Gebrauchtwagen-Check: VW Polo

Der VW Polo der aktuellen Baureihe 6R ist mittlerweile einige Zeit auf dem Markt - und wird deshalb auch schon als junger Gebrauchtwagen erschwinglich. Ab etwa 8000 Euro lohnt die Suche nach einem gebrauchten Exemplar des Wolfsburger Bestsellers. Ist er auch einen Kauf wert?

Geräumiger Innenraum, etwas mutlos gestaltet


Die optische Nähe zum größeren Golf wertet den Polo zweifelfrei auf: Im Innenraum kommen für einen Kleinwagen sehr hochwertige Materialien zum Einsatz, die sich zudem auch noch angenehm anfassen lassen. VW-typisch gibt es an der Bedienung des etwas konservativ gestylten Cockpits nichts auszusetzen. Gleiches gilt auch für die Qualität, selbst wenn echte Langzeiterfahrungen derzeit noch fehlen. Verglichen mit einem Golf der aktuellen Generation fällt natürlich das spürbar geringere Platzangebot auf. Im Umfeld der Kleinwagenkonkurrenz darf der Polo mit seinen 280 Litern Kofferraumvolumen zwar als geräumig gelten, bei einer direkten Gegenüberstellung mit dem großen Bruder fällt das geringere Raumangebot im Schulterbereich auf, weil der Polo eine schmalere Karosserie besitzt. Einziger Wermutstropfen: Die Haltbarkeit der Sitzbezüge scheint begrenzt. Gegenüber den Vorgängern ist für den deutschen Markt die Anzahl der Karosserievarianten eingeschränkt worden, nur 3- und 5-Türer mit Steilheck sind noch erhältlich - der Kombi ist genauso entfallen wie das Stufenheck.

16 Motoren im Polo: Für jeden etwas


Auch bei der Motorenauswahl kommt der Führungsanspruch zur Geltung, den VW mit dem Polo in der Kategorie der Kleinwagen erhebt: Zehn Benziner und sechs Diesel stehen zur Auswahl, besonders Letzteres ist für einen Kleinwagen ungewöhnlich. Wie auch schon im Neuwagen sind auch bei Gebrauchten besonders die kleinen Otto-Motoren preiswert. Der Dreizylinder mit nur 1,2 Litern Hubraum hat allerdings spürbar mit Größe und Gewicht des Fahrzeugs zu kämpfen und ist in der Praxis meist auch weniger sparsam als erhofft. Es muss nicht die GTI-Variante mit 132 kW/180 PS sein, die 63 kW/85 PS des 1,4 Liter Motors reichen im Alltags vollkommen aus und knausert mit dem Sprit. Deshalb lohnt der Aufpreis der Diesel nur für Vielfahrer - auch wenn der 1,2 Liter TDI mit nur etwas mehr als drei Litern Kraftstoff 100 km weit kommt. Selbiges gilt für die von VW "Bifuel" getauften Erdgas-Varianten der Benziner, die nur in 1,4 und 1,6 Liter-Motorisierungen zu haben sind.

Lückenlose Sicherheitsausstattung


Vollausstattung auch bei der Sicherheit: Bereits in der einfachsten Austattungslinie "Trendline" sind vier Airbags und der Schleuderschutz ESP enthalten. Sportlicher geht es bei der Variante "Highline" zu. Neben Sportsitzen und größeren 15 Zoll-Rädern sorgt das Lederlenkrad für optische Akzente. Die Variante "Comfortline" setzt dagegen mehr auf Bequemlichkeit: Klimaanlage, Parksensor und Zentralverriegelung mit Fernbedienung sind dann immer an Bord. Die Besonderheit des Polos im Vergleich zu anderen Kleinwagen liegt allerdings darin, dass sich nahezu jedes erdenkliche Ausstattungsmerkmal gegen Aufpreis liefern lässt.

Musterschüler bei der ersten Hauptuntersuchung


Auch wenn eine Beurteilung der Langzeitqualität derzeit noch schwerfällt: Der Polo scheint ein sehr solides Fahrzeug zu sein. Bei der ersten Hauptuntersuchung nach drei Jahren wurde er gleich der Kleinwagen mit der geringsten Mängelquote. Selten kommt es zu Ölundichtigkeiten an Motor und Getriebe, der Turbolader - sofern vorhanden - fällt bei einigen Fahrzeugen aus und beim Doppelkupplungsgetriebe DSG sollte ein Softwareupdate durchgeführt worden sein - ansonsten kommt es häufiger zu Rucklern.

Fazit: Einzig der hohe Preis verschreckt


Insgesamt gibt es am VW Polo 6R wenig zu kritisieren: Kaum ein Kleinwagen ist so erwachsen wie der Polo. Platzangebot und Qualitätsanmutung sind für diese Fahrzeugkategorie hervorragend, dazu kommt eine breite Motorenpalette und eine lange Ausstattungsliste. Wer bereit ist, den entsprechenden Preis zu zahlen, kann den Polo problemlos wie eine komfortable Mittelklasselimousine ausstatten. Einzig die hohen Gebrauchtpreise sowie der etwas nüchterne, wenn auch seriöse Auftritt sprechen gegen den Kauf.
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