Rücken. Allein Jenas Altenhilfeplanerin Gabriela Pippart, die den Gästen einen Einblick in die hiesigen Strukturen, Angebote und Konzepte für die über 30.000 Jenaer jenseits der 55 bot, hatte nach ihrem Vortrag ein nicht eben kleines Paket an Informationsmaterial für sie parat. Immer ein Notizbüchlein in Reichweite, war die kleine russische Delegation bereits eine Woche lang in verschiedenen Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen Thüringens und Sachsen-Anhalts unterwegs und hatte sich intensiv mit dem deutschen System der Altenhilfeplanung und -pflege vertraut gemacht. „Die deutschen Strukturen lassen sich sicherlich nicht gänzlich auf Akademgorodok übertragen, aber wir sind dankbar für die vielen Anregungen zur Organisation, Finanzierung und Ausbildung im Pflegebereich“, wies Alexej Gordienko auf den Anlass der Reise hin und ihren unmittelbaren Praxisbezug: Spätestens im nächsten Jahr soll in Novosibirsks Wissenschaftsstadtteil das „Haus der Barmherzigkeit“ eröffnet werden und damit ein fast achtjähriges Ringen um die Fertigstellung dieses Altenheimbaus, der allein aus Spenden finanziert werden muss, einen glücklichen Abschluss nehmen.

Seit vier Jahren weiß man dabei Professor Dr. Olaf Scupin, Professor für Pflegemanagement am Fachbereich Sozialwesen der FH Jena, mit Rat und Tat an seiner Seite. Gemeinsam mit zirka zwölf Masterstudierenden für Pflegewissenschaft/Pflegemanagement reist er einmal im Jahr nach Akademgorodok. In Kooperation mit den russischen Partnern wird dort ein Betreiber- und Pflegekonzept für das neue Haus auf die Beine gestellt, die orthodoxe „Schwesternschaft der Barmherzigkeit“, deren Ärzte und Krankenschwestern sich künftig um die Pflege und Betreuung der Patienten kümmern werden, bei der Schulung von Personal unterstützt. Mehr noch: Etwa zehn künftigen Mitarbeitern der neuen Pflegeeinrichtung, einschließlich des Verwaltungsleiters, boten sich auf Initiative des FH-Fachbereichs hin bereits wertvolle Hospitationsmöglichkeiten in Deutschland. 30 Altenheimbetten, welche die Studierenden und Professor Scupin dank ihrer Praxiskontakte organisiert haben, warten zudem auf den Transfer nach Sibirien. Seine Studenten ihrerseits, schätzt Professor Scupin ein, sammelten durch die Exkursion nach Akademgorodok bleibende Eindrücke davon, wie Menschenliebe und Geduld bei der Pflege und Betreuung von Alten und Kranken Defizite beim gerätetechnischen Standard teils aufzuwiegen vermag. Längst hat sich jedenfalls dank der wechselseitigen Besuche eine Partnerschaft entwickelt, die von Herzlichkeit mindestens genauso getragen ist wie von wissenschaftlichem Interesse. Wenn sich im Juni dieses Jahres erneut Studierende der Fachhochschule für 14 Tage auf den Weg nach Sibirien machen, werden sie also vermutlich nicht nur viel schwerwiegendes Informationsmaterial sondern auch jede Menge freundlicher Grüße im Gepäck haben. (Text: Andreas Klossek)
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