Perú: Der Fluch des Goldes oder warum wir kein Gold kaufen sollten

Protest in Cajamarca, Perú (Foto: (C) 2011 Anne G. Bernhardt, Cajamarca)
 
"Conga No Va" - "Conga geht nicht" (Foto: (C) 2011 Anne G. Bernhardt, Cajamarca)
Cajamarca (Peru): Peru | Seit mehr als vier Jahren doktort die neoliberale Welt-“Elite“ an den Symptomen ihrer hausgemachten Finanzkrise herum, natürlich ohne Erfolg. Vermehrt wird deshalb jetzt Gold als Wertanlage empfohlen, quasi als nervenschonender Ersatz für Dollar- und Euro-Achterbahnfahrten. Nun sind die Ressourcen unserer einen einzigen Erde begrenzt, so auch die Goldmenge. Doch durch den hohen Goldpreis lohnt es für große Konzerne, auch die letzten Reserven mit aufwendigen und zerstörerischen Projekten zu erschließen.
Aktuelles Beispiel ist Minera Yanacocha in Perú, ein Bergbauunternehmen, welches zu 51,35 Prozent dem US-Konzern Newmont Mining Corporation (zweitgrößter Goldproduzent der Welt), zu 43,65 Prozent der peruanischen Minas Buenaventura und zu 5 Prozent der Weltbank gehört. Seit langem schon ist Minera Yanacocha nahe der nordperuanischen Stadt Cajamarca tätig, mit gravierenden Auswirkungen auf die Umwelt und mit krassen Folgen für die Lebensbedingungen und Gesundheit der dort wohnenden Menschen. In mehreren offenen Tagebauen werden dort mittels Zyanidverfahren jährlich 90 Tonnen Gold gewonnen – die größte Goldmine Lateinamerikas und die zweitgrößte in der Welt.
Jetzt aber hat das Unternehmen ein Mammutprojekt noch viel größeren Ausmaßes in Angriff genommen – Minas Conga: Mehrere Millionen US-Dollar werden pro Tag investiert! 2014 soll mit der Förderung von Gold und Kupfer für die nächsten knapp zwei Jahrzehnte begonnen werden. 36.000 Hektar groß soll die Mine werden, Seen als Abfallhalden für Abraum und giftige Abfälle mißbraucht oder in offene Tagebaue verwandelt werden. Kleinere Seen, Feuchtgebiete und Flüsse sind ebenfalls bedroht.
Dieses Aqua-Ökosystem ist allerdings die einzige Versorgung für Trinkwasser und Landwirtschaft der umliegenden Kommunen.
Minera Yanacocha behauptet, diese Seen umsiedeln zu können. Die Leute vor Ort fragen zurecht, ob sie jetzt Gott ist, denn die Seen sind unterirdisch miteinander verbunden, speisen Feuchtgebiete und Flüsse, die Bauerngemeinden und sogar Städte mit Wasser versorgen. Die bisherigen Erfahrungen mit Minera Yanacocha zeigen weiterhin, daß neben verseuchtem Wasser auch die landwirtschaftlichen Nutzflächen kontaminiert werden.
Deswegen protestieren seit dem 24. November diesen Jahres die Menschen im Norden Perús, über 50.000 Menschen kamen allein zu den Streiks ins Zentrum Cajamarcas, bis der neue Präsident Ollanta Humala den Ausnahmezustand verhängte und Militär schickte. Das Projekt sei wichtig für das Land, meint er. Fakt ist aber, daß auch nach jahrelanger Ausbeutung ihrer Bodenschätze die betroffene Region zu den ärmsten des Landes gehört, weil die Gewinne nicht dorthin fließen.
19 der 24 Regionalpräsidenten Perús erklärten sich inzwischen solidarisch mit der Region im Norden, selbst Nonnen und Mönche solidarisieren sich und versorgen die Streikenden und Protestierenden mit dem Nötigsten. Ministerpräsident Salomón Lerner trug den Ausnahmezustand ebenfalls nicht mit und trat vergangene Woche zurück. Der Ausgang der Proteste ist ungewiß.
Deshalb der dringende Appell, kein Gold zu kaufen!
Weder als (Weihnachts-)Geschenk, noch als Wertanlage, denn damit wird unmittelbar der Raubbau solcher Konzerne unterstützt, die Leid für Mensch und Natur anrichten. Das passiert nicht nur in Perú, sondern auch in anderen Goldförderstaaten wie zum Beispiel Ghana. Für sein dortiges “Wirken“ erhielt der Mehrheitseigner von Minera Yanacocha, Newmont Mining, 2009 den Schweizer Negativpreis “Public Eye Award“…

Quellen/ Linktips:
- Protestaktion zum Mitmachen: > Regenwald.org
- “Proteste gegen Goldförderung in Perú – Gute Mine, böses Spiel“: > sueddeutsche.de
- “Hintergrund: Minera Yanacocha“: > jungeWelt.de
- "Wasser, kein Gold": > jungeWelt.de
- “Conga no va!!!“ ("Conga geht nicht!!!"): > youtube.com
- Übersicht: amerika21.de/geo/peru
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