Intensivskifahren im Schwarm

  Sölden (Österreich): Giggijoch | Sölden, der Skifahrort im österreichischen Ötztal ist nicht billig. Aber sehr beliebt, weil er im Matschmonat März als eines der sichersten Schneegebiete gilt. Bei meiner Einfahrt in die österreichischen Täler zeigte mein Auto-Thermometer 10 Grad Plus an – abends um acht. In Thüringen herrschten derweil Gefrierfach-Temperaturen. Selbst in Jena hatte es frisch geschneit.

Da Skifahren in Sölden in großer Höhe stattfindet, sorgte ich mich nicht wirklich. Und viele andere auch nicht. In warmer Frühlingssonne versammelten wir uns am Vormittag als große Herde vor der Gigijoch-Gondel. Eingehüllt in Thermohosen und Jacken, bepackt mit Skiern oder Snowboards schlurften wir alle paar Sekunden ein Stückchen dem Einstiegsbereich der Gondel entgegen. Familien mit Kindern sollen sich ganz links einordnen. Sie erreichen damit die leeren Gondeln zuerst und haben mehr Zeit zum Einsteigen. Denn die Gondeln bleiben nur im Notfall stehen. Dann halten alle – auch die, die gerade unterwegs auf die kilometerhohen Berge sind. In Ruheposition schwanken sie leicht auf und ab und einige Skifahrer atmen sichtbar tief durch, um keine Unruhe aufkommen zu lassen.

Der Gondeltransport ist eine technologische Meisterleistung. Nur ein reibungsloser Gondel- und Liftbetrieb gewährleistet das Intensivskifahren. Tausende müssen auf die Berge befördert werden und das geht nicht ohne deren Mithilfe. Beim Transport passt sich der einzelne Skifahrer dem Schwarm an. Meist gleitet alles sanft dahin. Man redet nicht, versteht aber, wenn die Zeit gekommen ist, die Skier vom Lift zu nehmen, damit das Verdeck geöffnet werden kann. Der Ausstieg findet synchron statt. Auf der Piste bricht der Schwarm auseinander, sofern er nicht von einem Skilehrer angeführt wird. Die weniger guten Skifahrer werden zu sich bewegenden Hindernissen, die von versierten Fahrern mit eleganten Schwüngen umfahren werden. Bei einem Zusammenstoß wäre es vermutlich egal, wer der bessere Skifahrer war. Die Verletzungsgefahr ist in so einer Situation für beide gleich und dieses Bewusstsein trägt offenbar zu einem Verhalten bei, das man schon als gegenseitige Rücksichtnahme bezeichnen könnte. Regelmäßig sichtbare Rettungshubschrauber und aufheulende Snowmobile erinnern daran, dass es jeden jederzeit erwischen kann.

Umso entspannter geht es auf den Sonnenterassen zu, die je nach Wetterlage von manchen auch schon am frühen Morgen besucht werden. Das ist erstaunlich, da eine Liftkarte pro Tag so um die 40 Euro kostet. Hier subventionieren die Wenigfahrer die Vielfahrer und die kleinen Kinder, die Snowkids. Sie können bis zum Alter von 7 Jahren für einen Euro pro Tag fahren. Da die Skischulen alle 12 Uhr für eine Stunde Pause machen, ist während dieser Zeit der größte Andrang in den Versorgungseinrichtungen. Die können die Größe einer Almhüttenwirtsstube haben aber auch die eines Multiplexkinos, mit Rolltreppen und drei verschiedenen Cafeterien, allerdings mit identischem Angebot. Hier scheint die Effizienz genauso bedeutsam zu sein wie in der Intensivlandwirtschaft.

Aber es funktioniert, die Leute fühlen sich sichtbar wohl und anders wären diese Massen auch nicht zu verköstigen. Die Preise sind gerade noch so erträglich. Ein Kaffee aus einer Mensatasse kostet nicht ganz drei Euro. Das Rockkonzert in mehreren tausend Metern Höhe gab es am Freitagnachmittag zum Skipass kostenlos dazu.
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8 Kommentare
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 25.03.2013 | 14:54  
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Antje Hellmann aus Jena | 25.03.2013 | 15:56  
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 25.03.2013 | 16:20  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 25.03.2013 | 21:36  
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Antje Hellmann aus Jena | 26.03.2013 | 00:59  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.03.2013 | 01:51  
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Silke Dokter aus Erfurt | 28.03.2013 | 08:55  
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Silke Rönnert aus Gotha | 28.03.2013 | 10:22  
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