Ehrlicher als angenommen

Volkmar Voigt in seinem Reich: Im Lager des Fundbüros werden die beschrifteten Fundstücke aufbewahrt, damit Bürger auch nach längerer Zeit ihr Eigentum zurückbekommen können. Foto: Hausdörfer
Selbst 1300 Euro in bar landeten schon im Jenaer Fundbüro – eine Nachfrage lohnt sich

JENA. Der Job von Volkmar Voigt scheint krisensicher: Etwas verloren wird schließlich immer und ehrliche Finder, die die Sachen bei ihm im Jenaer Fundbüro abgeben, gibt es zum Glück auch noch viele. Rund 500 bis 600 Privatpersonen bringen jedes Jahr aufgefundene Gegenstände zur Sammelstelle der Stadtverwaltung. Dazu kommen noch 3000 bis 3500 Amtsfunde. Das sind Sachen, die Mitarbeiter von Einrichtungen und Firmen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit finden. Spitzenreiter ist hier der Nahverkehr, der 2012 allein 1714 Funde vermeldete. „Vom Klassiker Schirm, über Mützen oder Handschuhen bis zum prall gefüllten Koffer ist da alles dabei“, erzählt Volkmar Voigt. Gerne verloren wird auch im GalaxSea. Zu den Zeiten, als auch Schwimmhalle und Badelandschaft noch geöffnet waren, sind da schon mal sechs Müllsäcke voll im Monat zusammen gekommen.

Dass die Bürger viel ehrlicher sind, als man oft meint, zeigt die Abgabe von Geldfunden. Stolze 1300 Euro in einem Umschlag landeten schon auf dem Tisch von Volkmar Voigt.

Welche Rechte und Pflichten haben die Finder eigentlich? „Fundsachen ab einem Wert von zehn Euro sind prinzipiell melde- und abgabepflichtig“, stellt Volkmar Voigt klar.

Bei der Abgabe durch Privatpersonen werden die Finder gefragt, ob sie Eigentum an der Fundsache geltend machen bzw. Finderlohn haben wollen. Meldet sich der ursprüngliche Eigentümer, muss er, um das gute Stück zurück zu bekommen, neben einer Bearbeitungsgebühr auch den Finderlohn zahlen. Der beträgt 5 Prozent bei einem Zeitwert bis 500 Euro, darüber hinaus 3 Prozent. Wird das Fundstück in der vorgeschriebenen Frist von sechs Monaten nicht abgeholt, kann der Finder das Fundstück für sich beanspruchen. Wenn kein Eigentumsanspruch angemeldet wurde - das gilt auch für alle Amtsfunde - geht das Fundstück nach Ablauf der Frist in das Eigentum der Stadt über.

Von der einige Jahre geübten Praxis, gefundene Fahrräder zu versteigern, hat sich die Stadt mittlerweile verabschiedet, auch aus Platzgründen. Bis auf die aktuellen Neufunde werden Fahrräder jetzt bei der ÜAG gelagert. Meldet sich kein Eigentümer, kann die gemeinnützige Einrichtung die Räder verwerten. Weitere Fundsache gehen zum Beispiel an den Kinder-City e.V. in Winzerla und andere karitative Vereine. Der nicht verwertbare Rest wird vernichtet.

Infos:
Fundbüro Jena
Löbdergraben 12
Tel. 03641 49-2523
Aktuelle Funde können beim online-Service der Stadt unter www.jena.de abgefragt werden.
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