Was wird aus unserem Eichplatz?

Wieland Rose von der Bürgerinitiative "Mein Eichplatz" sieht Nachbesserungsbedarf am Entwurf des Bebauungsplanes. Links im Hintergrund die zum Bebauungsplan gehörende "neue mitte" und der jetzige Parkplatz.
 
So ähnlich könnte der Eichplatz aussehen: Links das "Schiff" genannte Gebäude auf der Fläche der jetzigen Grünlage (MK3), das direkt an die Johannisstraße heranrückt. Rechts der große Gebäudekomplex auf der Bebauungsfläche MK2. Visualisierung: Stadtverwal (Foto: Stadtverwaltung Jena)
Die Neubebauung des Jenaer Eichplatzes scheint nach langjährigen Bemühungen seitens der Stadtverwaltung jetzt konkrete Formen anzunehmen. Den 3. Entwurf für den Bebauungsplan „Eichplatz“ billigte am 27. Oktober 2010 der Stadtrat mehrheitlich (23:15 Stimmen), eine zweimonatige öffentliche Auslegung der Pläne ist mittlerweile abgeschlossen.
Der AA sprach mit Wieland Rose, er ist ein Sprecher der Bürgerinitiative „Mein Eichplatz“ und stellvertretender Ortsteilbürgermeister von Jena-Zentrum, über Ergebnisse und Perspektiven.

AA: Die Auslegung des Bebauungsplanes ist beendet, die Bürgerbeteiligung damit auch?

Rose: Noch nicht, es können bis zur Bearbeitung des Abwägungsbeschlusses, die Ende März oder Anfang April erfolgen dürfte, Kritiken und Vorschläge eingereicht werden.

AA: Wie war die bisherige Beteiligung der Jenaer Bevölkerung?

Rose: Rund 350 Eingaben gingen über unser Internetportal www.mein-eichplatz.de ein und wurden an die Stadtverwaltung weitergeleitet. Die weiteren Möglichkeiten eingerechnet dürften sich bislang zwischen 500 und 600 Bürger an der Diskussion beteiligt haben.

AA: Wie schätzen Sie die Ergebnisse ein? Was waren die meistgenannten Kritikpunkte?

Rose: Bemängelt wird die Massigkeit der Baukörper, die eine gute, der Innenstadt angepasste Architektur unmöglich macht. Besonders steht der Komplex auf der im Bebauungsplan mit MK2 bezeichneten Planungsfläche in der Kritik. Wenn dort, wie es im Gespräch ist, ein großer Elektronikmarkt einzieht, wird es zum Beispiel kaum kleinteilige Fensterfronten geben können. Viele Einsender befürchten, dass die Bebauung dieses exponierten Platzes nahtlos an die innerstädtischen Bausünden der vergangenen Jahrzehnte anknüpft. Oftmals wird auch das fehlende Grün in den Planungen bemängelt.
Außerdem sind viele Bürger nicht damit einverstanden, dass die Verwaltung den Platz komplett verkaufen will. Sie befürchten, dass die Stadt dann kam noch Einfluss auf die Entwicklung hat.

AA: Im Beschluss der Stadt für den Gesamtkomplex Eichplatz ist ein verpflichtender Wohnraumanteil von nur 3 Prozent festgeschrieben, obwohl in Jena akuter Mangel an Wohnraum herrscht…

Rose: Das ist für viele Bürger kaum nachvollziehbar. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass, wie von Studentenvertretungen geäußert, an dieser exponierten Stelle sozialer Wohnungsbau machbar ist. Doch jede „normale“ Wohnung, die hier entsteht, entspannt die Situation anderswo und entschärft die Situation insgesamt. Hier sollen für künftige Investoren alle Optionen offen gehalten werden, auch wenn diese nicht den Intentionen der Einwohner entsprechen. Ich weiß, dass zwei große Jenaer Wohnungsgesellschaften Interesse signalisiert haben, hier Wohnungen zu bauen, ohne dass sie offensichtlich in den Planungen eine Rolle spielen. Überhaupt bleibt die Transparenz in diesem Verfahren auf der Strecke. Die Stadt hält sich bedeckt in der Frage, wer die fünf Investoren sind, mit denen man in Kontakt sei. Die Möglichkeiten einer Bürgerbeteiligung werden in Jena bei weitem nicht voll ausgereizt

AA: Durch die geplante Bebauung fällt der wichtigste innerstädtische Parkplatz weg. Wie kann man das kompensieren?

Rose: Nach einem neueren Gutachten wäre es möglich, die geplante Tiefgarage auch zweigeschossig zu bauen, was allerdings wegen der Grundwasserproblematik bedeutend kostenintensiver wäre. Selbst wenn die zweigeschossige Variante realisiert würde, stünden dann immer noch wesentlich weniger öffentliche Parkplätze als bisher zur Verfügung.

AA: Die geplante Bebauung des Inselplatzes würde später die Situation dann noch weiter verschlechtern…

Rose: Sicherlich, die Plätze müssten dann an anderen Stellen geschaffen werden. Eich- und Inselplatz sollten meines Erachtens parallel diskutiert und beplant werden, wenn es zu optimalen städtebaulichen Lösungen kommen soll.
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2 Kommentare
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Dietrich Kappitz aus Jena | 09.02.2011 | 19:15  
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Sarah Stöbe aus Jena | 26.05.2011 | 08:23  
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