Autopanne: Lebensgefahr durch minderwertigen Stahl?

Nur scheinbar sicher: Der Citroen C3.
Früher hatten die Autos meiner Freunde und Bekannten Motorschäden, Rostschäden, kaputte Stoßdämpfer. Es waren ziemlich alte Kisten. Mein mittlerweile 6 Jahre alter Citroen C3, den ich als Neuwagen gekauft habe, hatte kürzlich seinen zweiten Federbruch. So etwas gibt es erst seit 10 Jahren, sagt der Werkstattleiter meines Vertrauens. Schuld daran sei minderwertiger Importstahl. Bringt mich Citroen in Lebensgefahr?

Das Reisegepäck war verstaut, mein Kind kuschelte sich in den Kindersitz und ich steckte den Zündschlüssel ins Auto. Mit einer Hand winkte ich meinem Freund zum Abschied zu. Jetzt würde ich endlich losfahren, zu einer 400 Kilometer entfernten Geburtstagsfeier und danach ein paar Tage noch weiter südlich in die Berge zum Skifahren. Ich legte den ersten Gang ein und hörte beim Anfahren ein fürchterliches Knarren. Mein Freund winkte mich aus dem Auto, um mir zu zeigen, dass es vorne auf die Räder abgesackt war. Irgendwas muss weggebrochen sein. Ich denke an Silvester, die Knaller und experimentierfreudige Jugendliche, denen die Briefkästen vielleicht nicht mehr reichen.

Gepäck und Kind müssen wieder aus dem Auto raus. Ich rufe den ADAC an und danach mein Autohaus mit Werkstatt aus der Ursprungsheimat, um schon mal in Erfahrung zu bringen, was das sein könnte und wie lange eine Reparatur wohl dauernd würde. Der Mitarbeiter tippt sofort auf Federnbruch und erklärt mir, dass es bei Citroen einige Chargen gab, mit denen man die Erfahrung gemacht hatte, dass sie häufig brechen. Interessant, dass ich das auch schon erfahre, denke ich. Ich bekomme noch den Tipp an meine Mobilitätsgarantie zu denken, die mir für solche Fälle einen Leihwagen garantiert und mit der ich eigentlich auch mein Auto hätte abschleppen lassen können. Ich ärgere mich kurz, dass ich den ADAC, bei dem ich schon vor dem Neuwagenkauf Mitglied war, angerufen hatte, aber Zeit ist Urlaub und ich gebe die Hoffnung noch nicht ganz auf, irgendwie doch noch wegzukommen.
Der Abschleppwagen hielt in meiner Straße an und der Fahrer fragte mich, ob ich „Plus-Mitglied“ sei, was ich verneinte. Für ein einfaches Abschleppen wird meine Mitgliedschaft ja wohl reichen, dachte ich. Der Fahrer schien auch keine Probleme zu sehen, und begann mein Auto aus der Parklücke zu manövrieren, was etwas verzögert wurde durch eine Frau, die mit ihrem Auto die Ausfahrt blockierte und die meine Bitte, sie möge doch zurückfahren, als Nötigung auffasste. Ich beschloss, sie zu ignorieren und sah, wie sie im Auto wild gestikulierte. Meine Nachbarn kamen hinzu, sie wollten auch ausparken und mussten nun gemeinschaftlich mit mir warten. Ich erzählte ihnen, vermutlich Federnbruch und hätte ich noch Glück gehabt. Zwei Tage vorher hatte ich nämlich meine Masterarbeit in Leipzig abzugeben. Aber ein Freund fuhr mich mit einem anderen Auto dorthin. Hätte ich an diesem Tag feststellen müssen, dass mein Auto kaputt war oder es wäre unterwegs kaputt gegangen, ich hätte wohl einen Nervenzusammenbruch bekommen. Wenn ich es überhaupt überlebt hätte.

