Bürgerarbeit als Chance

jenarbeit-Chef Eberhard Hertzsch (re.) und „Bürgerarbeit“-Projektleiter Ronny Thurm.
 
Der Eingang von „jenarbeit“ an der Tatzendpromenade (Foto) sowie das Gebäude der Arbeitsagentur an der Stadtrodaer Straße wurden kurz vor Weihnachten mit Farbbeuteln beworfen.
Jena: jenarbeit | Was am 1. Januar 2005 als Modellversuch begann, ist jetzt gesetzlich verankert und auch schon vom Bundesrat abgesegnet. Damals hatte sich Jena als so genannte "Optionskommune" darum beworben, die Betreuung der Arbeitslosen nach SGB II (Hartz-IV-Empfänger) selbst - ohne die Bundesagentur für Arbeit - übernehmen zu können. In Thüringen erhielten zwei Bewerber den Zuschlag - außer Jena noch der Landkreis Eichsfeld.

Die Stadt Jena gründete daraufhin den Eigenbetrieb "jenarbeit", allerdings unter dem Vorbehalt, bei Scheitern des Modellversuchs diesen wieder schließen zu müssen. Diese Unsicherheit besteht seit Jahresbeginn durch eine Gesetzesänderung und die daraus resultierende Entfristung des Options-Modells für Jena und bundesweit 66 weitere Städte und Landkreise nicht mehr. Gegenwärtig werden von "jenarbeit" 5.550 Bedarfsgemeinschaften mit über 9.000 Leistungsempfängern betreut. Die Hälfte davon sind allerdings keine Arbeitslosen sondern "Aufstocker", Menschen mit einer regulären Beschäftigung, die aufgrund ihres geringen Einkommens zur Existenzsicherung noch auf staatliche Hilfe angewiesen sind. "Tendenz leider steigend", bedauert "jenarbeit"- Werkleiter Eberhard Hertzsch.

Allerdings hat sich die allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland auch in Jena in den letzten Jahren deutlich verbessert, was zum Beispiel an der um 1.500 gesunkenen Zahl der Bedarfsgemeinschaften deutlich wird. Dies hat zum einen natürlich mit der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung zu tun, allerdings auch mit der effektiven Vermittlungstätigkeit bei "jenarbeit". Diese Entspannung eröffnet nun auch Möglichkeiten, die Kapazitäten gezielter für die Schulung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt einzusetzen. Ein Instrument dazu ist das im Sommer 2010 unter dem Motto "Konsequentes Fördern und Fordern" von Bundesarbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen ins Leben gerufene Modellprojekt "Bürgerarbeit", an dem fast 200 Jobcenter in Deutschland beteiligt sind. In Jena angelaufen ist das Projekt zum 1. Oktober 2010. Es besteht aus einer sechsmonatigen "Aktivierungsphase", in der die von "jenarbeit" ausgewählten Arbeitslosen fit für den ersten Arbeitsmarkt gemacht werden sollen.

Im günstigen Falle werden schon in dieser ersten Phase möglichst viele Teilnehmer in den ersten Arbeitsmarkt gebracht. Von den ersten 100 Personen, die im Oktober in das Projekt starteten, sind momentan bereits 18 vermittelt, wie Ronny Thurm, Projektleiter Bürgerarbeit bei "jenarbeit", erfreut konstatiert. Wer von diesen 100 Teilnehmern den Sprung in ein reguläres Arbeitsverhältnis nicht schafft, hat dann aber noch die Chance auf einen der ab April 2011 zur Verfügung stehenden 25 "Bürgerarbeitsplätze". Diese werden bei einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden und 900 Euro Brutto im Monat für drei Jahre vergeben und sind vom Bund finanziert. Ein Einsatz ist zum Beispiel als Gemeindearbeiter oder als Mitarbeiter bei Vereinen mit gemeinnützigem Charakter möglich. Bedingung ist, dass mit den "Bürgerarbeitsplätzen" keine bestehenden Arbeitsplätze gefährdet werden. Hierbei dürfte die Entscheidung nicht immer einfach, oft eine Gratwanderung sein. Deshalb soll ein Beirat, dem auch Vertreter der Handwerkskammer, der IHK und der Gewerkschaften angehören, auf die Einhaltung dieser Maßgabe achten.

Gestaffelt werden in diesem Jahr 500 weitere Langzeitarbeitslose in das Projekt einsteigen können, für die nochmals 125 vom Bund bezahlte dreijährige "Bürgerarbeitsplätze" zur Verfügung stehen. Gezwungen, an dem Projekt teilzunehmen, soll laut Ronny Thurm übrigens niemand. Ganz im Gegenteil gehe man gern auf geäußerte Wünsche zur Teilnahme ein.
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