Landtagsabgeordnete Babett Pfefferlein besucht Erzählcafé 'Der Start ins Leben' in Erfurt

Im Gespräch mit Babett Pfefferlein. Wie kann man Thüringen frauen- und familienfreundlicher machen? Gemeinsam werden Ideen erarbeitet. (Foto: Ralf Schmiede)
 
Vier Generationen in einem Bild. Der Austausch über die Geburtserfahrungen ist ein oft besuchtes Thema. (Foto: Ralf Schmiede)
„Ich bin immer wieder erstaunt, welch hoher Redebedarf zu Themen rund um die Geburt besteht,“ fasst Organisatorin Stephanie Unger das am 1. Juli 2015 im Erfurter Familienzentrum durchgeführte Erzählcafé 'Der Start ins Leben' zusammen.

Neben Frauen mit Kinderwunsch, Müttern, Groß- und Urgroßmüttern, Hebammen und Hebammenschülerinnen lauschte auch Landtagsabgeordnete Babett Pfefferlein (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin für Soziales, Arbeit, Familie, Gesundheit und Petitionen, persönlichen Berichten von Geburten zuhause und im Geburtshaus. (Der Veranstalterin gelang es nicht, Frauen zu finden, die von ihrer Geburt in einem Klinikum erzählen wollten.) Die Frauen tauschten sich in gemütlicher Café-Atmosphäre zu ihren Schwangerschaften, Geburten und der Wochenbettzeit, sowie der aktuellen Situation der Hebammen, aus. Babett Pfefferlein interessierte sich vor allem für die Wünsche und Bedürfnisse der Frauen; gemeinsam wurde nach Möglichkeiten gesucht, mit denen das Land Thüringen freiberufliche Hebammen unterstützen und damit Familienfreundlichkeit fördern kann. Es gibt heute eine Fülle an Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit und das Bewusstsein, dass eine Geburt – mit intensiver und zugewandter Begleitung durch Bezugshebammen - ein anstrengendes, aber positives Erlebnis sein kann, wächst.

Eingeladen hatten die Ortsgruppe des Vereins Mother Hood e.V., einer Elterninitiative, die sich für den Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und im 1. Lebensjahr einsetzt, und das Familienzentrum Erfurt. Diese Veranstaltung, die in den letzten zwei Monaten auch in Jena, Weimar und Camburg stattfand, gehört zu einer bundesweiten Initiative von Hebammen für Deutschland e.V. und Dr. Stefanie Schmid-Altringer, Ärztin und Wissenschaftsjournalistin.

Der 1. Juli 2015 als Tag der Veranstaltung hatte jedoch einen schalen Beigeschmack – die Erhöhung der Haftpflichtversicherung um 20% auf über 6200€ pro Jahr für freiberufliche Hebammen trat in Kraft, und damit gaben deutschlandweit ein Drittel aller freiberuflichen Hebammen die Geburtshilfe auf. Frauen und ihre Familien müssen während der Wochenbettzeit zunehmend auf die Fachkompetenz von Hebammen verzichten, und die Wahlfreiheit des Geburtsortes wird weiter eingeschränkt.

Ab diesem Tag haben alle nicht im DHV organisierten Hebammen keine Haftpflichtversicherung für die Geburtshilfe mehr. Und auch die im DHV organisierten Hebammen haben für 2016 noch keinen Vertrag, da die Verhandlungen des DHV mit dem GKV-SV gescheitert sind: Die Gesetzlichen Krankenkassen wollen erstmals aus der umfassenden und uneingeschränkten Versorgung der Frauen mit Hebammenhilfe aussteigen. So knüpfen sie die Übernahme von Entbindungskosten unter anderem an Zwangsuntersuchungen. Das ist das derzeitige Ergebnis aus den Verhandlungen zwischen dem GKV-SV und den Hebammenverbänden. Dagegen wendet sich die Petition der Bundeselterninitiative „Mother Hood e.V.“ (www.change.org/elternprotest), die mittlerweile über 170.000-mal gezeichnet wurde - unter anderem von prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern wie Nina Hagen, Nena, Josefine Preuss, Willi Weitzel, Judith Holofernes, Sophie Schütt und Pablo Sprungala. Die ausgedruckt 5100 Seiten der Petition wurden am 13. Juli dem GKV-SV übergeben.

Nun muss die bevorstehende Schlichtung zeigen, ob sich der GKV-SV mit seinen Plänen aufgrund eines Kriterienkatalogs durchsetzen kann, für den es – zumindest in Teilen – bisher keine wissenschaftlichen Belege gibt. Bei Eintreten dieser Kriterien soll nach Willen des Spitzenverbandes künftig eine Zwangsdiagnostik erforderlich sein, um weiterhin im häuslichen Umfeld entbinden zu dürfen. Ansonsten droht den Frauen Leistungsverlust. Dieser Vorgang ist bisher einmalig, da laut Patientenrechtegesetz Versicherte das Recht haben, Behandlungen abzulehnen, ohne dass dies Einfluss auf die Leistungen hat. “Mother Hood” fordert den GKV-SV auf, dass auch zukünftig die Kosten für die Hebammenhilfe unabhängig vom Geburtsort und Geburtstermin von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Die Bundeselterninitiative „Mother Hood e.V.“ setzt sich u. a. für eine echte Wahlfreiheit in Bezug auf den Geburtsort und den Geburtsmodus im Sinne einer sicheren, evidenzbasierten Geburtshilfe in Deutschland ein. Der Verein geht aus der Facebookgruppe “Hebammenunterstützung” mit 16.000 Mitgliedern hervor und wurde am 22. März 2015 gegründet. Mit zahlreichen Aktionen machen Eltern seit Februar 2014 auf die größer werdenden Missstände in der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland aufmerksam. Mother Hood ist bundesweit mit zahlreichen weiteren Initiativen rund um das Thema Geburt vernetzt.
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