Nachdem die wartende Frau wieder in ihr Auto eingestiegen war und ihr minutenlanges Streitgespräch mit dem Abschleppdienst beendet hatte, bei dem die Worte „Polizei“ und „Nötigung“ fielen, stieg ich beim ADAC-Fahrer in den Transporter ein, der inzwischen an die Straßenseite gefahren war, damit die Wartenden vorbeifahren konnten. Auf der Fahrt zu einer in der Nähe gelegenen Werkstatt meines Vertrauens erklärte mir der Abschleppfahrer, wie ein Federnbruch während der Fahrt die Reifen aufschlitzt und welche Gefahr für Leib und Leben besteht. Das sei auch schon sein zweiter heute. Vorher hatte es einen Renault getroffen. Mir fiel ein, dass es wohl auch mein zweiter Bruch war, denn vor zwei Jahren war ich schon mal bei Obi kurz nach Verlassen des Parkplatzes mit den gleichen Symptomen hängen geblieben. Ich hatte gerade einen Weihnachtbaum eingeladen, es lag viel Schnee und der ADAC vertröstete mich auf Stunden, weil es viele Notfälle auf den Bundesstraßen und Autobahnen gab. Eine freie Werkstatt in der Nähe von Obi schleppte mich ab und reparierte den Schaden, den ich damals voll bezahlte. Was ich gar nicht hätte müssen, weil Citroen hier eine Kulanz anbietet, und wenn eine darum wissende Vertragswerkstatt einen Federbruch repariert, wird gleich die zweite Feder sicherheitshalber ausgetauscht. Es wird auch manchmal eine Sicherheitsscheibe eingebaut, die verhindern soll, dass die Reifen aufgeschlitzt werden, erklärt mir später der Werkstattleiter.

Kulant wollte auch der ADAC mir gegenüber sein. Ich erfuhr zwischenzeitlich, dass man gar nicht abgeschleppt werden darf, wenn das Auto nicht 40 Kilometer vom Wohnort entfernt auf der Strecke stehenbleibt. Vor dem Hause zählt nicht, jedenfalls nicht ohne ein Plus in der Mitgliedschaft. Ich denke, wie gut, dass ich aus Versehen manchmal was doppelt abschließe und setze auf meine Citroen Mobilitätsgarantie, falls es sich der ADAC doch noch anders überlegen sollte.

Der Mietwagen wird mir ausgehändigt, aber man macht mir keine Hoffnungen, dass ich den eine ganze Woche behalten könnte. Der Werkstattleiter ging davon aus, dass er mein Auto bis Montagabend repariert hätte, auch wenn er bei seiner ersten Anfrage nach Ersatzfedern den Donnerstag als Liefertermin genannt bekommen hatte. Weitere Beschaffungskanäle sollten Abhilfe schaffen, man gebe sich alle Mühe, könne aber nichts versprechen.

Ich entschied mich, mit dem Leihwagen erst mal zum Geburtstag zu fahren. Die folgenden Tage regnete es unaufhörlich, das Skifahren war ins Wasser gefallen und ich beschloss wegen dem Leihwagen nicht zu verhandeln und stattdessen mein mittlerweile repariertes Auto abzuholen. Ich bekam eine Rechnung von fast 200 Euro. Durch den Federbruch waren weitere Schäden an der Bremsleitung und anderem entstanden. Der Mietwagen sollte mich pro Tag 14 Euro netto kosten, wovon in der Mobilitätsgarantie nichts stand. Nach mehreren Minuten klärte sich auf, dass der Werkstattleiter gar nicht davon ausgegangen war, dass ich so eine Garantie hatte. Die Summe minderte sich auf die Folgeschäden, was ich immer noch als unfair empfand von Citroen. Ich bezahlte und räumte das Mietauto aus. Währenddessen sah der Werkstattleiter, dass meine Mobilitätsgarantie im Sommer abgelaufen war. Mein heimatliches Autohaus hatte sie trotz regelmäßiger Inspektionen nicht verlängert und dies war rückwirkend auch nicht mehr möglich. Diese Garantie, so erfuhr ich, ist nicht etwa etwas, was der Autohersteller seinen Kunden als besondere Leistung einräumt für vielleicht nicht ganz so zuverlässige Autos. Diese Garantieversicherung müssen die Händler bezahlen.

Trotz wohlwollendem Entgegenkommen kann es nun sein, dass die Angelegenheit sehr teuer für mich wird. Noch teurer erscheint mir im Nachhinein allerdings das Risiko zu sein, das ich all die Jahre unbewusst in Kauf genommen habe – nämlich jederzeit während der Fahrt die Kontrolle über mein Auto zu verlieren. Die Schrottfedern sind Zeitbomben. Einen Rückruf gab es nur für vorherige Baujahre. Man meinte wohl, das Problem behoben zu haben, sagt der Werkstattleiter. Wie viele andere Autos und Automarken das wohl betrifft? Und wo ist dieser Stahl sonst noch zu finden? In Häusern, Brücken, Schienen?
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2 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 12.01.2013 | 21:10  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 15.01.2013 | 12:17  
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