Merkelwürdig

"Und - ja - Europa sollte sich auf das konzentrieren, was es wirklich besser kann als der nationale Staat."
Also sprach die Bundeskanzlerin in ihrer diesjährigen Neujahrsansprache. Inhaltlich gewohnt überraschungsfrei, aber seltsam eingeleitet mit „und ja -“.
Ein rhetorischer Kniff ? Jedenfalls muss sie es dafür gehalten haben, denn wenig vorher wendete sie diesen schon einmal an, als sie den Terroranschlag in Berlin erwähnt. Sie klingt dabei so, als sei sie vergeblich gefragt worden und wolle nun doch noch eine Antwort geben.
Und ja, es hat etwas von einer Beichte. Und nein, in Reden namhafter Politiker sucht man diese Wendung vergeblich. Fündig wird man überraschend in mehreren Songs mit pseudointimen Texten: „Und ja, ich atme dich.“ „Und ja, es geht mir besser als ich aussehe.“ „Und ja, du sprichst zu leise.“ Herausragend aus dieser Bekennerlyrik: „Und ja, wir wollen lebensmüde sein.“ Und nein, die Kanzlerin ruft natürlich im Gegenteil zu Optimismus im Neuen Jahr auf. Gut gemeint, aber irgendwie überflüssig.
Und ja, Merkel sollte sich auf das konzentrieren, was sie wirklich besser kann als Reden halten, nämlich… ach, lassen wir das.
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Franz Firla aus Jena | 12.01.2017 | 10:29  
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