Für Sortenvielfalt in den Gärten

Ein ganzes Feld voller Schnittlauch - ein Nischenprodukt, mit dem kein großes Geld zu machen ist.

Durch Neuregelungen der EU droht der Verlust seltener Obst- und Gemüsesorten

Wenn auf EU-Ebene von Entbürokratisierung die Rede ist, lohnt es sich immer, genauer hinzusehen. Derzeit steht die Neuordnung der Sortenzulassung für Saatgut auf der Tagesordnung. 120 Millionen Euro werden in der Europäischen Union für die Zulassung und Zertifizierung neuer Sorten pro Jahr ausgegeben. Zuviel, meint eine Studie und empfiehlt den weitgehenden Rückzug staatlicher Stellen aus dem Zulassungsverfahren. Zum Vergleich: Allein der Kulturetat der Stadt Jena liegt bei jährlich 12 Millionen Euro.
Die Szenarien für den vorgeblich dringend notwendigen Bürokratieabbau sind dabei durchaus verschieden. Eines sieht vor, dass mehr oder weniger alles zugelassen wird und nur auf Wunsch der Züchter selbst eine Zertifizierung erfolgt. Für kleine Saatgutbetriebe, die sich auf die weniger häufigen Gemüsearten spezialisiert haben, sieht das nach deutlicher Erleichterung aus. Es würde aber auch den Marktzugang für gentechnisch veränderte Sorten, die heute an nationalem Recht scheitern, erheblich vereinfachen.
Szenario zwei sieht vor, dass jegliches Saatgut zu zertifizieren ist, wobei ein Großteil der dafür nötigen Untersuchungen von den Züchtern selbst unter staatlicher Aufsicht vorgenommen werden soll. Für Saatgutkonzerne kein Problem, wohl aber für den kleinen Gärtnereibetrieb oder die Züchter alter und seltener Sorten. Letzteres wird vor allem aus Enthusiasmus betrieben, um verrückte Dinge wie violette Möhren oder Etagenzwiebeln am Leben zu erhalten. Obwohl der Marktanteil gering ist, werden damit Sorten geschützt, die unter veränderten klimatischen Bedingungen durchaus nützlich sein könnten. Die geforderte Zertifizierung würde den Verlust dieser Seltenheiten bedeuten - eine Gefahr, die Umweltschützer aktiv werden lässt.
Eine Online-Petition an den Bundestag fordert das aktive Eintreten der deutschen Regierung für den freien Handel, Tausch und Anbau von Saatgut. Unter https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/... kann sie noch bis zum 05.06.2013 mitgezeichnet werden.
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