Jenaer Einzelhändler betrachten Eichplatz-Pläne skeptisch

Im Dezember 2012 schloss diese Bekleidungsgeschäft in der Neugasse, in der Nachbarschaft stehen zwei weitere leer.

Bürgerinitiative befragte Innenstadthändler zu ihren Erwartungen

Bei der Bebauung des Jenaer Eichplatzes sollen rund 16000 m² neue Einkaufsfläche geschaffen werden – um für ein besseres Angebot zu sorgen und den Abfluss von Kaufkraft zu stoppen, sagen die Befürworter der Pläne. Allerdings stehen in der Innenstadt immer wieder Läden leer – zum Jahreswechsel etwa schloss der Haushaltwarenladen „Komma 10“ am Markt. Konfliktstoff birgt auch die Reduzierung der Parkplatzzahl in der Innenstadt bei wachsendem Bedarf. Nach der Thüringer Bauordnung muss mit einem Mehrbedarf von 775 Stellplätzen für die neuen Läden, Büros und Wohnungen gerechnet werden, aber nur etwa 250 sind bislang geplant – bei Wegfall der jetzigen 267.
Diese Probleme nahm die Bürgerinitiative „Mein Eichplatz – unser Jena“ zum Anlass, um die Händler in der Innenstadt nach ihrer Meinung zu den Plänen zu fragen. Geantwortet haben zwanzig vor allem kleinere Geschäfte mit wenigen Angestellten, die jedoch bis auf eines allesamt in Jena Steuern zahlen – bis zu 80000 Euro im Jahr.
Nur ein Ladeninhaber erwartete von dem Neubau eine Steigerung seines Umsatzes, fünfzehn dagegen befürchten eine Verringerung. Einige von ihnen haben schon bei der Eröffnung der Goethe-Galerie spürbare Einbußen hinnehmen müssen. Nach einer Studie von Professor Günter Meyer von der Universität Mainz betraf das insgesamt 44 Prozent der Innenstadthändler.
Mit besonderer Sorge sehen die Einzelhändler die Parkplatzproblematik. 85 Prozent sehen Nachteile für ihr Geschäft, sollte es künftig weniger freie Stellplätze geben. Entsprechend glauben auch nur drei, dass die Innenstadt insgesamt attraktiver werden wird, während zehn das Gegenteil erwarten.
Als Mietpreis für Geschäfte in den neuen Eichplatz-Gebäuden sind 40 Euro pro Quadratmeter im Gespräch – ein Preis, den sich eigentlich nur große Handelsketten leisten können. In den weniger attraktiven Lagen der Innenstadt kostet Verkaufsfläche nur ein Viertel davon. Für kleinere Läden kommt ein Umzug deshalb kaum in Frage.
Ausgiebig genutzt wurde das Kommentarfeld der Fragebögen. Die Händler wiesen mehrfach darauf hin, dass es der Stadt vor allem an zwei Dingen fehle: Wohnungen und Grünflächen. Vielleicht auch „Läden für die Mittelklasse – also keine Teeny-Läden und auch keine superteuren Boutiquen“. Den prophezeiten Zustrom von neuer Kaufkraft kann sich offenbar kaum einer vorstellen. Statt dessen schrieb einer: „Die Kaufkraft und der Bedarf der Jenenser und ihrer Besucher wird sich durch ein weiteres Einkaufszentrum nicht erhöhen – der zu verteilende Kuchen wird lediglich in kleinere Stücke geteilt.“
Erfahrungen vieler anderer Städte zeigen, dass die Sorge berechtigt ist und meist kleine ortsansässige Geschäfte das Nachsehen haben.
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6 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 04.01.2013 | 21:56  
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Antje Hellmann aus Jena | 09.01.2013 | 11:27  
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Steffen Weiß aus Gera | 09.01.2013 | 14:49  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 25.04.2013 | 21:00  
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Harro Schlippenbach aus Jena | 03.10.2013 | 13:08  
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Antje Hellmann aus Jena | 03.10.2013 | 13:12  
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