Freie Musiklehrer für mehr Geld auf der Straße!

Wann? 08.06.2011

Wo? Marktplatz, Markt 2, 07743 Jena DE
Die Freien Musikpädagogen Jena fordern eine bessere soziale Absicherung und mehr Honorar.
 
Selbst die Kleinsten demonstrieren lautstark mit. Die 8-jährige Alma Cernak zeigt JenaKultur symbolisch die gelbe Karte für ihre Honorarpolitik im Umgang mit freien Musiklehrern.
Jena: Marktplatz | Jenas Pädagogen fordern knapp ein Viertel mehr Honorar und beklagen
städtische Sparpolitik bei Kultur und Bildung.


JENA. Über 150 Jenaer demonstrierten vergangenen Mittwoch auf dem
Jenaer Marktplatz für die Rechte der freien Mitarbeiter der Musik- und
Kunstschule Jena. Die
Interessenvertretung der Freien Musikpädagogen Jena (FMPJ) hatte
pünktlich zur abendlichen Stadtratsitzung neben dem Rathaus zum
Protest aufgerufen. Mit deutlichen Plakaten wie „Freie Mitarbeiter
der Musik- und Kunstschule verdienen bei Krankheit nix.“ und „Wir
spielen nicht mehr mit!“ machten sie
ihrem Unmut Luft. Das Blechblasensemble sorgte für den musikalischen Rahmen.
Frank Nebel, Leiter der Interessenvereinigung, rechnete den
Anwesenden den Verdienst eines freien Musikpädagogen vor: Für jede
Schulstunde erhält jeder der 75 Freien an der
Musikschule 18,50 Euro von JenaKultur. Da in den Ferien kein
Unterricht stattfindet, müssen die Lehrer in den 38 Schulwochen den
Lohnausfall in der Ferienzeit mit erwirtschaften, obwohl
die Eltern für das ganze Jahr zahlen müssen. Dadurch ergibt sich ein
Stundensatz von 13,50 Euro. Abzüglich Steuern und Sozialabgaben bleibt
ein Stundenlohn von 10,80 Euro. Bei Krankheiten, Schwangerschaft oder
Ausfall erhalten sie kein Geld, beklagt Nebel. Er fordert eine
Erhöhung um mindestens 23 Prozent. „Dann hätten wir zumindest das
Niveau von 1998 – wenn man mal nur die Preissteigerungen betrachtet“.
Das Honorar hat sich seit 13 Jahren laut der Interessenvereinigung
nicht verändert. Das Problem sei ein generelles in Ostdeutschland:
Zunehmend ersetzen
Honorarkräfte festangestellte Mitarbeiter. In Jena machen die
freiberuflich arbeitenden Pädagogen bereits drei Viertel der
Belegschaft aus.

Anke Seime, ebenfalls Protestantin, war schockiert über die
Stundensätze. „Die Musik- und Kunstschule, wo wir alle als Kinder
waren, sowas macht, hätte ich nicht gedacht.“ Wie über 400 andere
Bürger hatte sie sich bereits unter www.fmpj.de online an den
Protesten beteiligt.

Am Rande der Demonstration war auch JenaKultur Werksleiterin Frau Dr.
Margret Franz auf den Jenaer Marktplatz gekommen. Sie verteidigte die
Sparpolitik von JenaKultur gegenüber unserer Zeitung. „Wenn wir nur
einen Euro mehr pro Stunde zahlen, kostet uns das 40.000 Euro mehr im
Jahr.“ Sie erinnerte das Jena seinen Musikpädagogen einen Spitzensatz
im Thüringenvergleich zahlt und als einzige Stadt in Thüringen über
ein für fünf Jahre gedeckeltes Budget verfügt. „An der Volkshochschule
verdienen die Lehrkräfte mit 10 Euro Netto deutlich weniger als die
Musikpädagogen erinnert die Werkleiterin: „Ich kann nicht zulassen,
dass andere Bereiche von JenaKultur die Musikschule mitfinanzieren“.
Ein Schritt will sie trotzdem auf die Demonstranten zugehen. Die
Honorare sollen in Zukunft stärker differenziert werden. Dies hat zwar
zur Folge das einige mehr verdienen, aber auch andere Einschnitte
hinnehmen müssen. Das Grundproblem kann aber nur der Stadtrat lösen:
Er muss die Ausgaben für JenaKultur deutlich anheben um höhere
Honorare zu gewährleisten. Ein Antrag der Fraktion Die Linke im
Stadtrat wurde jedoch von allen Fraktionen geschlossen abgelehnt.
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2 Kommentare
2.146
Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 12.08.2011 | 07:15  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 05.12.2011 | 20:59  
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