Stadt dreht Geldhahn zu - Galerie im Stadtspeicher muss schließen

Außenansicht des Stadtspeichers: Plötzliches Aus für die Galerie.
JENA. Als es um die Bewerbung für Deutschlands «Stadt der Wissenschaft 2008» ging, war der Stadtspeicher mit seinem vielseitigen Ausstellungs- und Veranstaltungsangebot noch ein Argument, mit dem man bei der Jury punkten konnte. Doch jetzt kommt das plötzliche Aus.

Der Grund: Der Stadtrat ist nicht mehr willens, die vergleichsweise lächerlichen 60.000 Euro im Jahr für die Betreibung der Galerie durch den Stadtspeicherverein bereitzustellen. Der eigens zu diesem Zweck gegründete Verein, in dem neben den beiden Hochschulen und großen Jenaer Firmen auch die Stadt selbst Mitglied ist, muss deshalb bereits im August die Öffnungszeiten drastisch reduzieren, wie Vereinsvorstandsmitglied Dr. Matthias Mann mitteilt. Endgültig Schluss ist dann am 5. September nach einer Podiumsdiskussion zur laufenden Ausstellung «Jenaer Zeissianer - gestern und heute».

Bereits Ende 2011 hatte der Kulturausschuss nur noch ein Drittel der Mittel zur Verfügung gestellt und war von einem Weiterbetrieb der Galerie bis Ende April 2012 ausgegangen, erklärt Dr. Mann. Es folgte auf Anregung der Stadt die Erarbeitung eines neuen Konzeptes unter Einbeziehung des Lesezeichen e.V. und des Jenaer Kunstvereins. Der Kulturausschuss empfahl dann einen Weiterbetrieb bis zunächst bis Ende 2012, der Finanzausschuss bewilligte im Juli die dafür nötigen Zusatzmittel allerdings nicht. «Da war der Zeitpunkt erreicht, den Begriff «Deadline» wörtlich zu nehmen», sagt ein sichtlich frustrierter Vereinsvorstand, früher selbst viele Jahre Stadtrat, der auch von einer «ambivalenten Reaktion» der Stadt spricht. Dass die Galerie überhaupt noch bis August durchhalten konnte, ist unter anderem dem finanziellen Engagement des Zeiss-Betriebes und einer Mietminderung durch den städtischen Immobilienbetrieb KIJ zu danken.

Zwei in der Vorbereitung weit fortgeschrittene Ausstellungen müssen durch die Schließung entfallen. «Vielleicht lassen sie sich ja an einem anderen Ort in der Stadt doch noch realisieren», sagt Galeristin Katy Kasten-Wutzler.

Wie es in den bald leerstehenden Etagen des geschichtsträchtigen Hauses weitergeht, ist noch unklar. Dr. Mann hofft, dass das Haus «für die Öffentlichkeit in angemessener Weise zugänglich bleibt und seinem Namen als Speicher von Bildung und Wissen, von Kunst und Kultur sowie von Wirtschaft und Politik weiter gerecht wird.»
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 02.08.2012 | 15:37  
1.296
Bernd Hausdörfer aus Jena | 02.08.2012 | 15:48  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige